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Max Reinhardt

Nicola Perscheid: Portrait von Max Reinhardt 1911.
Max Reinhardt
Max Reinhardt in Berlin, September 1930
Stolperstein für Max Reinhardt in der Leopoldskronstraße Nr. 56 bis Nr. 58, vor dem Schloss Leopoldskron.

Max Reinhardt (* 9. September 1873 in Baden, Niederösterreich; † 31. Oktober 1943 in New York, Vereinigte Staaten von Amerika), eigentlich Max Goldmann, war Mitbegründer der Salzburger Festspiele, Schauspieler und Regisseur.

Inhaltsverzeichnis

Leben

  • 1873: Max Goldmann wird als Sohn eines jüdischen Kaufmanns in Baden bei Wien geboren.
  • 18901892: Neben einer Banklehre nimmt er privaten Schauspielunterricht und debütiert 1890 an einem Wiener Privattheater. Danach folgen kleinere Engagements in Wien und in der Provinz. Auf den Theaterzetteln nennt er sich bereits Reinhardt.
  • 18941902: Ensemblemitglied am Deutschen Theater in Berlin, wo er vorwiegend für das Rollenfach "alter Mann" besetzt wird.
  • 1901: Er gründet mit einigen Kollegen in Berlin die Kleinkunstbühne "Schall und Rauch", aus der 1902/1903 das "Kleine Theater" wird.
  • 1903: Er übernimmt offiziell die Leitung des "Kleinen Theaters" und des "Neuen Theaters" (heute Berliner Ensemble, Theater am Schiffbauerdamm).
  • 1904: Seine Familie darf offiziell den Nachnamen Reinhardt führen.
  • 1905: Übernahme der Direktion des Deutschen Theaters und Gründung einer Schauspielschule.
  • 1906: Eröffnung der Kammerspiele, die dem Deutschen Theater angeschlossenen sind.
  • 1911: Uraufführung von Hugo von Hofmannsthals "Jedermann" unter Reinhardts Regie am Deutschen Theater. Er wird von Richard Strauss für die Uraufführung des "Rosenkavaliers" nach Dresden geholt. Mit der Inszenierung setzt er neue Maßstäbe in der Opernregie. Er behandelt die Sänger als Schauspieler und bietet auch über die dramatischen Aspekte den Zugang zum Werk.
  • ab 1912: Reinhardt, der als Begründer des neuen Regietheaters gilt, führt bevorzugt Großrauminszenierungen mit riesiger Bühnenmaschinerie und einer Vielzahl von Statisten auf. Mit diesem "Schautheater" ist er in den nächsten Jahren in der ganzen Welt präsent.
  • 19151918: Leitung der Berliner Volksbühne.
  • 1917: Reinhardt richtet am Deutschen Theater die Versuchsbühne "Das junge Deutschland" ein, die mit Inszenierungen von Stücken Oskar Kokoschkas, Else Lasker-Schülers und Franz Werfels zur Durchsetzung des Expressionismus in Deutschland beiträgt.
  • 1918: Reinhardt erwirbt das Schloss Leopoldskron in Salzburg, das bis zur Enteignung durch die Nationalsozialisten 1938 ein Treffpunkt von Künstlern ist.
  • 1919: Eröffnung des Großen Schauspielhauses im umgebauten Zirkus Schumann in Berlin (später Friedrichstadtpalast), das wegen Routineaufführungen auch als "Zirkus Reinhardt" kritisiert wird.
  • 1920: Mitbegründer der Salzburger Festspiele.

Innerhalb der Salzburger Festspielhaus-Gemeinde wurde immer wieder heftig gestritten. Das bewog den ersten Festspielpräsidenten Alexander Prinz Thurn und Taxis 1922 dazu, dieses Amt niederzulegen. Auch um seine Nachfolge gab es ein Geplänkel. Richard Strauss wurde nach langem Hin und Her neuer Festspielpräsident, Max Reinhardt war darüber gekränkt, dass nicht er Präsident wurde. Bei den Salzburger Festspielen 1923 spielte dann Max Reinhardt nur Molières Eingebildeten Kranken im Schlosspark von Schloss Leopoldskron und einmal im Stadtheater.

