Gang

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Austraghäusl des Dietlbauerngutes in Hummersdorf, Piesendorf
Haus in Mühlbach am Hochkönig
In Dorf bei Bramberg Oberpinzgau.
Gangbrüstung Nikolausstraße 1, Mittersill
Hauserbauer, Dorf, Bramberg. Ein Beispiel für unterschiedliche Muster der Gangbrüstung im ersten Stock und "in der Laben".
Wohnhaus im Ortsteil Kirchham in Maishofen

Der uns heute bekannte Balkon, der für Bauernhäuser im Salzburger Land typisch ist, entstand nach Abschluss des früher offenen Dachgeschosses und hieß (und heißt heute noch) Gang oder Hausgang, während das, was im städtischen Raum mit Gang oder Hausgang bezeichnet wurde, auf dem Land und im Gebirge im Erdgeschoß „Haus“ und unter Dach „Soler“ hieß.

Der offene Dachraum

Über dem Erdgeschoß war ursprünglich direkt das Dach aufgesetzt und bildete einen nach hinten und vorne offenen Raum. Diese dreiseitige offene und luftige Dachraum, das sog. Unterdach, entstand durch das Aufsetzen einer Zimmerdecke, die der Ansammlung der erwärmten Luft diente. Da er nach vorne und hinten offen und damit Regen und Wind, aber auch unbefugtem Einstieg ausgesetzt war, wurde er beidseitig mit einem Geländer, das direkt auf den Hausmauern aufruhte, abgeschlossen. Dieses Unterdach diente bald der Aufbewahrung von Hausrat und Sämereien, weil der Platz lufttrocken und wettergeschützt war. Diesen Raum nannte man im Salzburgischen „Soler“.

Die Entstehung des Obergeschosses

Als mit der Vergrößerung des bäuerlichen Hauswesens durch das Anwachsen des Hausrates und eine größere Dienstbotenschar das ursprünglich als Wohnraum zur Verfügung stehende Erdgeschoß platzmäßig nicht mehr ausreichte, gestaltete man den bisherigen offenen Dachraum als Obergeschoß um. Die Einteilung des Erdgeschosses wurde im Obergeschoß wiederholt, Mittelwände wurden auf Mittelwände gestellt, und somit die Anzahl der bisher zur Verfügung stehenden Räume verdoppelt.

Verlust und Ersatz des Solers durch das Aufsetzen des Obergeschosses

Mit dieser baulichen Veränderung ging der bisherige offene und damit luftdurchlässige „Soler“ samt seinen Funktionen größtenteils verloren. Um ihn zumindest ansatzweise zu ersetzen, ließ man in die Außenwand oberhalb der Haustür im Obergeschoß eine Türe ein und vor dieser einige Tram oder auch alle Tram längs der ganzen Stirnseite des Hauses vorstehen und auf den äußersten Rand derselben das Holzgeländer, das beim offenen Soler direkt auf den Hauswänden ruhte, aufsetzen. So schuf man einen neuen Platz, um luft- und lichtbedürftige Sachen, Sämereien für den Küchengarten, feuchte Wäsche, Kleider und Betten zu lüften und zu trocknen. Der Gang oder Hausgang genannte Raum ist also kein Verkehrsweg, wie der Name vermuten lassen könnte, und auch kein bauliches Zierstück, sondern die Erweiterung des Solers, bzw. der hinausgeschobene Soler, der durch seine Verkümmerung innerhalb des Hauses für manche Zwecke unbrauchbar geworden ist. Diese Hausgänge, die manchmal auch Lauben genannt wurden, sind sehr alt und wurden im städtischen Bereich manchmal auch in Stein oder Mauerwerk ausgeführt. Der Gang vermittelte auf der Vorderseite des Hauses den Eindruck baulicher Gliederung und verschaffte dem Haus eine gewisse Eigentümlichkeit. Das Geländer und die Träger mit ihrem Holzschmuck wurden jahrhundertelang beibehalten. Erst bei durchgehend, d. h. auch im Obergeschoß gemauerten Häusern kam der Gang oder Hausgang ab.

Brüstungsbretter

Die Brüstungsbretter des Ganges dienen als Zierde. In den wenigsten Fällen sind die verwendeten Formen bestimmten Symbolen mit tieferer Bedeutung zuzuordnen. Meist steht der gestalterische Aspekt im Vordergrund. Manche Formen kommen häufiger vor. Es sind dies das florale Muster, das Herz, der Tropfen und Mischformen aus den genannten Formen. Meist werden die Muster für den Gang im ersten Stock und in der „Laben“ verwendet, bei manchen Häusern findet man aber im ersten Stock und unter dem Dach unterschiedliche Muster. Bekannte Muster werden auch in Neubauten wieder verwendet. Man achtet auch bei der Restaurierung alter Bauernhäuser auf die Erhaltung der ursprünglichen Muster.

Quellen