Der Mondseer Jedermann

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Jedermann in Mondsee

Der Mondseer Jedermann ist ein von Franz Löser verfasstes Theaterstück, das auf dem gleichnamigen Stück von Hugo von Hofmannsthal beruht und seit 1922 mehr als 600 Mal in Mondsee aufgeführt wurde.

Autor

Franz Löser, 1889 in Neunkirchen in Niederösterreich geboren, ist der Verfasser des Mondseer Jedermanns. Löser, der mit Hermann Bahr bekannt war und dessen Bibliothek nutzte, trat durch diese Bekanntschaft in ersten Kontakt mit Hugo von Hofmannsthal. Inwiefern jene ersten Begegnungen der beiden Autoren fruchtbar für Lösers Arbeit waren ist aber nicht weiter bekannt. Der niederösterreichische Autor verkehrte aber nicht nur in den Kreisen Bahrs sondern gab insgesamt elf Jahre lang den Spielansager in Hofmannsthals Jedermann bei den Salzburger Festspielen. Durch dieses Engagement stand er in direktem Kontakt zu Max Reinhardt, der Regie führte und zu Hugo von Hofmannsthal, der sich während seiner langjährigen Arbeit an den Salzburger Festspielen meist am Festspielort aufhielt. Darüber hinaus war ihm bekannt, welches Publikum die Festspiele besuchte und welche Eindrücke das Stück bei diesem hinterließ:

„Als Spielansager bei den Salzburger Jedermann-Aufführungen in den Jahren 1920/1921, unter Professor Max Reinhardts Leitung, erlebte ich den ungeheuren Erfolg und die tiefen Eindrücke, die dieses Spiel auslöst.“[1]

Hofmannsthals Bestrebung, das Stück dem Volk zu geben, hat nach Lösers Ermessen und nach dessen Bild von Österreich nur bedingt gefruchtet: Der sprachliche Stil Hofmannsthals, sein Hochdeutsch, die festlich-edle Aufmachung der Festspiele in Salzburg und die Kosten hielten das einfache Volk, die Bauern und Dorfbewohner der Umgebung fern; Zielgruppe war ein gehobenes Bildungsbürgertum. Jedoch wurde an Löser häufig der Wunsch herangetragen, das Stück außerhalb der Salzburger Festlichkeiten und in neuem, volkstümlichen Gewand sehen zu können:

„Der Wunsch Vieler, besonders aber der ländlichen Bevölkerung, den „Jedermann“ von volkstümlichen Darstellern gespielt zu sehen, oder ihn in der Mundart lesen zu können, veranlaßte [sic!] mich das Werk im Einvernehmen mit dem Dichter einer teilweisen Umarbeitung zu unterziehen.“[2]

Die Entscheidung für eine Mundartfassung scheint jedoch nicht bloß die Antwort auf die an ihn gestellten Bitten zu sein, sondern trägt auch eine deutliche Abgrenzung zum Jedermann bei Hofmannsthal in sich. Letzterer wurzelt in der Sichtweise, die sein Verfasser auf den Begriff „Österreich“ hatte und ist dieser somit verpflichtet. Es wäre für Hofmannsthal nicht möglich gewesen eine Dialektfassung zu schreiben, ohne seinen Wunsch diesem geistig-elitären Begriff Ausdruck zu verleihen, aufgeben zu müssen.

[1] Löser, Franz. Mondseer Jedermann. München, unbekanntes Jahr. S. 9. (Im Folgenden: Löser.) [2] Ebd.

Das Drama

Löser verfasste seine Dialektfassung im Jahr 1921, das Stück wurde im Jahre 1922 uraufgeführt. Seine Fassung des "Jedermann" ist an die in Salzburg aufgeführte Version Hofmannsthals angelehnt und wurde von Hofmannsthal selbst abgesegnet und mit einem Vorwort versehen. Franz Löser veränderte die ursprüngliche Fassung dahingehend, dass er die Hochsprache, die Hofmannsthal in seinem Werk verwendet, nur zum Teil übernimmt. Es handelt sich zudem um einen "bereinigten" Dialekt, aus dem Löser bestimmte Spezifika entfernt hat, die ihn zu sehr an eine bestimmte Region oder ein bestimmtes Dorf binden würden. Durch diesen Kompromiss ist es möglich, dass Stück zwar in Mundart zu übertragen, es aber dennoch überregional zu halten. So wird beispielsweise durch die Verwendung des Wortes „Enk“ für „Euch“ erkennbar, dass es sich um eine Dialektform Oberösterreichs oder Salzburgs in der Nähe des Salzkammer-gutes handeln muss. Eine genaue Bestimmung um welches Dorf oder welche Stadt es sich hierbei handeln könnte ist jedoch nicht möglich.

