Leserbrief

Zu wenige Jobs im Gesundheitswesen

Ein neues naturwissenschaftliches Bachelorstudium ist geboren: Medizinische Biologie. Dieses, so heißt es im gleichnamigen Artikel, der am 13.6. in den SN erschienen ist, würde naturwissenschaftlich interessierten jungen Menschen wichtige medizinische Kompetenzen näherbringen: von der Analyse biologischen Materials bis hin zur Entwicklung von Pharmazeutika. Die Absolventinnen und Absolventen würden optimal auf die Qualifikationen vorbereitet, die sowohl in der öffentlichen Gesundheitsversorgung als auch in der medizinischen Forschung händeringend gesucht würden. Auch von einem breiten Aufgabenspektrum und vielfältigen Berufsaussichten ist die Rede.
Umso mehr drängt sich mir die Frage auf, wer die ambitionierten Studienbewerberinnen und -bewerber wohl darüber aufklären wird, wo sie nach ihrem Studienabschluss tatsächlich arbeiten dürfen: nämlich ausschließlich in der Forschung und in der Pharmaindustrie! Krankenhauslabors und klinische Privatlabors werden für Absolventinnen und Absolventen des fraglichen Bachelorstudiums hingegen tabu sein. Warum? Fakt ist, dass es bereits eine hochschulische Ausbildung gibt, die nicht nur nahezu alle Inhalte des angeblich so innovativen, neuen Bachelorstudiums Medizinische Biologie abdeckt, sondern die Absolventinnen und Absolventen auch gesetzlich dazu berechtigt, in allen labor- und funktionsdiagnostischen Bereichen des Gesundheitswesens sowie in der medizinischen Forschung und pharmazeutischen Industrie tätig zu sein: das Bachelorstudium Biomedizinische Analytik!
Man fragt sich natürlich berechtigterweise, wozu es dann ein (scheinbar!) alternatives Studienangebot braucht. Die Antwort ist ebenso einleuchtend wie ernüchternd: fehlende Studienplätze!
Da die Schaffung von Ausbildungsplätzen für zukünftige Biomedizinische Analytikerinnen und Analytiker Ländersache ist, variiert die Bandbreite von zirka 115 Studienplätzen pro Jahr (Wien) bis hin zur geringsten Anzahl von 15 (!) Studienplätzen in Salzburg.
Man braucht wahrlich kein Rechengenie zu sein, um festzustellen, dass sich das nicht ausgehen kann: nicht für die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber im Gesundheitswesen und schon gar nicht für die Sicherheit der Patientinnen und Patienten im Land Salzburg. Und so schließt sich der Kreis: Die Anzahl der Studienplätze bleibt gleich, während der Bedarf an Biomedizinischen Analytikerinnen und Analytikern nach wie vor steigt.
Rufe von einschlägig qualifizierten Expertinnen und Experten, welche die Erhöhung der Studienplätze für Biomedizinische Analytikerinnen und Analytiker seit Jahren fordern, verhallen von der Politik ungehört.
Dafür werden immer mehr Naturwissenschafterinnen und Naturwissenschafter in immer neuen Bachelor- und Masterstudiengängen ausgebildet, die nach ihrem Studium desillusioniert feststellen müssen, dass es für sie im Gesundheitswesen keine Jobs gibt: schöne neue Gesundheitswelt!

Mag.a Birgit Luxbacher, BSc MSc, Geschäftsführerin von biomed austria, 1150 Wien

Aufgerufen am 26.11.2020 um 11:09 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/zu-wenige-jobs-im-gesundheitswesen-89214976

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