Wo ist die Zeit, als Sparen noch geholfen hat?

Es war einmal eine Zeit, da freuten sich die Kinder Ende Oktober nicht auf Halloween-Partys oder Herbstferien, sondern auf den Weltspartag.

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Wirtschaft | National & International Helmut Kretzl

Es war wie ein Ausflug in eine andere, aufregende Welt: An der Hand der Mutter brachte man das scheppernde Sparschwein in die Bank, die man wenig später mit einem Geschenk, einer neu in das Sparbuch hineingedruckten Zahl und dem guten Gefühl verließ, etwas für die eigene Zukunft und für "die Wirtschaft" getan zu haben. Und ganz nebenbei hatte man dabei auch Zinsen kassiert - ohne zunächst so genau zu wissen, was das eigentlich war. Alles zusammen vermittelte jedenfalls ein gutes Gefühl, einen kleinen Vorblick auf Weihnachten gewissermaßen.

Der Glanz jener Jahre, als Banken den Weltspartag wegen großer Nachfrage auf eine ganze Woche ausdehnten und die Schlangen der Wartenden trotzdem bis auf die Straße hinausreichten, ist verflogen. Die Tatsache, dass dieser Tag kaum noch beworben und - für manche unbemerkt - heuer auf
den Freitag vorgezogen wurde, spricht Bände. Kein Wunder: In Zeiten, da selbst eine Inflation von aktuell 0,9 Prozent die Sparzinsen - und somit die Kaufkraft des Ersparten - auffrisst, stellt sich unüberhörbar die Frage nach dem Sinn des Sparens. Daran ändern auch die kleinen Geschenke nichts. Wofür Geld horten, wenn es ohnehin an Wert verliert?

Diese Frage rüttelt an den Grundsäulen unserer traditionellen Werte ("Spare in der Zeit, so hast du in der Not"). Wie ernst die Sinnkrise ist, mag man auch daran ablesen, dass Nationalbankchef Ewald Nowotny gerade jetzt die Sinnhaftigkeit des Sparens betont. Er rennt damit offene Türen ein, denn mit einer Sparquote von 7,6 Prozent liegt Österreich
EU-weit ohnehin an der Spitze - wohl auch mangels Alternativen für viele, die sich jetzt nicht mit Aktien, Immobilien oder Gold eindecken wollen oder können. Dass Banken jetzt vermehrt die Finanzbildung
der nächsten Generation in den Fokus rücken, ist zu begrüßen. Hoffen wir, dass bis dahin Begriffe wie "Zinsen" nicht zu Fremdwörtern geworden sind.

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