Wolf von Schilgen

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Wolf von Schilgen 2012
Wolf-Egon Friedrich Baron von Schilgen-Arnsberg
Wolf-Egon Friedrich Baron von Schilgen-Arnsberg
Wolf-Egon Friedrich Baron von Schilgen-Arnsberg

Wolf-Egon Friedrich Baron von Schilgen-Arnsberg (* 28. September 1917 in Münster, Westfalen, Deutschland; † 18. Mai 2015 in Großgmain) war Schriftsteller und Maler.

Leben

Wolf von Schilgen, Zeitzeuge der Jahrhunderte

Erzogen im Sinne des 19. Jahrhunderts, das 20. Jahrhundert in all seinen Höhen und Schrecken erlebt, im 21. Jahrhundert angekommen und verstorben – der Salzburger Autor Wolf von Schilgen konnte wahrlich als Zeitzeuge bezeichnet werden.

Von Westfalen in die Südsteiermark

Geboren wurde er im letzten Jahr des Ersten Weltkrieges, 1917, in Münster in Westfalen. Der Vater, Aristokrat und Offizier mit Leib und Seele, erzog und unterrichtete den Knaben streng. „Ehre, Würde, Freiheit, Recht und Gerechtigkeit“ – ein Prinzip, dem Schilgen sein Leben lang folgen wird. Die musische Mutter unterrichtete den Knaben in Musik, Literatur und Malerei. Vor den Unruhen des sich im Umbruch befindlichen und wirtschaftlich daniederliegenden Deutschlands, zog die Familie 1923 auf ihren Sommersitz in der Steiermark nach Deutschlandsberg. Nach Schulabschluss studierte der junge Schilgen in Graz Germanistik – er schrieb bereits für einige Zeitungen - bevor er als Deutscher zum Reicharbeitsdienst in Deutschland eingezogen wurde.

Noch vor dem Zweiten Weltkrieg entschied er sich Pilot zu werden, die sportlichen Stukaflugzeuge (Sturzkampfbomber) hatten es ihm angetan. Als erfolgreicher Kunstflieger erhielt er das Goldene Pilotenabzeichen des Königreiches Italien. Im Krieg wurde er als Test- und Einflieger eingesetzt und führte Aufklärungs- und Überstellungsflüge durch. 1942 wurde er nach Berlin versetzt, unterrichtete Offiziere, gründete Radiosendungen und leitete eine Wehrmachtsbühne. Das Drehbuch „Die Station”, das mit Heinz Rühmann verfilmt wurde, schrieb von Schilgen in Berlin. Die zu Anfang des Krieges geschlossene typische Kriegsehe erwies sich über viele Jahrzehnte als glückliche Verbindung aus der drei Töchter entsprangen. Den Nationalsozialisten anfangs mit Hoffnung begegnet, wurde Schilgen – auch durch den Prozess gegen seinen Vater, welcher Juden rettete – bald zum inneren Gegner und im letzten Kriegsjahr in ein Todesbataillon versetzt.

Ein neues Leben, eine neue Liebe

Nach Kriegsende wurde er, der nationalsozialistisch unbelastet war, von der russische Besatzungsmacht zum Chefredakteur der „Weststeirischen Rundschau“ eingesetzt. Aus dieser Zeit stammt das kuriose Dokument, welches Schilgen als „Schriftführer der Kommunistischen Partei“ ausweist und es ihm damals ermöglichte, sich außerhalb der Sperrzone zu bewegen. Bald danach wurde er Gewerkschaftsmitglied im steiermärkischen Schriftsteller- und Journalistenverband. Er gründete einige Zeitungen, den „Staatspolitischen Informationsdienst“ und einen Verlag. Das Wirtschaftswunder brachte auch ihm Erfolg und finanzielle Sicherheit. Später wurde er Vizepräsident der Liga der Vereinten Nationen, Chef des Mundus-Weltpressedienstes und Chef des STAD („Staatspolitischer Informationsdienst”- Völkerrechtliche Kommentare zum Zeitgeschehen für die internationalen Staatskanzleien), sowie Herausgeber beziehungsweise Chefredakteur verschiedener Zeitungen und Zeitschriften. Auch für die Salzburger Nachrichten war er von 1985 bis 1993 als Kolumnist tätig.

Eine weitere Ausbildung war das Studium Schauspiel und Regie unter Burgschauspieler Hans Obonja. Dies führte zu vielen Auftritte, Lesungen wie etwa in Finnland, Großbritannien, Belgien, Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien und Griechenland.

In den 1970er Jahren heiratete er die um 31 Jahre jüngere Eva von Hoesslin, Tochter des bekannten österreichischen Bühnenbildners, und begann wieder zu schreiben, diesmal aus dem Leben gegriffene Satiren. Mehr als elf Bücher sind davon erschienen. Viel beachtet und gelobt ist auch seine Biographie „Als Deutscher geboren – ein Jahrhundert der verlorenen Unschuld“.

Wolf von Schilgen lebte seit 1923 in Österreich, wurde 1946 österreichischer Staatsbürger und wohnte in Großgmain, sowie in London, Großbritannien.

