Wirtschaft

VW lässt Entwicklung von Verbrennungsmotoren auslaufen

Der deutsche Volkswagen-Konzern will bei seiner Hauptmarke VW so wie bei Audi keine neuen Verbrennungsmotoren mehr entwickeln. "Aktuell gehe ich nicht davon aus, dass noch einmal eine komplett neue Motorenfamilie an den Start geht", sagte Markenchef Ralf Brandstätter der "Automobilwoche".

Der Auspuff eines VW Tiguan SN/APA (dpa)/Julian Stratenschulte
Der Auspuff eines VW Tiguan

Derzeit genutzte Aggregate würden aber weiterentwickelt. "Wir brauchen sie noch eine bestimmte Zeit, und da müssen sie so effizient wie möglich sein." Brandstätter hatte bereits angekündigt, dass VW damit rechne, 2040 die letzten Verbrenner auf die Straße zu bringen.

Indes haben am Wochenende mehrere deutsche Umweltorganisationen ein Ende des Verbrennungsmotors bis 2030 geordert. In einem gemeinsamen Brief riefen sie die deutschen Autobauer auf, spätestens 2030 keine neuen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr zu verkaufen. Hersteller wie Volkswagen, Daimler und BMW müssten ihre Produktion stattdessen auf "effiziente und verbrauchsarme Elektrofahrzeuge ausrichten", heißt es in einem Brief, den unter anderen der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), Germanwatch und die Deutsche Umwelthilfe unterschrieben haben. Für Hybrid-Fahrzeuge gelte die Forderung nach einem Verkaufsstopp gleichermaßen. "Die angekündigten SUV-Modelle sind ein klimapolitischer Irrweg", schreiben die Verbände, die auch synthetischen Kraftstoffen und Kraftstoffen aus Biomasse im Straßenverkehr eine Absage erteilen.

Deutschlands Verkehrsminister Andreas Scheuer hatte erst vor wenigen Tagen ein Ende des fossilen Verbrenners bis 2035 in Aussicht gestellt. Anders als von Umweltverbänden gefordert, will der CSU-Politiker aber auf synthetische Kraftstoffe setzen. Lediglich der klassische Verbrenner, der mit Benzin oder Diesel angetrieben wird, solle innerhalb der nächsten 15 Jahre auslaufen, sagte der CSU-Politiker der "Welt am Sonntag".

Auch der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) plädierte für den verstärkten Einsatz synthetischer Kraftstoffe. "Nicht der Verbrennungsmotor ist das Problem, sondern die fossilen Brennstoffe", sagte VDMA-Präsident Karl Haeusgen dem Berliner "Tagesspiegel" (Montag). Allein mit Blick auf den riesigen Bestand an Autos sei "völlig klar, dass wir für den Bestand auch synthetische Kraftstoffe brauchen, um weniger CO2 zu emittieren". Diese könnten etwa mit grünem Wasserstoff hergestellt werden.

Es werde aber niemand entsprechende Raffinerien bauen und in die Weiterentwicklung der Technologien investieren, wenn es heißt, 2035 ist Schluss. "Ich bin dagegen, einen Motor zu verbieten. Es verkürzt die Diskussion und wäre sogar klimaschädlich, weil man klimanützlichen Technologien, die mit dem Kolbenmotor verbunden sind, den Massenmarkt abschneiden würde", sagte Haeusgen der Zeitung.

Der Verkehrssektor - insbesondere der Straßenverkehr - ist für einen großen Teil der klimaschädlichen Treibhausgasemissionen verantwortlich, auch in Österreich. In Deutschland lag die ausgestoßene Menge im Jahr 2020 nach Angaben des Umweltbundesamts bei 146 Millionen Tonnen. Die Reduktion um 19 Millionen Tonnen Treibhausgase im Vergleich zum Vorjahr führen Experten zum Teil auf weniger Mobilität während der Corona-Pandemie zurück.

Die EU-Kommission will Ende 2021 neue und ehrgeizigere Schadstoff-Grenzwerte für Autos und Vans vorschlagen. Sie sollen 2025 in Kraft treten. Die Automobilbranche befürchtet dadurch ein vorzeitiges Ende des klassischen Verbrennungsmotors - also genau das, was Umweltverbände nun mit Nachdruck fordern.

Erst kürzlich haben mehrere EU-Länder, darunter auch Österreich, die EU-Kommission in einem Schreiben dazu aufgefordert, ein Ausstiegsdatum für den Verkauf von Autos mit Verbrennungsmotoren, also Benzin- und Dieselautos, zu nennen.

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