Desweiteren hat Löser nicht allen Figuren des Dramas dialektale Rede zu Teil werden lassen. Die allegorischen Figuren – Gott, Glaube, Teufel und Tod – sowie der Kumpan Jedermanns sprechen hochdeutsch. Die Begründung hierfür ist unterschiedlich. Die Übertragung des Dramas durch Löser hat nicht ausschließlich den Wortlaut, sondern auch den Schauplatz des Geschehens geändert. Sein Jedermann ist ein reicher Bauer, dessen Leben in ländlicher – und daher dialektgeprägter – Umgebung stattfindet. Dessen Kumpan hingegen stammt aus der Stadt, weswegen er keinen Dialekt benutzt. Der Autor wollte sich zudem an den Charakter des guten Gesellen bei Hofmannsthal anlehnen:

„Nicht in den Dialekt übertragen wurden,Jedermanns Kumpan' (der gute Geselle) und zwar lediglich aus charakterlichen Gründen. Ich habe diese Figur nur teilweise modernisiert“[1]

Die Dialektlosigkeit der allegorischen Figuren hingegen ist anders zu erklären. Sowohl Glaube, als auch Gott, Teufel und Tod sind keine irdischen Wesen. Der Dialekt hingegen ist, durch seine regionale Gebundenheit, eine sehr irdische Sprachform, die menschlichen, nicht aber allegorischen Figuren zusteht. Zudem spielt hier die Dialektsoziologie erneut eine große Rolle: Würden die allegorischen Figuren, wie etwa in Fitzgerald Kusz „fränkischem Jeder-mann“ oder Franz von Kobells „G'schicht' von' Brandner-Kasper“, im Dialekt reden, müsste man sie im unteren Bereich der soziologischen Schichtung einordnen. Entweder in einem familiären oder freundschlaftlichen Verhältnis zum restlichen Dramenpersonal und auch zum Leser oder in einer sozialen Riege mit Bauern, Arbeitern und Dorfbevölkerung. Sie würden ihre Un(be)greifbarkeit einbüßen und zwangsläufig zu lächerlichen Figuren werden. Löser betrachtet die Übernahme der hochdeutschen Texte hier als selbstverständlich:

„Welche Motive mich bewegten, die Stimme des Herrn, Glaube, Tod und Teufel in der alten Sprache zu lassen werden jedem denkenden Menschen leicht begreiflich erscheinen.“[2]

Die Dialektfassung Lösers steht also in einem anderen soziologischen Umfeld als die hochdeutsche Fassung Hofmannsthals und lässt überdies noch die unterschiedlichen Einstellungen beider Autoren zu Österreich und deren Selbstverständnis als Österreicher erkennbar werden. Löser betrachtet Österreich nicht als geistigen Begriff, sondern als Nation und Heimat. Er ist dieser gegenüber positiv eingestellt, muss aber nicht davor zurück-schrecken Dialekt zu verwenden. Er kann ihn bewusst einsetzen, um sich selbst ebenso wie seine Figuren in die Reihen der Dialekt nutzenden Schicht der Bevölkerung einzugliedern und dem Stück „in seiner neuen Form [zu] weiteste[r] Verbreitung“[3] zu verhelfen.

[1] Löser, S. 9. [2] Ebd. [3] Ebd.

Inhalt

Der Inhalt des Tückes geht auf Hugo von Hofmannsthals Stück "Jedermann" zurück, das im Jahr 1911 veröffentlicht wurde.

Der reiche Bauer Jedermann ist mächtig stolz auf sein Anwesen und seinen Reichtum. Die Ermahnung seiner Mutter tut es als lächerlich ab, seinen armen Nachbarn und eine arme Frau verhöhnt er ihrer Armut wegen. Er hört dafür mehr auf seinen städtischen KUMPAN, der ihm nach dem Munde redet. Seinen Reichtum weiß er zu genießen, fast täglich zecht und feiert er mit seinen vermeintlichen Freunden. Doch eines Tages tritt ihn plötzlich und ohne Vorwarnung der TOD an und fordert ihn auf mitzukommen. Auf Jedermanns flehentliches Bitten gewährt er ihm noch eine einstündige Frist um eine Reisebegleitung zu finden.

Doch jetzt zeigt sich der Wert seiner Freundschaften: seine Geliebte verlässt ihn als erste, es folgt sein Kumpan, und schließlich suchen auch seine beiden Vettern das Weite, als sie erfahren wohin diese Reise gehen soll. Sogar der Mammon hält nicht viel von seinem Vorschlag und verspottet ihn auch noch. Jedermann ist verzweifelt, er hat all seinen Mut und sein Selbstbewusstsein verloren, da treten seine Werke zu ihm und bieten ihm die Begleitung an. Jetzt aber zweifelt Jedermann daran jemals Gutes getan zu haben und lehnt ab. Erst als der Glaube seine Hilfe verspricht, willigt er ein und findet Trost und Verzeihung in der Kirche. Da muss sogar der Teufel, der schon zur Stelle war um ihn als sicheren Kandidaten für die Hölle abzuholen, unverrichteter Dinge wieder abziehen. JEDERMANN hat seine Verfehlung bereut und kehrt unter Engelsgesängen in die ewige Seligkeit ein.

Spielorte

Bei Schönwetter wird "Der Mondseer Jedermann" im Karlsgarten aufgeführt, bei Schlechtwetter im Schloss Mondsee. Aufführungen im Freien, die durch Regen unterbrochen (eventuell abgebrochen) werden, gelten nach zwei Dritteln der Spielzeit als durchgeführt.

Bildergalerie

Quellen

  • Salzburgwiki-Artikel Mondsee
  • Löser, Franz: Mondseer Jedermann. München
  • Müry, Andres: Jedermann darf nicht sterben. Geschichte eines Salzburger Kults 1920 - 2001ff. Salzburg, München, 2001
  • Ammon, Ulrich: Die deutsche Sprache in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das Problem der nationalen Varietäten. Berlin, 1995
  • Haslinger, Adolf, Mittermayr, Peter (Hrsg.): Salzburger Kulturlexikon, Residenz Verlag, Salzburg-Wien-Frankfurt/Main 2001, ISBN 3-7017-1129-1
  • Hofmannsthal, Hugo von: Jedermann. Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes. Reclam-UB18037), Stuttgart, 2000

Weblink