Wolf von Schilgen verstarb am frühen Morgen des 16. Mai 2015 an seinem Wohnort in Großgmain im 98sten Lebensjahr.

Weitere Funktionen waren

  • Vorstandsmitglied der „Schule der Weisheit”, Archiv Innsbruck des Philosophen Graf Hermann Kayserling
  • Seit 2006 Mentor des Programms „doctrina vitae” an der Paracelsus Medizinische Privatuniversität in Salzburg
  • Advisory Board, Curator der “Academia Scientiarum et Artium Europaea“, der “Europäische Academie der Wissenschaft und Kunst”

Wolf von Schilgen publizierte zahlreiche Bücher und mehr als 1 000 Beiträge in verschiedenen Print-Medien. Seine Arbeiten wurden in verschiedene deutsche und englische Lexika aufgenommen, u.a. im Lexikon der Literaten „Dictionary of International Biography” in Cambridge, England, „Salzburger Literaturhandbuch”, „Kürschners Deutscher Literaturkalender”, „Who is Who”, „Deutsches Schriftsteller-Lexikon”, “„Frankfurter Bibliothek” und „Westfälisches Autorenlexikon” „Frankfurter Edition”.

2012: 95. Geburtstag

Wolf-Egon Friedrich Baron von Schilgen-Arnsberg feierte am Freitag, den 28. September 2012 in der alten Saline von Bad Reichenhall seinen 95. Geburtstag. Zu den Gratulanten zählten u.a. Landeshauptfrau Mag.a Gabi Burgstaller, Landeshauptmann Stv. Dr. Wilfried Haslauer, Bürgermeister der Stadt Salzburg Dr. Heinz Schaden, Hofrat Marko Feingold, Mag. Harald Kratzer mit Gattin Dr. Christine Bitschnau sowie die Rektoren Prof. Dr. Herbert Resch und Prof. Dr. Felix Unger. Junge Künstler wie Mark Wolf, Bea de la Vega, Fernando Araujo, Elena Kononenko oder die Band Rowsekit gaben der Feier den künstlerisch-festlichen Rahmen.

Der Künstler Wolf von Schilgen

Seit etwa 1995 malte Wolf von Schilgen Compaints, computerunterstützte Malereien. Im März 2011 stellte Wolf von Schilgen bereits zum zweiten Mal einzigartigen Computermalereien in sein Großmainer Haus zusammen mit Holzkunstwerken von Roman Rohrmoser aus.

Der nur wenige Kilometer von Großgmain im bayerischen Bayerisch-Gmain lebende gebürtige Pongauer Künstler Stefan Rohrmoser stellte phantasievolle Darstellungen von Enten unter dem Motto „Ente gut, alles gut“ aus. Sie bildeten das Zentrum der Ausstellung, die von Compaints unter dem Titel „Mit der Zeit Malen“ von Wolf von Schilgen umrahmt waren.

Grund für die künstlerische Kooperation mag sein, dass sowohl bei dem Schriftsteller als auch bei dem Schnitzer der Hang zur Satire unübersehbar ist. So werden bei den aus Lindenholz gearbeiteten und mit Acrylfarben bemalten Skulpturen Rohrmosers Hörner zu Antennen, Entenbeine zu Geweihen, eine Fischerin herzt einen Fisch und eine mittelalterliche Schönheit gesellt sich zu einer Gämse, die eine nackte Frau trägt. Für Rohrmoser sei das Schauen, das Anschauen, das Staunen sehr wichtig. Er möchte mit seinen Werken den Blick öffnen in die Welt der Fantasie.

Schilgens „Seemannsträume - eine Badende“ oder die Kinderwagen schiebende „Sexy Mama“ sowie die Farbenfrohheit aller seiner Bilder - darunter auch Salzburg-Ansichten - beweisen, dass man auch mit 94 Jahren von jugendlichem künstlerischen Elan sein kann.In Kürze werden die Compaints von Wolf von Schilgen in einer Galerie in Wien und Schärding ausgestellt werden.

Der Humorist und Satiriker Wolf von Schilgen

Auf eine Einladung zur Mitgestaltung einer Adventveranstaltung 2002 im Stift Spital am Phyrn im Traunviertel, ., meinte von Schilgen „Ich bin aber ein schlechter Katholik – ich denke – aber ich bin Gottgläubig“, worauf ihm die geistlichen Würdeträger antworteten, dass „… Gottgläubigkeit das Wichtigste sei“ und seiner Mitwirkung nichts im Wege stünde. Und nur wenige Minuten später erzählte er schmunzelnd, er hätte vor einiger Zeit von neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen der Herkunft des Menschen gelesen. Dieser stammte von einer Untergruppe der Primaten ab, von den Trockennasenaffen, und fügte hinzu „Stellen Sie sich also vor, ich, Wolf-Egon Friedrich Baron von Schilgen-Arnsberg, stamme von einem Trockennasenaffen ab! Herrlich!

