Josef Hödlmoser

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Eine frühe Arbeit des Malers (Öl auf Holz), die links unten signiert ist.

Josef Sepp Hödlmoser (* 6. Mai 1923 in Salzburg; † 26. August 1967 ebendort) war ein Nonkonformist und enfant terrible der Salzburger Kunstszene. Mit seinem Atelier auf der Festung Hohensalzburg zählt er zu den sogenannten Festungskünstlern.

Biographie

Sepp Hödlmoser wächst als Sohn des Burgkastellans in der Festung Hohensalzburg auf. Er besucht die Staatsgewerbeschule, deren Lehrinhalte eigentlich auf eine technische Berufslaufbahn abzielen. Als Soldat im 2. Weltkrieg gerät er in russische Gefangenschaft. Eine dort erworbene Gelbfiebererkrankung beeinträchtigt seine Gesundheit Zeit seines Lebens. In der Nachkriegszeit studiert er einige Monate an der technischen Hochschule in Graz. In einer kurzlebigen Arbeitsgemeinschaft mit zwei Restauratoren in der Salzburger Rupertgasse erwirbt er sich restauratorische Kenntnisse. Sepp Hödlmosers Haupterwerb sind kirchliche Restaurierungsaufträge. Als Maler ist er Autodidakt. 1958 gestaltet sich für Sepp Hödlmoser zu einem Katastrophenjahr. Es kommt zur Konfrontation mit Öffentlichkeit und Medien, mit der Kirche und mit der von Oskar Kokoschka geleiteten Schule des Sehens. Es folgt auch ein Bruch in der Familie. Sepp Hödlmoser heiratet in der Folge 1959 zum zweiten Mal. In seinen letzten Lebensjahren erkrankt Sepp Hödlmoser an Leukämie. In seinem geschwächten Zustand kann er nicht mehr malen. Er stirbt am 26. August 1967 im Alter von 44 Jahren in Salzburg. Seine künstlerische Schaffensperiode umfasste nur zwölf Jahre.

Leben und künstlerische Arbeit Sepp Hödlmosers – ein "Gesamtkunstwerk"

Sepp Hödlmosers persönliche Erscheinung, sein Atelier und seine Wohnung in der Burg spiegelten in ihrer Einzigartigkeit die Eigenart Sepp Hödlmosers und seiner Kunst wider. Atelier- und Wohnungsgestaltung waren Produkt seiner innenarchitektonischen Ambitionen und bildeten – auch bedingt durch die Burgatmosphäre – den passenden Rahmen für die Künstlerpersönlichkeit und das künstlerische Werk Sepp Hödlmosers. Der Maler und sein Werk waren vom Anerkannten und von der Kunstszene seiner Zeit disloziert und von dieser schon durch Wohn- und Atelierstandort im buchstäblichen Sinn abgehoben.

Mit dem aus Berlin zugewanderten und bereits arrivierten Keramiker Arno Lehmann bekam Sepp Hödlmoser 1949/1950 Gesellschaft. Auch er - wie Hödlmoser - ein Exzentriker, mit dem Unterschied, dass Arno Lehmanns Werk unumstritten war. Alois Lindner, ein noch unbekannter junger Antiquitätenschnitzer und Bildhauer aus Tirol, erweiterte den Personenkreis der sogenannten Festungskünstler. Gemeinsam mit ihm arbeitete Sepp Hödlmoser an der Gestaltung des Wappensaales des Festungsrestaurants. Dieses „Künstlerdreigespann“, dominiert von Arno Lehmann, stand abseits vom Rest der Salzburger Kunstszene. Die Festungskünstler waren aber keineswegs eine homogene Gruppe, was schon wegen der Distanziertheit Arno Lehmanns und des Separatismus Sepp Hödlmosers nicht möglich war. Sepp Hödlmosers esoterischen Neigungen wurden durch Arno Lehmanns Einwirkung verstärkt. Auch seine Form- und Farbexperimente standen unter Lehmanns Einfluss.

In vielerlei Hinsicht war Sepp Hödlmoser das Gegenteil eines damals "respektablen" Künstlers der Moderne. In der Wahl seiner Materialien wich er von allen geltenden Regeln der Kunst ab. Auch aus materieller Not heraus verwendete er alles "halbwegs Brauchbare" als Maluntergrund. Er wollte sich auch technisch bewusst von der Tradition abheben, experimentierte und erfand eigenwillige Innovationen. Selbst sein Wissen über die klassische Tradition der Malerei und auch sein technisches know how waren beschränkt. Er wurde als Maler nicht respektiert und auch gezielt lächerlich gemacht.

Sepp Hödlmosers Persönlichkeit umfassend zu beschreiben ist ein schwieriges Unterfangen. Er lehnte jede Autorität ab und stand allem Akademischen distanziert gegenüber. Selbstüberschätzung und Selbstinszenierung kennzeichneten sein Verhalten. Ein Hang zur Magie, die Nähe zum Surrealismus, z. B. eines Hans Arp, die "Aura früher Kulturen" und zunehmende Freiheit der Abstraktion prägten sein künstlerisches Schaffen. Vielleicht nicht ganz zufällig fand der Exzentriker und Eigenwillige nach dem Bruch mit allen anerkannten gesellschaftlichen Instanzen einzig in Thomas Bernhard einen Fürsprecher. (Demokratisches Volksblatt, Juli 1953).

Als Autodidakt, Nonkonformist und Selbstinszenierer polarisierte Sepp Hödlmoser, was gepaart mit einer selektiven Ignoranz der arrivierten Salzburger Kunstszene und des fachkundigen Publikums Zeit seines Lebens die Sicht auf sein künstlerisches Werk verstellte.

Nachlass und Fazit

Sepp Hödlmosers künstlerischer Nachlass umfasst zahlreiche Arbeiten in Aquarelltechnik, Mischtechnik, Tusche, Öl, Gouache und Tempera. Maluntergrund bilden Papier, Knitterpapier, Pappe, Karton, Hartfaserplatten, Weichfaserplatten und Holzbretter.

Er war als Künstler ein Autodidakt, der sich "die Moderne auf eigenen Faust erobert". (Nikolaus Schaffer). Hoffnungsvollen Anfängen wie ein 1942 entstandenes Landschaftspastell und ein Reihe von Skizzenblättern folgten Experimente und "stilistische Bocksprünge". "Sein Richtungs-Nonkonformismus machte eine eindeutige Zuordnung unmöglich." Er ließ Kontinuität in der Entwicklung von Werk und Stil vermissen und schaffte damit Verunsicherung.

"Ohne Sepp Hödlmoser wäre die Salzburger Moderne sicherlich um eine starke und erfrischende Farbe ärmer, denn eigenwillige Einzelgänger von seinem Schlag machen immer und überall die eigentliche Würze und Reichhaltigkeit lebendigen Kunstgeschehens aus." Nikolaus Schaffer

Quellen

  • Schaffer, Nikolaus: Der Maler Sepp Hödlmoser, Monographische Reihe zur Salzburger Kunst, Band 15, HG Direktion des Salzburger Museums Carolino Augusteum, Salzburg 1992