Der Wolf von Gubbio

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Titelfoto Buch Der Wolf von Gubbio

Buchtipp Der Wolf von Gubbio

Autorin: Hermine Moser-Rohrer
Verlag: Edition Garamond
Erscheinungsjahr: 2002
ISBN 3-85306-021-8

Rezension 1

Ein Roman, der menschliche Schwächen anhand des Psychodramas[1] beleuchtet.

Das Wissen der Autorin, die selbst die Ausbildung zur Psychodrama-Leiterin hat, macht diesen Roman zu einem interessanten Lehrstück über menschliche und zwischenmenschliche Probleme, die im Laufe einer Therapiewoche auf der Basis des Psychodramas in einem Landhaus in Umbrien aus den Teilnehmern hervorbrechen. Dazu passen als Einstieg sehr gut die Besichtigung der Fresken von Luca Signorelli im Dom von Orvieto und die Interpretationen dieser von den Teilnehmern des Seminars. Von großer Bedeutung auch das erste psychodramatische Spiel der Gruppe, das sich um das Leben von Franz von Assisi dreht und sich in seinen Auswirkungen durch den Roman zieht. Dabei zeigen sich erstmals Ängste, Aggressionen und verborgene Liebe, die in den fünf Teilnehmern steckt.

In die erste Hälfte des Buches ist auch noch eine durchaus spannende Geschichte eingeflochten. Es geschehen geheimnisvolle Vorgänge, bei denen ein alter Mann aus der Gegend eine zentrale Rolle spielt. Soviel möchte ich noch zu dieser Geschichte verraten: das Loslassen von Toten ist schwer und kann seltsame Blüten treiben. Leider löst sich die Spannung schon bei der Hälfte des Romans. Die zweite Hälfte dreht sich dann nur mehr um die Aufarbeitung der während der ersten Tage aufgebrochenen Themen der Seminarteilnehmer. Die Texte werden für nicht mit dieser Therapierichtung vertrauten Leser schwer verständlich, obwohl auch der Laie manch' tieferen Sinn darin entdecken kann. Unterbrochen werden die Schilderungen von Texten, die Visionen und Ängste einzelner Teilnehmer darstellen. Eine gewisse Grausamkeit kann man einigen dieser „Texte zu den Texten“ nicht ganz absprechen, wie auch sexuelle Verlangen und geistige Ausschweifungen sich wie ein roter Faden durch dieses Buch ziehen; die Autorin verzichtet dabei auf romantische Ausschmückungen, schildert in einfacher Prosa die Vorgänge, manchmal vielleicht etwas zu nüchtern für meinen Geschmack.

Den Schilderungen im Rahmen des Psychodramas von Selbsterfahrung, Liebes- und Todeshunger kann ich durchaus vier Sterne geben; der spannenden Romanumhüllung aber lediglich drei Sterne, eben weil dazu bereits in der Mitte des Buches „die Luft draußen ist“.

Rezension 2

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Quelle

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