Leserbrief

Der ländliche Raum braucht eine Investitionsoffensive im Eisenbahnnetz

Im Pinzgau und im Pongau sind in den Saisonen auf Grund der Urlaubsgäste und der Betten doppelt so viele Menschen wie während des übrigen Jahrs vor Ort, trotzdem gelingt es nicht, die seit 25 Jahren bekannte Trasse der Pinzgauer Lokalbahn zu den Wasserfällen zu realisieren, obwohl ca. 400.000 Gäste allein im Sommer dorthin wollen. Die Zweigstrecke nach Kaprun wurde auch nicht weiterverfolgt, die erfolgreichsten Seilbahnen Salzburgs sind ja ohnehin mit dem Auto erreichbar und die Skibusse erledigen den Rest. Die größte Siedlung entlang der Westbahn im Land Salzburg ohne Haltestelle ist immer noch Schüttdorf. Für die Umfahrungsstraße dauerte es dem Vernehmen nach dort von der Idee bis zur Realisierung nur ein Jahr, um bei einem jährlichen Verkehrswachstum von ca. 1,5% absehbar zusätzlich Stauraum zu schaffen!

Die Verbesserungen auf der Murtalbahn warten seit ca. 20 Jahren. Erst unlängst wurde ein Landtagsantrag zur Einführung eines Stundentakts zumindest von Tamsweg bis Stadl, damit die Bevölkerung von Ramingstein wenigstens gleich behandelt zu allen anderen Landesbürgern wird und sie zusätzliche Tourismus-Chancen durch das Erreichen der Skigebiete Kreischberg und Turrach erhält, mehrheitlich abgelehnt. Es wird schwer sein, den ländlichen Raum zu erhalten, wenn man ihm keine Infrastruktur zugestehen will.

Mit dem Umbau des Bahnhofs Bischofshofen im Jahr 2000 war mit der S4 von Radstadt nach Bad Gastein Schluss, die äußerst gut besetzten Schülerbusse fahren besser über die Autobahn. Statt der drei fehlenden Zugpaare für einen 60-Min.-Takt in den Ennspongau wurden alle Züge bis auf drei eingestellt. Ob das ein Irrtum in die falsche Richtung war, kann niemand beantworten. Die Haltestelle St. Johann Schulzentrum gibt es immer noch nicht und beim Liebherr-Werk ist das größte Haus (Parkhaus) im Bezirk entstanden, weil eine Eisenbahnhaltestelle offensichtlich nicht machbar war. Ab 2026 wird der Ennspongau auch noch vom nationalen und internationalen Eisenbahnfernverkehr befreit, obwohl dort eine der größten Urlaubsregionen in den Alpen liegt. Die Tauernautobahn geht über und keiner weiß mehr, wohin mit den Autos, aber offensichtlich weiß jeder der Verantwortlichen und Zuständigen, dass es ohne die Bahn gehen soll.

15 ÖBB-Haltestellen fehlen mittlerweile im Land Salzburg, aber warum sollte man sie bauen, wenn der Eisenbahnverkehr ohnehin nicht erkennbar verbessert wird? Herr Landesrat Schnöll sollte erkennen, dass mit den bestehenden Planungsansätzen kein Hofstaat zu machen ist. Wenn ihm die Salzburger Bevölkerung und die wirtschaftliche Entwicklung des Bundeslands am Herzen liegen, dann sollte er nicht weiter auf "seine" Experten vertrauen, sondern vielmehr seinem Hausverstand folgen und eine Investitionsoffensive im Eisenbahnnetz des Bundeslands Salzburg samt der zugehörigen Verkehrsdienste beginnen. Drei neue Haltestellen bis 2030, wovon zwei seit mehr als 20 Jahren diskutiert werden, sind ganz einfach zu wenig.

Mag. Georg Fuchshuber, 5301 Eugendorf

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