Leserbrief

Der Versuch, die Texte zu verharmlosen

Seit 25. 2. 1947 gibt es unsere Bundeshymne (Land der Berge, Land am Strome …) mit dem Text von Paula Molden (geborene von Preradovic). Dazu dichteten ihre Söhne Fritz und Otto Molden damals eine Persiflage (Land der Nehmer, Land der Geber …), was man so auch in der Dokumentation von Hugo Portisch über die Zweite Republik sehen kann.
Dieser Text steht auch in dem peinlichen "liederlichen Liederbuch", das man jetzt dem FPÖ-Nationalrat Zanger nebst anderen katastrophalen Liedertexten (rassistisch, antisemitisch) um die Ohren schlägt. Liederlich heißt übrigens laut Österreichischem Wörterbuch: schlampig, leichtfertig, nachlässig.
Zangers Fehler waren es, dass er dieses "liederliche Buch" als Geschenk vor 14 Jahren angenommen und nicht sofort der Vernichtung zugeführt, sondern irgendwo gelagert hat. Sein weiterer Fehler war, dass er dessen Besitz nun nicht abgeleugnet hat, sondern zuerst versuchte, die Texte zu verharmlosen. Übrigens ist Zanger kein Burschenschafter, sondern Mitglied bei der Schülerverbindung "Pennales Corps Austria Knittelfeld". Die Corps sind unpolitische Verbindungen, die Mitglieder aus allen demokratischen Parteien haben.
In einem gebe ich den Anfeindern recht: Wer so ein Liederbuch verfasst, muss sich nicht nur die Vorwürfe des Rechtsextremismus gefallen lassen, sondern er ist auch extrem blöd. Ich glaube Zanger, dass er diese Lieder nie gesungen hat.

Oberstudienrat Dr. Josef Pasteiner, 2700 Wr. Neustadt

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