Flüchtlinge bringen netto mehr Geld, als sie kosten

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Flüchtinge bringen netto mehr Geld, als sie kosten sagt das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) im November 2015 - ein Beitrag, der zwar keine direkte Erwähnung Salzburgs, aber durch die Flüchtlingsbewegung 2015 durchaus einen starken Bezug zu Salzburg hat.

Einleitung

Die Flüchtlingsbewegung dürfte den Österreichern sogar mehr Wohlstand bringen. Davon ist das Wirtschaftsforschungsinstitut überzeugt. Doch wie soll das gehen?

Der stv. Wifo-Chef und Konjunkturforscher Marcus Scheiblecker hält Folgendes für sehr wahrscheinlich: Der Zuzug von Flüchtlingen wird der Volkswirtschaft in Österreich genauso wie in Deutschland anfangs Geld kosten. Dann aber die Wirtschaftskraft steigern - und auch den Wohlstand der einzelnen Bürger. Anders gesagt: Asylsuchende hätten gute Chancen, die Pro-Kopf-Einkommen der Österreicher positiv zu beeinflussen. Scheiblecker bezieht sich auf eine aktuelle Studie dies Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Diese sei inhaltlich auch auf Österreich anzuwenden.

Lauter junge, arbeitsfähige Männer

Dies sei, einfach gesagt, möglich, weil über die Hälfte der Asylsuchenden unter 35 Jahre alt ist. Und noch dazu die jungen Männer zahlenmäßig überwiegen. "Viele der Neuankömmlinge sind natürlich arm und sprechen nicht Deutsch. Das ist die eine Seite", sagt Wifo-Vizechef Scheiblecker. Andererseits werde unter "einheimischen" Österreichern die Gruppe der Unter-50-Jährigen immer kleiner, die der Pensionsberechtigten immer größer. "Und die Zahlen der Statistik Austria legen nahe, dass das durch interne Mechanismen nur noch schwer ausgeglichen werden kann."

Der Anteil der potenziellen Arbeitskräfte unter den Flüchtlingen sei nun aber außerordentlich hoch, während fast keine Senioren den Weg nach Europa antreten würden. 70 bis 75 Prozent von ihnen befinden sich im erwerbsfähigen Alter.

Ein Prozent mehr Wohlstand

Das DIW bezeichnet die Integration von Flüchtlingen als "langfristig lohnende Investition". Und zeichnet dabei drei Varianten. In der optimistischen gewinnt die deutsche Volkswirtschaft schon ab 2018 zusätzliche Kraft aus der Flüchtlingsbewegung. In rund 15 Jahren wäre hier ein um 1,4 Prozent höheres Bruttoinlandsprodukt als ohne Flüchtlinge zu erwarten. Für die einzelnen Bürger käme es ab 2020 zu Wohlstandsgewinnen, welche ab 2030 rund ein Prozent betragen würden. Im negativsten Szenario gibt es keine Wohlstandsgewinne, aber auch keine Verluste. Und die Wirtschaft würde durch die Flüchtlingskrise nur um 0,4 Prozent wachsen. Das "Basisszenario" liegt naturgemäß zwischen den Extremen und geht von einem Wirtschaftswachstum von knapp 1 Prozent aus. Wobei der Wohlstand um 0,5 Prozent wachsen würde.

Zuerst einmal wird es teuer

Zuvor aber treten finanzielle Verluste ein, und zwar in jeder der drei durchgerechneten Varianten: Über fünf, zehn oder zwölf Jahre hinweg kosten die Flüchtlinge Staat und Gesellschaft mehr, als sie bringen. Weil sie arbeitslos sind, auf Unterstützungen angewiesen, Deutsch lernen müssen und so weiter. Um 2016 könnten hier Kosten in Höhe von 1,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts anfallen - das wären in Österreich um die 4,6 Mrd. Euro, in Deutschland über 42 Milliarden. Wobei Wifo-Experte Scheiblecker für Österreich annimmt, dass die "Break-Even-Punkte" jeweils ein Jahr früher anzusetzen seien. Das sind jene Zeitpunkte, ab denen die Vorteile der Asyl-Zuwanderung die Nachteile überwiegen. Das bedeutet,dass Österreich schon ab 2017 volkswirtschaftliche Gewinne lukrieren könnte. "Das liegt daran, dass bei uns pro Kopf etwas weniger Aslysuchende als in Deutschland zu erwarten sind, und die Kosten in Österreich deshalb etwas geringer ausfallen."

Wenig Ausbildung, niedrige Produktivität

Die Wirtschaftsforscher gehen dabei keineswegs von naiven Annahmen aus. So floss in die Rechenmodelle ein, dass die Flüchtlinge zunächst größtenteils arbeitslos sein würden - in den ersten Jahren im mittleren Szenario 60 Prozent von ihnen. Auch nach zehn Jahren wird mit einer bei weitem überdurchschnittlichen Arbeitslosigkeit gerechnet. Weil auch viele der Zuwanderer aus dem arabischen Raum eher schlecht ausgebildet sein dürften, wird eine reduzierte Produktivitätsrate dieser Menschen einkalkuliert. Diese wird noch deutlich niedriger angenommen als bei einheimischen "Geringqualifizierten".

Einzuberechnen sind auch die Kosten für Sozialleistungen, welche laut Wifo in Österreich und Deutschland als vergleichbar hoch anzusetzen seien. Ebenso, wie negative Effekte durch "geduldete Migranten", die längerfristig nicht arbeiten dürfen, aber nicht abgeschoben werden können.

Konjunkturimpulse sehen die deutschen Wirtschaftsforscher etwa im Wohnungsbau für die Neuankömmlinge. Ebenso in der Nachfrage nach Gütern, die von diesen ausgehe. Und der allgemeinen Wirtschaftsstimulation durch neue Arbeitskräfte. Am Ende, schreiben die Studienautoren, "erhöht sich selbst im pessimistischen Szenario langfristig das Pro-Kopf-Einkommen der bereits in Deutschland lebenden Menschen nach etwas mehr als zehn Jahren". Und dies selbst, wenn es gelänge, "nur einen Teil der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren". Oder, wie es der Wifo-Forscher Scheiblecker ausdrückt: "Die Chancen sind sehr hoch, dass diese Flüchtlinge in Österreich sich selbst und andere ernähren können."

Quelle