Leserbrief

Die zwei heißen Eisen der Kirche

Die Kirche leidet zur Zeit unter anderem an Selbstfesselung und Denkverboten hinsichtlich ihres Priestermangels und der wiederverheirateten Geschiedenen. Das verpflichtende Zölibatsversprechen der Priester der lateinischen Kirche ist eine historisch gewachsene und menschengemachte Regelung, von der es ohnehin auch Ausnahmen gibt. Schon eine einfache Dispens im Einzelfall könnte das Problem entschärfen. Von feierlichen Ordensgelübden kann dispensiert werden. Das Zölibatsversprechen hat nicht einmal den Rang eines Gelübdes. Eigentlich könnte davon jeder Bischof kraft eigener Vollmacht dispensieren, auch wenn er damit die römische Zentralverwaltung zunächst noch irritieren würde. Viele laisierte Priester könnten damit ins Amt zurückgeholt werden. Die Weihe von verheirateten Männern und auch die nachträgliche Dispens vom Zölibatsversprechen im Einzelfall sind keine theologischen Probleme. Sehr wohl ein theologisches Problem ist es hingegen, wenn die Leitung von Gottesdiensten und Pfarrgemeinden und die Seelsorge Personen ohne Weihe und damit ohne die entsprechende Amtsgnade anvertraut wird und wenn die Sakramente der Eucharistie, Beichte und Krankensalbung vielerorts kaum mehr ordnungsgemäß verwaltet und angeboten werden.

Univ.-Prof. i.R. Dr.phil. Dr.theol. Peter Hofrichter, 5400 Hallein

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