Leserbrief

Günstige ÖV-Tarife wirken

Der Salzburger Bürgermeister meint, dass nicht mehr Leute mit dem Bus fahren, wenn es gratis ist (SN vom 6. 12. 2019). Er kennt wahrscheinlich nicht die Erfahrungen in der belgischen Stadt Hasselt.

Dort fuhren von 1997 bis 2013 die Stadtbusse gratis. Die Zahl der Fahrgäste stieg bis 2004 von 360.000 auf vier Millionen jährlich. Und die Innenstadt blühte auf. In 15 Jahren verdreifachten sich dort der Umsatz und die Arbeitsplätze. Eine vierspurige Straße konnten rückgebaut werden. Der freiwerdende Asphalt wurde durch Bäume ersetzt. 2012 änderten sich die politischen Verhältnisse in der Regionalregierung und die Einnahmen aus den Parkgebühren waren zurückgegangen. 2013 wurde gegen den Willen der Bürgermeisterin ein Fahrpreis eingeführt - allerdings mit 60 Cent ein sehr konkurrenzfähiger.

In Südtirol ist bei vielen Unterkünften die ÖV-Nutzung im Übernachtungspreis inkludiert. Auch im Ötztal. Das führt zu einer hohen Auslastung von Bussen und Bahnen und dies ermöglicht eine weitere Angebotsverbesserung.

In Salzburg können Touristen mit der S-Bahn bis zur Station Mülln-Altstadt fahren. Der Weg entlang der Salzach ist einer der schönsten Eintrittswege in die Altstadt. Schöner als ein Stau in der Maxglaner Hauptstraße mit anschließendem Parkgaragenflair.

Die Anreise darf halt nicht ein Vielfaches der Autofahrt kosten. Touristen haben ja keine Vorteilscard, sodass z. B. eine Bahnfahrt von Gastein nach Salzburg und zurück für eine Familie mit einem Kind 86,60 kostet.

Wenn der Freizeitverkehr weniger Platz benötigt, dann kommen die, die mit dem Auto fahren müssen, besser voran. Außerdem bringt eine Reduktion von Lärm und Abgasen mehr Lebensqualität.


Mag. Josef Kogler, 5221 Lochen am See

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