Leserbrief

Wohin entwickelt sich die deutsche Sprache?

In letzter Zeit mache ich mir große Sorgen um meine Muttersprache.
Bestimmte Anglizismen bin ich inzwischen ja schon gewohnt: Dass bei uns das Mobiltelefon "Handy" heißt und dass viele Menschen zur Begrüßung nur mehr ein "Hallo" anstatt "Grüß dich" kennen, das sind Kinkerlitzchen gegen die Auswüchse des "Denglischen" in letzter Zeit: Lockdown, Distance Learning, Home Schooling, Mastermind des Dirty Campaigning, Das macht Sinn (dabei hat oder ergibt etwas Sinn), Littering für das simple Wegwerfen von Müll in der Landschaft, und, und, und.

Ich könnte manchmal Schreien vor Weh, wenn ich solch "denglischen Unsinn" höre, ich schreibe E-Mails an meinen (staatlichen) Rundfunk, an Politiker, an meine Tageszeitung.

Und dann hörte ich vor Kurzem: Es wird über die Notwendigkeit der Koordination von Pflege im privaten Bereich berichtet, und dass eine Stelle geschaffen werden sollte, um Menschen bei dieser Koordination zu unterstützen. Man nennt diese Person dann im Radiointerview "Community Nurse". Da frage ich mich spontan drei Dinge:
1. Wer soll wissen, was das ist (Zielperson für Pflege ist z. B. ein Staatsbürger, der in den 60ern neun Jahre Pflichtschule besuchte, also vier Jahre Hauptschulunterricht in Englisch erhielt: Der muss dann im Wörterbuch nachsehen)?
2. Gibt es für "Community Nurse" keinen deutschen Begriff? Warum nennt man die Person dann nicht "Gemeindekrankenschwester" (so einfach wäre es)?
3. Werden jetzt staatliche Stellen im Staate Österreich "geschaffen", deren Berufsbezeichnung prinzipiell ein englischer Begriff ist? Sind wir dann noch Deutsch sprechende Staatsbürger oder englische Mutanten?
Quo vadis Deutsch?


Monika Umundum, 5302 Henndorf

Aufgerufen am 07.05.2021 um 09:35 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/wohin-entwickelt-sich-die-deutsche-sprache-103056817

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