Leserbrief

Sterbehilfe mit Abstand und Einfühlung neu überdenken

Mehrmals habe ich den Artikel "Erlöst von allem" (SN 3.4.) von Thomas Hödlmoser gelesen. Anhand des fortschreitenden Parkinsonleidens von Nikola Göttling und ihrer Einstellung zum Sterben wird dem Lesenden sehr eindrücklich, ja es geht unter die Haut, wie essenziell bedeutsam es ist, einem durch Krankheit gezeichneten qualvollen Leben mit Unterstützung ein würdiges Ende setzen zu können. Interessant sind in diesem Zusammenhang die von Hödlmoser gebrachten Einstellungen der Stoiker zum Tod, aber eben auch christliche Gedanken zur Erlösung von allem Schmerzlichen in diesem Leben. Wären da nicht auch Schnittpunkte in Richtung Sterbehilfe denkbar, zumal wenn die im christlichen Glauben so bedeutsame Barmherzigkeit mit einbezogen wird?
Im medizinischen Sinne kann so der Arzt auch zum Sterbehelfer werden, wenn es dem Wunsch des Patienten entspricht, der nach reiflicher Abwägung zu diesem Entschluss gekommen ist. Der Entscheid des VfGH vom Dezember 2020 fordert uns auf und gibt uns die Chance, bisherige rechtliche Vorgaben mit Abstand und Einfühlung neu zu überdenken.

Christine Schönherr, 5412 Puch

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