Leserbrief

Der Klimawandel und die "Lobbykratie"

Liebe SchülerInnen der Freitags-Demos,

Hut ab vor eurem Eintreten für den Klimaschutz! Ihr könntet Euch folgende Mathematik-Aufgabe von den politischen Entscheidungsträgern vorrechnen lassen: Wie viel Energie kostet es, einen 700 mal (geschätzte) 10 mal 10 Meter langen Tunnel aus dem Salzburger Untergrund zu graben, das Material nach oben zu befördern, auf LKW zu laden, aus der Stadt zu bringen und irgendwo abzuladen? Wie viele tausend LKW-Fahrten braucht der Abtransport, wie viel Beton die Verschalung der Röhre? Welche CO2-Emissionen entstehen insgesamt? Während das stille Bauernsterben keinem Politiker eine müde Bemerkung abringt, da es offenbar als Privatangelegenheit angesehen werden kann, lassen sich andere Berufssparten unter die Arme greifen: Für Mineralölwirtschaft, Transport- und Baugewerbe bescheren Großbauten satte Gewinne, wobei es auch wesentlich teurer werden darf als geplant, z.B. beim Wiener Krankenhaus Nord. Das Ergebnis: Eine U-Bahn unter sieben bereits bestehenden, auf derselben Strecke verkehrenden Buslinien. In ein paar Jahren werden ein paar Krokodilstränen darüber vergossen, dass Klimaschutz-Ziele wieder nicht erreicht wurden. Was hat der Bürger dieses Landes zu entscheiden, wenn es um Salzburger Mini-U-Bahn, Smart-Meter, 5G-Mobilfunknetz, riesige Strommasten, Mönchsberg-Garage geht? Pariser Gelbwesten fragen: "Welche Partei sollen wir denn wählen?" In der Demokratie besteht die Kunst offenbar darin, dem Wähler das Gefühl zu vermitteln, er lebte in einer. Oder wäre etwa "Lobbykratie" zutreffender? Bei uns braucht kein Politiker darüber Auskunft zu geben, mit welchen Interessenvertretern er sich abspricht. In anderen Staaten ist man in diesem Punkt schon weiter.

Dr. Thomas Hauschka, 5412 Puch

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