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Volkswagen und Zulieferer beendeten Machtprobe

VW und zwei wichtige Zulieferer haben ihre beispiellose Machtprobe beendet und arbeiten wieder zusammen. Europas größter Autobauer und die beiden Unternehmen der Prevent-Gruppe einigten sich am Dienstag in Wolfsburg nach 20-stündigen Verhandlungen auf ein Ende der tagelangen Hängepartie, die bei VW zu einem teilweisen Produktionsstopp und Kurzarbeit für Tausende Mitarbeiter geführt hatte.

Volkswagen und Zulieferer beendeten Machtprobe SN/APA (dpa)/Hendrik Schmidt
Die Verhandlungen verliefen erfolgreich.

Darüber, wie die Einigung im Detail aussieht, schweigen beide Seiten. Die beiden Zulieferfirmen wollen die Belieferung von Volkswagen nun wieder aufnehmen. Bei den Lieferanten handelt es sich um die sächsischen Firmen Car Trim GmbH und ES Automobilguss.

Die betroffenen VW-Standorte bereiten nun die Wiederaufnahme der Produktion vor, das Thema Kurzarbeit dürfte sich für die Werke in Emden, Wolfsburg, Kassel und Zwickau somit rasch erledigen. Ein Sprecher des VW-Werks Kassel-Baunatal sagte, am Donnerstag werde die volle Kapazität wieder erreicht. In Kassel werden Getriebe hergestellt, ES Automobilguss will nun benötigte Getriebeteile wieder liefern.

Der Zulieferer ES Automobilguss teilte mit, beide Seiten hätten sich darauf verständigt, die Geschäftsbeziehungen langfristig fortzuführen - "in Form einer gegenseitigen, vertrauensvollen und verbesserten partnerschaftlichen Zusammenarbeit in allen Bereichen." Für die weitere Kooperation seien "Prinzipien" abgestimmt worden, sagte Alexander Gerstung, Mitglied der Geschäftsleitung. Außerdem habe es eine "gütliche und faire Einigung" über bisher offene finanzielle Themen gegeben.

"Die Lieferungen werden wieder aufgenommen und deshalb steht für uns außer Frage, dass die Unternehmen vertragsgemäß weiter zusammenarbeiten", sagte ein VW-Sprecher. Darüber hinaus wollte er sich nicht äußern.

Zwischen Volkswagen und den beiden wichtigen Teilezulieferern tobte seit Tagen ein Streit um eine Kündigung von Aufträgen. Dem Vernehmen nach ging es dabei um ein Zukunftsprojekt, bei dem Car Trim von 2017 an Sitzbezüge für VW und Porsche liefern sollte. VW soll Qualitätsmängel geltend gemacht haben. Car Trim aber war in Vorleistung getreten, daher sollte VW dem Vernehmen nach einen "mittleren zweistelligen Millionenbetrag" als Wiedergutmachung zahlen. Car Trim soll dazu noch andere Forderungen gestellt haben, die VW nicht erfüllen wollte. Als Reaktion darauf stellte Car Trim die Lieferungen ein, außerdem die Schwesterfirma ES Automobilguss.

Nach der Einigung mit VW rollten auf dem ES-Betriebsgelände in Schönheide am Dienstag wieder die Lastwagen. Bei Beschäftigten der Firma im erzgebirgischen Schönheide herrschte aber auch nach einer Betriebsversammlung die Sorge um die Zukunft des Standortes. "Die Stimmung ist schlecht, wir wissen eigentlich nicht mehr als vorher", sagte Christian Schelakovsky vom Betriebsrat. Den Mitarbeitern sei unklar, ob die Lieferverträge mit Volkswagen auch über 2018 hinaus gingen - dann enden die bisherigen Verträge.

Wegen des Lieferstopps standen bei Volkswagen viele Bänder still: Der Konzern wartete auf Getriebeteile von ES Automobilguss und Sitzbezüge von Car Trim. Wegen des Streits konnten laut VW 27.700 Mitarbeiter in mehreren Werken nicht so arbeiten wie geplant. Allen voran stand im Stammwerk Wolfsburg die Produktion des wichtigsten VW-Modells Golf still.

VW-Aufsichtsrat und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil sagte, er freue sich für die Beschäftigten, die nun wieder an ihre Arbeitsplätze zurück könnten. "Sie sind in den letzten Tagen Opfer eines Konfliktes geworden, der ohne Not auf ihrem Rücken ausgetragen worden ist", sagte der SPD-Politiker in Hannover - und kritisierte nochmals das Vorgehen der beiden Zulieferer. "Es bleibt bei mir ein Unbehagen über das Vorgehen der Prevent Group, die nicht bereit war, den in unserem Rechtsstaat vorgesehenen Weg einer Klärung vor den Gerichten zu gehen." VW hatte vor Gericht bereits zwei einstweilige Verfügungen erwirkt, die die Firmen zur Lieferung verpflichteten.

Auch der VW-Betriebsrat begrüßte die Einigung und die Wiederaufnahme der Produktion. "Die Kolleginnen und Kollegen hatten kein Verständnis dafür, dass sie wegen des einseitig verhängten Lieferstopps nicht mehr an ihre Arbeitsplätze gehen konnten", sagte ein Sprecher.

Quelle: Apa/Ag.

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