Leserbrief

Nahverkehr in Salzburg ist besser als sein Ruf

Nach dem Leserbrief vom 27. 2. 2020 zum Thema "öffentlicher Verkehr" von Herrn Krackowizer möchte ich mich als aktiver Nutzer des öffentlichen Verkehrs in verschiedensten Regionen Österreichs und Deutschlands nun äußern.

Auch ich denke, dass die Loslösung des Obus-Verkehrs in Salzburg von der Salzburg AG ein richtiger Schritt ist. Dass der Salzburger Verkehrsverbund seine Arbeit im Bereich Bus- und Bahnverkehr nicht gut macht und die Planung des neuen Netzes daher lieber nicht übernehmen sollte, kann ich aber absolut nicht nachvollziehen. Ich kenne viele Regionalverkehrsnetze, sowohl in Niederösterreich als auch in der Region Stuttgart/Deutschland, recht gut und kann sagen, dass ich kein so gut organisiertes Regionalverkehrsnetz kenne, wie das in der Region Salzburg.

Ganz abgesehen davon, dass die S-Bahn größtenteils nicht mit 4023ern, sondern mit längeren 4024er Triebzügen fährt und für die nächsten zehn Jahre neue, längere Züge des Typs Talent 3 bestellt sind, liegt der fehlende durchgehende 30-Minuten Takt auf der S2 vor allem an der fehlenden Infrastruktur auf der Weststrecke. Der Salzburger Verkehrsverbund könnte den schon lange geforderten Halbstundentakt so einfach überhaupt nicht bestellen.

Dass die Buslinie 150 relemäßig überlastet ist, kann ich als regelmäßiger Nutzer dieser Linie bestätigen. Die Überlastung ist jedoch sehr saisonal und wetterbedingt. In den letzten Jahren wurde das Angebot auch auf dieser Linie ausgebaut. Mit der Neuausschreibung innerhalb der nächsten Jahre wird es sicherlich eine weitere Taktverdichtung geben.

Dass Gelenkbusse eine Entlastung bringen, ist schlichtweg falsch: Die derzeit seitens des Postbus und des Unternehmens Hogger eingesetzten Busse des Typs "Integro L €6" weisen 65 Sitzplätze und einen Rollstuhlplatz aus. Auch die von Blaguss eingesetzten Busse des Typs Setra S419UL €6 besitzen 65 bis 69 Sitzplätze. Gelenkbusse, wie der Citaro G, besitzen je nach Bauart 40 bis 46 Sitzplätze, was wesentlich weniger ist!

Vom verringerten Komfort und der fehlenden Gepäckmitnahmemöglichkeit möchte ich gar nicht reden - die Linie 150 ist immerhin 1½ Stunden unterwegs; da ist der Komfort, der in Niederflurbussen und Low-Entry-Fahrzeugen nicht in dieser Weise gegeben wird, nicht unerheblich.

Auf den anderen Linien in der Region sieht es nicht anders aus. Fast alle Linien sind mehr als 1 h unterwegs und wurden in den letzten Jahren ausgebaut. Niederflurbusse im Regionalverkehr sind keine gute Lösung für längere und stark frequentierte Strecken.

Dass Hochflur-Überlandbusse nicht barrierefrei sind, ist außerdem falsch. Bei allen Neuausschreibungen werden Busse mit Hublift und Rollstuhlplatz gefordert. Damit sind diese vollständig barrierefrei. Dies ist auch auf der Linie 150 der Fall gewesen.

Die nicht perfekt funktionierende Kundeninformation ist zwar immer noch ein Problem. Jedoch kenne ich kaum eine Region, in der die Busse so flächendeckend mit Echtzeitdaten ausgestattet sind und wo diese auch in der recht zuverlässig funktionierenden Salzburg-Verkehr App zu finden sind. Auch die Anschlusssicherung von den Hauptlinien (z. B. 150) zu den Nebenlinien (z.B. 154) funktioniert den Umständen entsprechend gut.

Der Nahverkehr in Salzburg ist viel besser als sein Ruf! Man muss lange suchen, um in einer ähnlich ländlichen Region und einer Stadt in der Größenordnung Salzburgs ein dementsprechendes Angebot an öffentlichem Verkehr zu finden.

Seit der Einführung des Halbstundentakts auch an Samstagen auf den neu ausgeschriebenen Flachgaulinien (120,130,131,140) ist der Nahverkehr noch ein Stück attraktiver geworden.

Hosea Winter, 5020 Salzburg

Aufgerufen am 23.09.2020 um 09:28 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/nahverkehr-in-salzburg-ist-besser-als-sein-ruf-84142564

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