Leserbrief

ÖPNV in Salzburg - das "Angebot steht"

Die deutsche Sprache lässt Doppelbedeutungen und damit Missverständnisse zu. Die aktuelle politische Situation ist voll damit. Seitens der Republik Österreich "steht das Angebot" einer 50%-Finanzierung für den Regionalstadtbahn-Innenstadttunnel. Auch für die aktuelle Regierung Bierlein gilt das. Obwohl diese als "untätige Übergangsregierung" diskreditiert wird, bewegt sich hier mehr, als in den Regierungen der letzten 20 Jahre davor. Das haben die ÖVP-Landesregierungen in Oberösterreich und Niederösterreich längst erkannt und für den Schienen-Personennahverkehr zusammen 1,6 Milliarden Euro (OÖ 835 Mill., NÖ 765 Mill.) mit der dz. Bundesregierung verhandelt. Die Salzburger ÖVP-Landesregierung behauptet, mit dem Bund "am Ball zu sein". Im Fußball zählt nur Tore zu schießen und nicht "am Ball zu sein". In Sachen mittelfristiges Investitionsprogramm 2020-2024 steht alles und damit auch die Salzburger Aktivitäten.

Will Salzburg überhaupt den ÖPNV?

In Salzburg muss man den Eindruck gewinnen, dass die Politik den öffentlichen Verkehr gar nicht ausbauen will. In der Stadt Salzburg brauchte der Bürgermeister Preuner 3 ½ Monate, um auf die Anfrage zu einem Gespräch mit engagierten Bürgern lapidar zu antworten, dass er an keinem Gespräch interessiert sei. Die inhaltsleere Worthülse "Bürgerbeteiligung" ist wie eine Seifenblase zerplatzt. Wenn zeitgleich die Stadt (Unterkofler) vollmundig verkündet, den umweltfreundlichen und zukunftsorientierten Obus zerstören zu wollen, ist die Botschaft ganz klar. Salzburg ignoriert den Klimawandel, die echte Elektromobilität in Form des Obus, Klimaschutz ist uninteressant und in der Zukunft feiern Abgase und Stau fröhliche Urständ. Der ÖPNV soll in die mobile Steinzeit zurückgeschossen werden. Wenn die Welt vor die Hunde geht, findet das vermutlich in Salzburg viel später statt, so der Anschein.

"Das Angebot des ÖPNV steht!"

Bewegung ist nicht in Sicht. Die Fahrgastbeschwerden zu Obus, Regionalbussen und die Chaos-Konzepte in der Birkensiedlung und in Steindorf werden immer mehr. Das ÖPNV-Angebot "steht" bzw. schwindet immer mehr. "Der Fahrgast steht im Mittelpunkt und dort steht er im Weg" hat schon Frederic Vester erkannt. Salzburg scheint das exemplarische Beispiel dazu zu sein. Wenn Bürger das ändern wollen, werden diese verhöhnt (Obus Grödig) und der Dialog wird (siehe Bürgermeister) abgelehnt. Der Obus und damit Elektromobilität wird bewusst zerstört. "Bürgerbeteiligung" wird als Schutzschild zum Nichtstun benutzt. Sinnvolle und fachkompetente Anträge im Landtag werden laufend durch Änderungsanträge gezielt abgewürgt, wie auch am 18. 9. 2019 wieder geschehen (Thema Verlängerung Pinzgauer Lokalbahn).

Klimaschutz ist derzeit weltweit das Thema Nr. 1, nur nicht in Salzburg! Salzburg scheint das "letzte gallische Dorf" zu sein, in dem das "goldene Kalb Auto" besinnungslos angebetet wird. Wenn der Bund anbietet, "das Angebot steht", meint dieser die Finanzierung des Regionalstadtbahn-Innenstadttunnels. Wenn Stadt und Land Salzburg meinen, das "Angebot steht", ist der seit 20 Jahren herrschende Stillstand gemeint.


Richard Fuchs e.h. Dipl.-Ing. (FH) Erwin Pamp e.h., Verein Die Rote Elektrische5020 Salzburg

Aufgerufen am 02.12.2020 um 06:54 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/oepnv-in-salzburg-das-angebot-steht-76938406

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