Collembola

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Beispiel einer Springschwanz-Art (wikimedia.commons)

Collembola (Springschwänze) sind eine vergleichsweise kleine Ordnung urtümlicher, insektenartiger Lebewesen, die heute mit anderen urtümlichen Ordnungen zur Klasse der Entognatha gestellt werden.

Allgemeines

In Europa kennt man 1941 Arten, in Österreich immerhin noch 448 Arten (Deharveng 2010), nach anderen Autoren 485 Arten (Rabitsch & Essl 2006). Collembola zeichnen sich durch ihre "Springgabel" aus, ein gegabelter Fortsatz am Ende des Abdomens, der meist unter diesem eingeklappt ist und durch ruckartiges Ausklappen dem Tier ein beachtliches Sprungvermögen verleiht. Die Springschwänze haben keine Flügel, wie die echten Insekten sechs Beine und sind nur wenige Millimeter groß. Viele Arten leben am oder im Boden, zwischen Steinen oder auch in der niedrigen Vegetation. Ihre Kleinheit hilft ihnen auch, die Oberflächenspannung des Wassers auszunutzen, und so findet man manche Arten auch in diesem Lebensraum. Ebenfalls zu den Springschwänzen gehören die "Milben", die man gelegentlich in Massen auf der Erdoberfläche in feuchtgehaltenen Blumentöpfen herumspringen sieht, und eine Reihe von Arten ist cavernicol, lebt also in Höhlen. Trockene Lebensräume werden von den zarten Tieren gemieden. Andererseits findet man Springschwänze auch in extremen Lebensräumen. Der "Gletscherfloh" besiedelt Eis- und Schneeflächen im Hochgebirge und wurde bis 4000 m Höhe gefunden. Springschwänze ernähren sich von organischen Überresten (Detritus), Pollenkörnern, Pilzmyzel und dergleichen.

Die Entwicklung der Collembola ist unvollständig (hemimetabol): Aus den Eiern schlüpfen Larven, die den erwachsenen Tieren im Körperbau bereits weitgehend ähnlich sehen. Nach mehreren Häutungen, die jedes Mal von einer Größenzunahme begleitet sind, entwickeln sich schließlich die Imagines, ohne dass wie bei den höher entwickelten Insekten ein eigenes "Puppenstadium" dazwischen geschaltet wäre. Aber auch die geschlechtsreifen Tiere häuten sich noch weiter und wachsen dabei auch noch langsam.

Kenntnisstand der Gruppe in Salzburg

Verbreitung und Lebensraum

Springschwänze kommen in Salzburg in verschiedensten Lebensräumen und vermutlich auch in allen Regionen und Höhenlagen vor, meiden aber trockenheiße Biotope (die es ohnehin in Salzburg kaum gibt). Der Kenntnisstand über diese Gruppe ist allerdings äußerst bescheiden, da es bis jetzt noch nie faunistische Bearbeiter dafür gegeben hat. Das Naturkundliche Informationssystem (Kurz & Kurz 2010) verzeichnet 14 Arten mit Funddaten aus den Jahren 1997 bis 2001, wobei aber selbst bei dieser geringen Zahl die Bestimmung in einigen Fällen nicht gesichert ist. Einige weitere Arten wurden aber sogar aus Salzburg beschrieben und sind zum Teil hier endemisch, kommen also nur in Salzburg vor. Vergleicht man das mit den 448 (485) aus ganz Österreich nachgewiesenen Arten, wird ersichtlich, welche Defizite noch bestehen. Die Bearbeitung wird sicherlich neben dem fehlenden Interesse der meisten Entomologen auch durch die Tatsache erschwert, dass die Tiere sehr klein sind und ihre Bestimmung sehr mühsam ist. Auch über die Phänologie der Arten liegen bisher praktisch keine Daten vor, ebenso wenig über ihre Nahrungswahl, über Feinde oder Parasiten.

Artenzahlen in Salzburg

Die folgende Aufstellung von 19 Arten wurde aus Kurz & Kurz (2010), sowie weiteren Literaturstellen entnommen. Sie soll lediglich als Anregung für die weitere Beschäftigung mit dieser interessanten Gruppe dienen. Erwartet werden dürfen in Salzburg sicherlich mehr als 200 Arten !

Familie Artenzahl
Hypogastruridae 1
Onychiuridae 1
Isotomidae 4
Entomobryidae 6
Tomoceridae 3
Neelidae 1
Bourletiellidae 2
Sminthuridae 1
Summe 19

Weiterführende Informationen

Projekt: Fauna und Flora von Salzburg

Quellen

  • Christian, E. & C. Spöttl 2010. Karst geology and cave fauna of Austria: a concise review. International Journal of Speleology 39(29: 71-90.
  • Deharveng, L. (ed.). 2010. Collembola. Fauna Europaea version 2.2, http://www.faunaeur.org [online 11 Oktober 2010].
  • Hemmer, W. (2000): Onychiurus (Protaphorura) kolenatii n.sp. (Insecta, Collembola), eine fakultativ rotgefärbte Onychuridenart von hochalpinen Schneefeldern der Ostalpen. - Vorarlberger Naturschau - Forschen und Entdecken, 8: 145-152, Dornbirn.
  • Kurz, M. A. & M. E. Kurz 2000–2010a. Naturkundliches Informationssystem. – URL: http://www.nkis.info [online 07 Oktober 2010].
  • Rabitsch, W. & F. Essl 2006. Kostbarkeiten in Österreichs Tier- und Pflanzenwelt. Ökologie, Naturschutz und Biogeographie österreichischer Endemiten. Zwischenbericht März 2006, 31 pp.
  • Stomp, N. 1986. Le groupe de Pseudosinella vandeli (Insectes, Collemboles) dans les Alpes Orientales. University of Siena 2nd International Seminar on Apterygota. R. Dallei ed.: 85-91.
  • Timmermans, M.J.T.N, J. Ellers, J. Marien, S.C. Verhoef, E.B. Verwerda & N.M. van Straalen 2005. Genetic structure in Orchesella cincta: strong subdivision of European populations inferred from mtDNA and AFLP markers. Molecular Ecology 14: 2017-2024