Leserbrief

Es braucht keinen weiteren Beweis

Staatssekretärin Plakholm spricht sich für die verpflichtende mündliche Matura aus: "Die jungen Menschen können bei dieser Gelegenheit zeigen, was sie draufhaben. Wir dürfen ihnen ruhig etwas zutrauen". Ähnlich die Wortmeldungen von Minister Polaschek.
Der Maturajahrgang 2022 ist der bisher durch die Pandemie am stärksten betroffene. Seit zwei Jahren sind die Schüler/-innen hin- und hergerissen zwischen Distance Learning und Präsenzunterricht, nein, doch, vielleicht, ja, zwischen Testen und Bangen, Erkrankungen und Quarantänen. Von einem "normalen" Schuljahr kann keine Rede sein. Seit zwei Jahren ist eine Planung kaum möglich.
Natürlich gibt es einige wenige, die das alles ohne Wenn und Aber schaffen. Diese besonderen Schülerinnen und Schüler gibt es. Hut ab. Für die meisten allerdings stellen die Ereignisse der letzten beiden Jahre eine einschneidende Zäsur in ihrer Entwicklung und eine Bedrohung ihrer Zukunft dar.
Den jungen Menschen wird seit zwei Jahren enorm viel zugemutet. Spätestens seit dieser Zeit zeigen sie, was sie draufhaben. Es ist eine große Leistung, dass es trotz dieser Belastungen so vielen Schüler/-innen gelingt, die Jahre gut abzuschließen. Dahinter steckt die Unterstützung der Lehrkräfte in den Schulen, die in dieser Pandemie großartige Arbeit leisten, der Eltern und Geschwister zu Hause.
Es braucht keinen weiteren Beweis, dass unsere Jungen "was drauf haben". Vielmehr gilt es zu bedenken, dass wir ihnen nicht zu viel zumuten und sie überfordern.
Eine verpflichtende mündliche Matura hält nicht nur dem Vergleich mit den Jahrgängen 2020 und 2021 nicht stand, stellt eine massive Ungleichbehandlung dar, sondern zeigt, dass die Initiatoren wenig Vorstellung davon haben, wie es vielen Schüler/-innen geht und welchen Belastungen sie seit langem ausgesetzt sind.
Mich wundert nicht, dass sich viele Betroffene diesbezüglich nicht ernst genommen und von den politischen Instanzen allein gelassen fühlen.

Mag. Dr. Jörg Zeyringer, 5201 Seekirchen

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