Luis Hengster

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Luis Hengster
Der Künstler in seinem Garten
Signatur des Künstlers

Luis Hengster (* 1928 Unterlangendorf (tschechisch Dolní Dlouha), Bezirk Krumau; † 2000 Saalfelden am Steinernen Meer) lebte bis zu seinem Tod über 30 Jahre in Saalfelden. Luis Hengster war ein Künstler mit ungewöhnlichen bildnerischen Arbeiten.

Werk

Es sind vor allem zwei Werkgruppen, die das Schaffen von Luis Hengster, einem überaus naturverbundenen und experimentierfreudigen Künstler, kennzeichnen: seine Chemogramme und die von ihm so benannten Wurmbilder.

Chemogramme

Unter den Arbeiten des Grafikers und Malers, welche die unterschiedlichsten Richtungen aufweisen, treten die Chemogramme, wie Hengster diese Arbeiten bezeichnete, als eigenständige Werkgruppe hervor. Während seiner beruflichen Tätigkeit als Lithograf, die er in Salzburg ausübte, kam er auch mit Sepp Hödlmoser, Alois Lindner sowie Arno Lehmann in Kontakt. In seiner künstlerischen Entwicklung waren diese Begegnungen von entscheidender Bedeutung. Hengsters Art zu experimentieren - nicht nur im Formalen, sondern auch was das Material anbelangt - dürfte ihren Ausgangspunkt auf der Festung Hohensalzburg genommen haben.

Seine Technik der Chemogramme war ungewöhnlich: Auf Diapositivmaterial im Kleinbildformat - teils belichtet, teils unbelichtet - arbeitete er mit Farben sowie nicht näher bekannten chemischen Substanzen. Hier wird eine Parallele zu Sepp Hödlmoser deutlich, welcher die Zusammensetzung seiner selbst „gekochten“ Lackfarben ebenfalls nicht preisgab. Durch chemische Reaktionen auf der Gelatineschicht des Fotomaterials ergaben sich oftmals verblüffende Effekte, die Hengster geschickt zu steuern wusste. Manchmal kam ihm auch der glückliche Zufall zu Hilfe und es entstanden neue Aspekte dieser Kunstrichtung. Der Umstand, dass die „Malfläche“ nicht viel größer als eine Briefmarke war, macht die nötige Disziplin sowie Beherrschung dieser Technik deutlich. Das Austoben auf großem Format wurde hier regelrecht konterkariert, gleichsam als freiwillige Selbstbeschränkung.

Die Themen des Experimentators reichen von Figuralem über Landschafts- und Pflanzenmotiven bis hin zu gespenstischen Fantasiewelten. Es entstanden apokalyptische Landschaften und mystische Höhlenräume, von schemenhaften Troglodyten bewohnt. Fratzen und Fabelwesen aus der Dunkelheit. Sich der Endlichkeit allen Seins bewusst, setzte er auch Motive wie Kreuz und Sanduhr in seine Bildkompositionen ein. Manchmal ergaben sich dabei auch kubinhafte Anklänge. Die Chemogramme bilden einen Mikrokosmos in dem sich auch Korallen und Dendriten, aber vor allem Abstraktes bis hin zum Informel findet. Versunkene Welten - Hengsters eigenstes Atlantis, durch welches sich das filigrane Gespinst des Craquelé wie ein Ariadnefaden zieht.

Die Entstehungszeit der Chemogramme ist anfangs der Neunzigerjahre des zwanzigsten Jahrhunderts anzusetzen. Wenn Luis Hengster mit dieser Technik auch nicht allein dasteht, so darf doch behauptet werden, dass er zu den Pionieren dieser Kunstrichtung zählt. Seine Arbeiten weisen in eine Richtung welche deutlich macht, dass Formen im Kleinen wie im Großen oftmals identisch sind.

Wurmbilder

Viele Arbeiten Luis Hengsters folgen einem Naturkonzept. Als profunder Kenner der Pflanzen- und Tierwelt war es somit naheliegend, dass sein Interesse an diesen Gebieten sich in vielen seiner Werke niederschlug.

Die Werkgruppe, welche er Wurmbilder nannte, entstand im Zeitraum 1998 − 1999 und zwar durch Frottage an Fraßbildern, die von Käferlarven (Rhagium mordax) an der Innenseite von Baumrinden hinterlassen wurden. Somit ist die Bezeichnung Wurmbilder irreführend und vom Künstler wohl mit einem Augenzwinkern gewählt. Die Formen die er freilegte, sind nicht manipuliert. Umso verblüffender ist es, Menschen- und Tierleiber erkennen zu meinen. Durch Farbschattierung und Umrisszeichnung legte er die Wesen frei, gleichsam als Paläontologe der Grafik.

Es sind Arbeiten in kleinem Format auf Papier, erstellt mittels Wachsmalkreiden und Faserstift. Die meisten dieser Frottagen weisen das Format DIN A4 auf. Einige Blätter dieser grafischen Reihe erinnern an Höhlenzeichnungen, aber den meisten wohnt das alte Thema des Totentanzes inne und entführen den Betrachter somit in ein apokalyptisches Szenario.

Bildergalerie

Chemogramme

Wurmbilder

Quellen