Alpenverein und Energiedebatte

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Der Alpenverein und die Energiedebatte im 21. Jahrhundert wurde vom Alpenverein im Herbst 2011 definiert.

Allgemeines

Der Österreichische Alpenverein hat nach seinen Satzungen und als gesetzlich anerkannte Umweltorganisation eine Verpflichtung, sich für den Erhalt der alpinen Bergwelt in ihrer Ursprünglichkeit und Vielfalt einzusetzen. Dieser Auftrag besteht nicht nur im Namen seiner über 400 000 Mitglieder, sondern wird im demokratischen Spiel der Interessensgruppen vom OeAV als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden. Zugleich ist die Bewahrung alpiner Landschaftsressourcen nicht nur eine Frage des Natur- und Umweltschutzes, sondern hat auch vielfältige soziale und ökonomische Dimensionen.

Fakten und Positionen zur Energiedebatte 2011

  • Nach dem Ökostromgesetz 2012 soll bis 2020 die Stromerzeugung aus Wasserkraft um vier Tetrawattstunden (TWh) ausgebaut werden. Tatsächlich übertreffen die aktuell geplanten 218 Neubauvorhaben mit einer Gesamtleistung von acht TWh die Ziele der Bundesregierung um mehr als das Doppelte.
  • Derzeit sind nur noch weniger als zehn Prozent der Fließgewässer in den Alpen als unversehrt zu bezeichnen. Geht es nach den Plänen der Energiewirtschaft würde es in wenigen Jahren in den österreichischen Alpen nur noch einige "Erinnerungsbäche" und bis in hochalpine Regionen kaum noch unverbaute Täler geben.
  • Gemeinsam mit den Plänen für alpine Windparks (siehe das Projekt Brennerberge) droht ein massiver Verlust an Landschaftsressourcen, der vielerorts auch den in Österreich so wichtigen Wirtschaftszweig Fremdenverkehr insbesondere im Sommer gefährden würde.
  • Mehr als die Hälfte der geplanten Wasserkraftprojekte betreffen sensible Gebiete und machen auch vor ausgewiesenen Schutzgebieten nicht Halt.
  • Die propagierte und viel zitierte Energiewende muss bei Einsparungen und Effizienzsteigerungen ansetzen.
  • So genannte erneuerbare Energien sind nicht automatisch auch ökologisch und nachhaltig. Energiegewinnung auf Kosten der alpinen Landschafts-, Lebens- und Wirtschaftsräume entspricht für den OeAV nicht den Vorstellungen des viel strapazierten Begriffs "Nachhaltigkeit".
  • Sowohl in der EU 27 wie in Österreich halten sich die Bemühungen um Einsparungen und Effizienzsteigerungen in bescheidenen Grenzen. Das betrifft die jüngere Vergangenheit ebenso, wie die Pläne für die nächsten Jahrzehnte.
  • Eine Studie des Instituts für Höhere Studien im Auftrag von Greenpeace nennt hingegen die Möglichkeit, dass in Österreich bis 2050 eine Halbierung des Energieverbrauchs möglich wäre. Primär werden dabei Maßnahmen im Wohnbau (Wärmedämmung, Solaranlagen) und im Verkehr (E-Mobilität, öffentlicher Verkehr) angesprochen.
  • Andere Experten wie der Physiker Ernst Ulrich von Weizsäcker gehen davon aus, dass die Effizienz von einer Kilowattstunde Strom verfünffacht werden könnte - ohne weitere Zerstörung von Landschaftsressourcen und ohne Verzicht auf Lebensqualität und Komfort.
  • Der OeAV hält das Ziel einer regionalen Energieautarkie, wie sie auch Umweltminister Niki Berlakovich für Österreich propagiert, für nicht zielführend. Je kleiner eine derartige Autarkieeinheit ist, desto mehr müssen Vorkehrungen zum Ausgleich zwischen den Produktionsbedingungen einzelner Energieformen und Verbrauchsspitzen getroffen werden. Das führt zwangsläufig zum Aufbau von Überkapazitäten und zusätzlichem Landschaftsverbrauch.
  • Der Primärenergieverbrauch in der EU mit ihren 27 Mitgliedern beträgt derzeit 2,6 Mrd. t SKE - Der Anteil von erneuerbaren Energieträgern liegt EU-weit derzeit bei neun Prozent, lediglich zwei Prozent kommen aus der Wasserkraft.
  • Nach unterschiedlichen Szenarien soll der Anteil der erneuerbaren Energieträger in der EU 27 bis zum Jahr 2035 auf 17 bis 27 % steigen. In diesen Szenarien wird vor allem von einer Steigerung bei Biomasse, Sonnenenergie und Windkraft ausgegangen. Der Anteil der Wasserkraft bleibt EU-weit bei zwei Prozent.
  • Die unterschiedlichen Szenarien gehen für die EU 27 für 2035 von einem stabilen bzw. geringfügig steigenden/abnehmenden Energieverbrauch aus. Der höhere Anteil an erneuerbaren Energieträgern ist also nur als Substitution anderer Träger (fossile und Kernenergie) gedacht, bzw. sollen erneuerbare Energieträger Zuwächse im Energieverbrauch abfangen. Der Österreichische Alpenverein wird sich mit allem ihm zur Verfügung stehenden Mitteln gegen eine verfehlte und planlose Energiepolitik zur Wehr setzen. Wir werden es nicht zulassen, dass die wenigen verbliebenen unberührten Natur- und Landschaftsräume einem steigenden Energieverbrauch geopfert werden.

So lange die Potenziale von Einsparungen und Effizienzsteigerung nicht ausgeschöpft werden, wird der OeAV zumindest keinen großflächigen Eingriffen in die alpine Landschaft zur Energiegewinnung zustimmen. Der Grazer Volkswirtschafter Stefan Schleicher formuliert in einem Beitrag für das Magazin des OeAV "Bergauf" (Heft 4/2011) im Zusammenhang mit den begrenzten Natur- und Landschaftsressourcen:

Gerade deshalb müssen wir so etwas wie eine Kopernikanische Wende in unserem Umgang mit Energie vollziehen. Nicht woher Energie nehmen, sondern wofür Energie verwenden wird die Orientierung für ein zukunftsfähiges Energiesystem abgeben. Dafür sollen wir unsere Fantasie durch einige schon jetzt absehbare Trends inspirieren lassen.

Quelle