Zwischen 1920 und 1937 führte er 37 Mal die Regie bei Salzburger Produktionen.

  • 1922: Reinhardt gibt die Direktion der Berliner Bühnen ab.
  • 1923: Kauf und Umbau des Wiener "Theaters in der Josephstadt".
  • 1924: Reinhardt eröffnet die Komödie am Kurfürstendamm (Berlin) und wird erneut Direktor der Berliner Bühnen. Er engagiert Bertolt Brecht und Carl Zuckmayer als Dramaturgen am Deutschen Theater.
  • 1928: Eröffnung des Berliner Theaters und der Schauspiel- und Regieschule in Wien (Max-Reinhardt-Seminar). In seiner 1947 posthum veröffentlichten "Rede über den Schauspieler" dokumentiert Reinhardt seine Arbeitsweise und sein Credo: "Ich glaube an die Unsterblichkeit des Theaters".
  • 1932: Reinhardt gibt die Verwaltung seines "Theaterkonzerns" ab.
  • 1933: Die Nationalsozialisten bieten Reinhardt eine "Ehren-Arierschaft" an, die er empört ablehnt. Er verlässt Berlin und geht nach Österreich, wo er die Direktion des "Theaters in der Josephstadt" abgibt und mit den Vorbereitungen seiner Emigration beginnt.
  • 1935: Heirat mit Helene Thimig
  • 1937: Die Uraufführung von Werfels "In einer Nacht" ist Reinhardts letzte Inszenierung auf europäischem Boden. Er emigriert in die USA.
  • 1938: Gründung des "Max Reinhardt Workshop", einer Art Theater- und Filmakademie.

Der Zweite Weltkrieg beendete die Ära Reinhardt. 1938 wurde das Schloss Leopoldskron von der nationalsozialistischen Regierung als „jüdischer Besitz“ konfisziert. Reinhardt, der zu dieser Zeit in Hollywood lebte und arbeitete, kehrte nie mehr nach Leopoldskron zurück. In einem Brief an seine Frau, die österreichische Schauspielerin Helene Thimig, schrieb Reinhardt: „Ich habe achtzehn Jahre in Leopoldskron gelebt, wirklich gelebt, und ich habe es lebendig gemacht. Ich habe jedes Zimmer, jeden Tisch, jeden Sessel, jedes Licht, jedes Bild gelebt. Ich habe gebaut, gezeichnet, geschmückt, gepflanzt und geträumt davon, wenn ich nicht da war. (...) Ich habe es immer feiertäglich geliebt; nie als etwas Alltägliches. Es waren meine schönsten, reichsten und reifsten Jahre (...) Ich habe es verloren, ohne zu jammern. Ich habe alles verloren, was ich hineingetragen habe. Es war der Ertrag meiner Lebensarbeit.[1]

  • 1943: Max Reinhardt stirbt in New York
  • 1950: Mit dem Bescheid der Finanzlandesdirektion vom 4. September werden sämtliche Liegenschaften, die die Gestapo Max Reinhardt im April 1938 geraubt hatte und die für den Reichsgau Salzburg verbüchert waren, an die Erben des Regisseurs rückgestellt.

Seit 17. Februar 1953 sind die Regiebücher Max Reinhardts wieder im Besitz der Familie; sie wurden von der Hollywood-Schauspielerin Marilyn Monroe, die die Bücher bei einer Versteigerung erworben hatte, zurückgekauft.

Erinnerung

In der Leopoldskronstraße Nr. 56 bis Nr. 58, vor dem Schloss Leopoldskron erinnert seit dem 19. April 2013 ein Stolperstein an ihn.

Straßenbenennung

Nach Max Reinhardt ist der Max-Reinhardt-Platz in der Salzburger Altstadt benannt.

Weblinks

Quellen