Saunickelschmiere

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Die Saunickelschmiere (Sanickel, Sanicula Europaea L., vom lat. "sanare" = heilen) ist eine althergebrachte Heilsalbe.

Allgemeines

Der Volksmund bewahrt vieles. Schon in alten Zeiten war diese Pflanze als Wundheilmittel geschätzt. Der mittelalterliche Mensch war für seine eigene Gesundheit verantwortlich. Klugheit, Vorsorge, das Weitergeben der Erfahrungen alten Heiltechniken in der Volksmedizin, das Suchen der Kräuter und deren Verarbeitung waren die Leitmotive dieser umsichtigen Menschen in ihrer Not.

Das älteste im deutschen Sprachraum verfasste Kräuterbuch dürfte die "Physica" Hildegards von Bingen sein. Sie lebte als Äbtissin auf dem Disibodenberg (Deutschland), wird als große Heilerin und Ärztin des 12. Jahrhunderts verehrt und gründete mehrere Klöster. Sie schrieb ihre Traktate als "Seherin", bezeichnete sich selbst als ungebildet, da sie der lateinischen Sprache nicht fähig war, diktierte ihr Wissen einem gebildeten Mönch, der alles in die richtige Grammatik und lateinische Sprache setzte. Sie gab ihre reiche Erfahrung an Heiltechniken und Heilmitteln weiter. In diesen mittelalterlichen Arzneibüchern ist nicht nur der Erfahrungsschatz der Antike, sondern der uralte Schatz der Volksmedizin enthalten. In den Städten gab es schon im 13. Jahrhundert Medizinalordnungen und ein geordnetes Gesundheitswesen.

Doch auf dem Lande war es mit der Krankenbetreuung sehr schlimm. Daher hatte jedes Haus, jeder Hof seine eigene Hausapotheke, sein eigenes Kräuter- und Medizinbuch. Diese kleinen Apotheken waren oft wahre Meisterwerke mit Schränken, Nischen, Laden, Gefäßen für Kräuter, Mörsern und Salbtiegeln wie Näpfen aus Steingut und Porzellan für die selbst hergestellten Heilsalben und Schmieren. Meist war auch ein Geheimfach für besonders wertvolle Arznei vorhanden.

In der heutigen Zeit ist man bemüht, die alten Naturheilmethoden wieder neu zu beleben. Die Heilkräfte der Natur sollen wieder wirksam gemacht werden. Durch die Aktivierung bei therapeutischen Anordnungen und Maßnahmen soll durch den innersten Wunsch des Menschen die geistig-seelische Wandlung neu erzielt werden.

Die Bauern, Jäger und Holzfäller von St. Wolfgang kennen die Wunderkraft dieser "Saunickelschmiere". Sie behandeln die oft klaffenden, mit wildem Fleisch wuchernden Wunden mit dieser heilenden Salbe. Wie die Salbe hergestellt wird und wo diese Pflanze, aus der diese Wunderschmiere gewonnen wird, wächst bzw. aussieht, wissen nur mehr wenige, wie die "Hanslbauern Rosi" in Ried bei St. Wolfgang.

Die Sanikel wächst an schattigen Bachuferplätzen, etwa entlang des Dittelbaches in der Auerriesen, blüht weißlich-gelb und zartrosa und wird im Mai mit den Blüten geerntet. Die Wurzeln wurden nach gründlicher Reinigung mit einem bestimmten Anteil Blüten versetzt und stundenlang in frisch ausgelassenem Schweinefett ausgekocht. Das eigentlich Heilende sind die Wurzeln, die einen hohen Gehalt von Saponinen aufweisen. Medizinische Eigenschaften sind: wundheilend, reinigend und narbenbildend. In Hildegards Schriften lesen wir: "Die Sanikel wirkt gegen Magenschmerzen, Erkrankungen der Eingeweide, und des Darmtraktes besonders wirksam bei inneren Verletzungen". Auch die Kräuterbuchautoren des 16. und 17. Jahrhunderts kannten die Sanikel bestens. Selbe priesen die außerordentliche Heilkraft dieses Wundheilmittels. "Hie haben wir abermals der rechten und berühmten Wundkreutter eins, welches nit allein heilet und zusammen hefft, sondern auch innwendig und außwendig alle wunden seubert und reinigt." "Wer Sanikel hat, braucht keinen Chirurgen", dieses alte Sprichwort hat auch für unsere Bauern Gültigkeit.

So zieht sich das Ideengut der Volksmedizin durch die Zeiten hindurch und wird weitergegeben von Generation zu Generation. Die Sanikel wächst heute wie vor Tausenden von Jahren, die Natur ist gleich geblieben rund um und in St. Wolfgang.

Quelle

  • Adele Sungler

Verfasser

Dieser Artikel wurde von Adele Sungler verfasst und als Word-Dokument an das Salzburgwiki gesandt.