Leserbrief

Offener Brief an die österreichischen Bischöfe

Mit großer Enttäuschung habe ich zur Kenntnis nehmen müssen, dass auch Papst Franziskus, auf den viele große Hoffnungen gesetzt haben, es nicht schafft (oder schaffen will), wirkliche Reformen durchzuführen. Und so müssen viele aktive Katholiken - zu denen ich mich auch zähle - zusehen, wie unsere Kirche langsam verschwindet. Auch ich selbst habe Probleme mich weiterhin zu dieser römisch katholischen Kirche zu bekennen, möchte aber auf die Kirche und vor allem auf den christlichen Glauben nicht verzichten. Jesus bedeutet für mich Heimat und heimatlos zu sein ist nicht gut.
Doch frage ich mich: Wozu braucht die Kirche Rom? Die Kirche sind wir, das Volk Gottes, all unsere Seelsorger, die vielen Mitarbeiter/-innen in unserer Kirche. Deshalb fordere ich die Bischöfe Österreichs auf, Rom mit folgenden Forderungen vor ein Ultimatum zu stellen.
- Die Zulassung von Frauen zum Diakon- und Priesteramt. Es kann nicht sein, dass über 50 Prozent der Kirchenmitglieder von diesen Ämtern ausgeschlossen sind.
- Die Aufhebung des Pflicht-Zölibats; das freiwillige Zölibat in Ordensgemeinschaften soll unangetastet bleiben.
- Die Wiedereinsetzung aller geweihten Priester, denen aufgrund einer Eheschließung die Ausübung des Amtes untersagt wurde. Allein dadurch wäre der augenblickliche Priestermangel zum erheblichen Teil behoben.
Die österreichischen Bischöfe müssen den Papst beim Wort nehmen und mutig diese Forderungen hier vor Ort umsetzen! Denn Rom ist eine Belastung für die Kirche. Alles bleibt in unserer Kirche so wie es ist, nur die oben genannten Punkte werden vor Ort umgesetzt. Ich glaube, dass manch andere Diözese diesem Beispiel folgen wird.
Die Angst des Vatikans, dass es bei einer Aufhebung des Zölibats zu einer Kirchenspaltung führen würde, ist berechtigt - aber in einem anderen Sinne als es Papst Franziskus meint. Die Unzufriedenheit mit Rom - dies betrifft auch die undurchsichtige Finanzgebarung des Vatikans - hat bereits Luther zum Anschlag seiner Thesen und damit zu einer Spaltung geführt. Trotzdem glauben unsere evangelischen Mitchristen an denselben Jesus Christus. Ich will bei unserer katholischen Kirche bleiben, es muss aber nicht die römisch-katholische sein.
Mit der Bitte diese Gedanken eines an der katholischen Kirche interessierten Mitgliedes zu überdenken.

Dr. Karl Schirl, 4810 Gmunden

Aufgerufen am 06.12.2021 um 07:55 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/offener-brief-an-die-oesterreichischen-bischoefe-83462794

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