25. Lesung im WIFI

Ein journalistischer Beitrag von Peter Krackowizer über die 25. Lesung Wolf von Schilgen am 20. November 2010 im WIFI Salzburg.

Mit den Worten „Mein Mann ist nach einer Rückenoperation wieder voll da, und wie er da ist!” begrüßte Eva–Maria Baronin von Schilgen-Arnsberg die mehr als 300 Gäste der 25. Lesung ihres Mannes, Wolf von Schilgen, im WIFI im Rahmen der Buchwoche. Wolf von Schilgen las aus seinem neuen Buch „Liebe, Triebe und Gefühle", sowie aus bereits von ihm publizierten Büchern. Dass er trotz seines hohen Alters von 93 Jahren noch sein Publikum begeistern konnte, bewies er neuerlich an diesem Abend.

Von Schilgen feierte an diesem Abend mehrere Jubiläen: zum einen war es das 25. Mal, dass er im Rahmen der Salzburger Buchwoche zu einer Lesung einlud, zum anderen, dass er in Kommerzialrat Heinz Stierle vom gleichnamigen Buchhandel in der Salzburger Kaigasse einen treuen Wegbegleiter seiner Bücher seit ebenfalls 25 Jahren hat. Das erste Mal, 1985, war noch Josef Meinrad dabei gewesen, als von Schilgen aus seinem Buch „Mir fällt kein Titel ein” las. Landeshauptmann-Stellvertreter David Brenner zollte dem lachenden Satiriker[1] Hochachtung dafür, dass dieser aus 24 kleinen Buchstaben großartige Sätze schafft.

Seine Agilität bewies der Baron bereits vor Beginn der Lesung, als er über die Köpfe der Journalisten einen Stuhl schwang. Während der launig-heiteren Lesung zog er dann unvermutet eine Kappe hervor, als er aus seiner Satire „Oberaffengeil"[2] las und setzte sich diese jugendlich-schwungvoll auf. Seine tiefsinnige Verwechslungsgeschichte von der besorgten Ehefrau, die unwissend, was Dr. med. vet. bedeutet, Rat bei einem Veterinärarzt für die gesundheitlichen Probleme ihres Mannes einholt, sorgte für Lachsalven im bis auf den letzten Platz gefüllten Plenarsaal im WIFI. Sein philosophisches Streitgespräch mit seiner von ihm verehrten und geliebten Frau Eva über die richtige "Aufrollung" einer Zahnpastatube, die gut gemeinten Ratschläge, die man beachten sollte, wenn man zu einem Abendessen eingeladen wird, oder jene Geschichte, die von einem brillanten Festredner handelt, der allerdings die beiden Reden vertauscht, die er bei einer Firmenfeier von zwei schwulen, sich liebenden Firmeninhabern und jener, die er vor einer Hochzeitsgesellschaft am Polterabend halten hätte sollen, ließen die zwei Stunden wie im Flug vergehen. Im Anschluss an seine Lesung signierte Wolf von Schilgen noch gerne seine Bücher.

Unter den Gästen konnten Baronin und Baron unter anderem Dr. Othmar Raus und Hofrat Marko Feingold begrüßen.

Literatur

  • Man(n) glaub es nicht, ISBN3-901375-09-0
  • Nicht ohne (m)eine Frau ISBN 3-901375-08-2
  • Man(n) hat's nicht leicht ISBN 3-901375-07-4
  • Mit heiterer Gelassenheit ISBN 3-901375-06-6
  • Was kostet die Venus ISBN 3-901375-05-8
  • Die Bekenntnisse eines gestressten Ehemannes ISBN 3-901375-04-X
  • Sie sind willkommen, Sir! ISBN 3-901375-03-1
  • Der Bei-Strich ISBN 3-901375-02-3
  • Mir fällt kein Titel ein ISBN 3-901375-01-5
  • Als Deutscher geboren ISBN 3-901375-50-3

alle erschienen im Continent Verlag

Auszeichnungen

  • Goldenes Verdienstzeichen des Landes Salzburg, September 2002
  • Stadtsiegel der Landeshauptstadt Salzburg, September 2002
  • „Stadtsiegel in Gold der Landeshauptstadt Salzburg”, September 2007
  • „Golden Pin League of United Nation”
  • „Golden Award des Königreichs Italien”
  • „Member of the Athenaeum” für Kunst und Wissenschaft, London, Pall Mall
  • “Salzburg Engerl” der Stadt Salzburg
  • „Ehrenurkunde der Internationalen Robert Stolz Gesellschaft”
  • „Ortswappen von Großgmain”
  • „Internationaler Computer-Kunstpreis”
  • „Freundschaftsbecher des Landes Salzburg”
  • „Ehrenzeichen "Pro Fidelia" für Verdienste anlässlich des Ungarischen Freiheitskampfes von 1956
  • „Plakette” des Jagdgeschwaders 73 „Steinhoff” der Deutschen Bundeswehr

Quellen

Einzelnachweise

  1. ein Beinamen, den Wolf von Schilgen von der internationalen Fachpresse erhalten hatte
  2. Sprachunterschiede zwischen einem Onkel und seinem "hippen" Neffen