Leserbrief

Es herrscht kein Mangel an Ärzten

Den meisten Aussagen von Herrn Perterer kann man nur hundertprozentig zustimmen.

Aber einen Ärztemangel gibt es in Österreich wirklich nicht, was fehlt, sind Praktische Ärzte mit Kassenvertrag, woran sowohl Krankenkassen wie Ärztekammer Schuld sind. Aber laut Statistik von CIA World Factbook 2018 haben nur der Kongo, Kuba und Griechenland mehr Ärzte je 1000 Einwohner als Österreich mit 5,15/1000. In Deutschland sind es 4,13, in der Schweiz und Schweden 4,11 und in den meisten übrigen Ländern der Welt unter 4 Ärzten je 1000 Einwohner. Woran liegt nun das Problem, dass wir in Österreich, mit fast den höchsten Gesundheitskosten weltweit, eine Unterversorgung der Patienten haben. Dies liegt meiner Meinung nur darin begründet, dass die Kosten für einen Patienten nicht aus einem Topf bezahlt werden und die Krankenkassen versuchen möglichst viele Patienten in die teuren Spitäler abzuschieben, die dann von Ländern und aus Steuern finanziert werden. An der Überlastung der Praktischen Ärzte ist auch die Verschreibung von Medikamenten Schuld. Als 77-jähriger brauche ich auch mehrere Arzneien und bekomme auf einem Rezept teils nur den Bedarf für 30 oder 56 Tage verordnet. So muss ich für ein Medikament monatlich, für andere alle 56 Tage in die Ordination gehen, obwohl meine gute Therapie seit langer Zeit gleich geblieben ist. Wenn nun die älteren Patienten mit Dauertherapie Rezepte bekämen die 6 Monate den Bezug auf Krankenkassenkosten möglich machten, wären die Ordinationen schon entlastet. Kürzlich war zu lesen, dass ein Ambulanzbesuch Kosten von weit über 100,- € verursacht. Wenn man den Praktischen Ärzten ein ähnliches Honorar für jede Ordination - nicht Rezeptausstellung - zubilligen würde, gebe es schlagartig genügend Bewerber für die freien Stellen und weniger Spitalseinweisungen und in Summe geringere Kosten. Denn ein Tag im Spital kostet zwischen 2.400,- und 4.500,- € täglich. Aber dann könnten einige Spitalsabteilungen verkleinert werden.

Das ist offenbar nicht erwünscht. Auch dass eine Stelle für die Bezahlung aller Kosten eines Patienten aufkommt, ist nicht möglich, denn dann gäbe es ja Transparenz im Gesundheitssystem.


Mag. Reinhard Fischill, 1150 Wien

Aufgerufen am 25.10.2021 um 10:32 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/es-herrscht-kein-mangel-an-aerzten-63149857

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