Als Deutscher geboren

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Titelfoto Buch Als Deutscher geboren

Buchtipp Als Deutscher geboren

Autor: Wolf von Schilgen
Verlag: Continent Verlag, Großgmain
Erscheinungsjahr: 1. Auflage 2006, 2. Auflage 2007
ISBN 3-901375-50-3

Rezension 1

Der erste Satz seiner Autobiografie: „Eine außergewöhnliche Biografie“, das sie in der Tat ist!

1917 in Münster, Westfalen, geboren, in den 1920er Jahren nach Deutschlandsberg in die Steiermark gezogen und lebt nun seit vielen Jahren in Großgmain bei Salzburg. Von Schilgen beginnt in seiner Autobiografie aber noch ein gutes Stück vor seiner Zeit, 1757 mit einer Hofrätin von Schilgen. Und schon nach wenigen Seiten bemerke ich einen Umstand, der sich durch das ganze Buch zieht: Von Schilgen versteht es ausgezeichnet, die Zeitgeschichte in nicht allzu vielen, aber doch klaren Worten zu schildern. Er ist der erste Autor, der mir als nach dem Zweiten Weltkrieg zur Welt Gekommenen die Abläufe, die Voraussetzungen und die Entstehung des Nationalsozialismus sowie die damalige europäische Entwicklung einfach und verständlich beschreibt. Dazu kommt die Art von Schilgen, nur Tatsachen zu berichten und sich mit subjektiven Beschreibungen über politische und wirtschaftliche Abläufe sehr zurückhält. Er setzt sich aber von Anfang an kritisch mit dem Nationalsozialismus auseinander. „Was hätte ich selbst dagegen tun können?“ fragt er anfangs.

Durch das zeitlich weite Ausholen fließt viel Interessantes über das gesellschaftliche Leben ab dem ausgehenden 18. Jahrhundert in seine eigenen biografischen Erzählungen ein. Das Leben seines Vaters, einem Offizier, der noch als über 60-Jähriger in den Zweiten Weltkrieg zieht, bestimmte anfangs wohl auch das Leben von Wolf von Schilgen. Er selbst darf sich als Glückskind Lebens bezeichnen, da er mehrmals dem frühen Tod entkam. Stationen seiner Erzählungen: Seine Prügelei mit einem Internatskollegen, der ihn verhöhnte, von leichtsinnigen Entscheidungen seines Vaters, mit seiner ersten Frau die letzte Zeit des Kriegs in der nahen Umgebung von Berlin miterlebt, manchmal sehr jugendlich-leichtsinnig im Militärdienst gewesen, doch immer wieder konnte der Vater helfen; aber seine Familie stand nicht auf der Seite der Nationalsozialisten. Der Mut seines Vaters als Offizier, eine Erschießung von Juden durch die SS zu verhindern, kostete ihn indirekt sein Leben; ein Verwandter seiner jetzigen Frau, Roland von Hoesslin, Major und Kommandeur, ein enger Vertrauter von Oberst Graf Stauffenberg, wird nach dem fehlgeschlagenen Attentat auf Hitler im Oktober 1944, nur wenige Monate vor Kriegsende, hingerichtet.

Obwohl seinen ersten 30 Lebensjahren der mittlerweilen über 90 der überwiegende Teil seiner Autobiografie gewidmet ist, wurde mir beim Lesen nie langweilig. Im Buch gibt es zahlreiche Bilder, die von Schilgen zeigen, u.a. als Testflieger, Korrespondenzen und Aufzeichnungen, zeitgenössische Zeitungsausschnitte und Karikaturen. Im letzten, einem 30-seitigen Kapitel, stellt sich von Schilgen Fragen zu seiner Einstellung, seinen Anschauungen und anderen Themen. Alle zeichnen ein interessantes zeitgeschichtliches Bild von Europa – und von Wolf von Schilgen.

Rezension 2

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