Leserbrief

Fehlentwicklung im System

Die Jesuiten führten 1599 in Österreich die Schulnoten ein und somit gibt es seit 420 Jahren auch ungerechte Noten. Und wie in jedem Beruf gibt es zwangsläufig auch bei Lehrern solche, die diesen Beruf besser nicht gewählt hätten. Unter beidem habe ich selbst gelitten. Meinem Neffen "rettete" ich im Gymnasium ein Lebensjahr, weil ich durch einen Einspruch ein "Upgrade" von einem in keiner Weise nachvollziehbaren Fünfer auf einen Vierer erzwang. Die Schulbehörde sah das auch so und mein Neffe lernte für sein Leben, dass es lohnt, sich zu wehren.

Dennoch: Ich kenne die Hintergründe der aktuellen "Sepp Schnöll"-Causa nicht, aber die rechtliche Möglichkeit, sich eines Zweiers (!) durch eine Dienstaufsichtsbeschwerde mit möglichen disziplinären oder arbeitsrechtlichen Folgen entledigen zu können, ist eine Fehlentwicklung. Da ist die Verhältnismäßigkeit als elementarer Grundsatz unseres Rechtssystems komplett verloren gegangen und wird der Dienstaufsichtsbeschwerde als wichtigem Instrument, sich gegen eine unfähige oder Kinder misshandelnde Lehrkraft wehren zu können, ein Bärendienst erwiesen.


Michael Gersdorf, MutMacher der Kinder- und Jugendanwaltschaft 5020 Salzburg

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