Leserbrief

Die Kirche hat offenbar nichts gelernt?

Ich sehe die Missbrauchsproblematik in und durch die katholische Kirche nur insofern ähnlich wie Manfred Perterer ("Die Kirche hat offenbar nichts gelernt" (SN v. 22. 1.), indem ich ihm zustimme, dass der Umgang der Kirche vor allem in "verharmlosen, vertuschen, verschleiern, verschweigen, verleugnen" bestand und nach wie vor besteht. Dass die Kirche viele Bemühungen zu einer Änderung unternommen hätte, stimmt auch im Sinn des oben genannten Verhaltens nicht, auch beweisbar, wenn man die seit Jahrzehnten bekannten Vorfälle betrachtet, die auf beschwichtigende Weise und nur sehr oberflächlich und spät abgewickelt wurden. Dass auch ein Papst in diesem Strudel der Verkommenheit eine Rolle spielt, verwundert gar nicht, wenn man bedenkt, welche Verhaltenskriterien die Kirche von seinen Gläubigen verlangt und wie sie sich seit Jahrhunderten gegenüber Menschen verhält, insbesondere gegenüber jenen, die nicht an die Fiktion eines Gottes glauben. Gerade Salzburg, das in einem "Fürsterzbistum" seine Untertanen schamlos ausgebeutet hat und das Andersgläubige in großer Zahl vertrieben hat, ist ein beschämendes Beispiel.

Und die vielen tausenden Missbrauchsopfer werden leider nach wie vor nicht oder nur geringfügig entschädigt und die Täter nicht strafrechtlich verfolgt, auch weil der Gesetzgeber nicht willens ist, die gesetzlichen Privilegien dieser Organisation abzuschaffen.
Und wenn Perterer meint, dass die "menschlichsten Glaubensbotschaften" vom Bodenpersonal konterkariert wird, dann sollte er sich die Geschichte dieser Organisation etwas genauer anschauen. Es wäre wünschenswert, die Kirche endlich als Vereine zu behandeln und der Kontrolle und Jurisdiktion des Staates zu unterwerfen!


Dr. René A. Herndl, 5020 Salzburg

Aufgerufen am 19.05.2022 um 12:08 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/die-kirche-hat-offenbar-nichts-gelernt-115985644

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