Leserbrief

Kardinal Schönborn und der Zölibat

Wie alt und wie müde müssen die Priester und Pfarrer in der katholischen Kirche eigentlich noch werden, damit die Kirchenleitung reagiert? In dem Artikel der "Salzburger Nachrichten" "Kardinal Schönborn pocht auf den Zölibat" vom 30. 10. sagt Kardinal Schönborn: "Ich glaube nicht, dass wir in Europa in so einer Situation sind", und meint damit die Fragestellung, ob es denn nicht doch sinnvoll wäre, auch in Europa verheiratete Männer zu Priestern zu weihen.
Ich habe manchmal den Eindruck, dass es den Kirchenoberen einfach wurscht ist, ob die Menschen, die sich am Sonntag in den Pfarrgemeinden versammeln, Eucharistie feiern können oder nicht.
Schönborn verweist auf die Möglichkeit, dass wir eh zu einer Eucharistiefeier kommen können, wenn wir nur mobil genug sind, sozusagen einfach vier Straßenbahnstationen weiter. Ich denke, dass sich die bestehenden Pfarrgemeinden am Ort nicht so einfach von A nach B verlegen lassen.
Weiters betont der Kardinal, dass sich die Ehelosigkeit der Priester und "dieser Weg mit und trotz aller Schwierigkeiten unglaublich bewährt" hätten.
Wenn ich bedenke, wie viele Priester und Pfarrer in einer mehr oder weniger heimlichen Beziehung leben und wie viele das Amt verlassen haben aufgrund einer Beziehung, dann ist dieser Satz Schönborns für mich einfach nicht nachvollziehbar.
Wenn Jesus von Nazareth vor 2000 Jahren verheiratete Männer zu Aposteln berufen hat und einer Frau, Maria von Magdala, als Erstes das Geheimnis der Auferstehung anvertraut hat, dann wird es doch in "Gottes Namen" wohl recht sein, dass auch heute Männer und Frauen, ob verheiratet oder nicht, das Amt eines Pfarrers oder einer Pfarrerin ausüben.

MMag. Helmut Außerwöger, Direktor des Bildungshauses Schloss Puchberg/Wels, 4600 Wels

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