Anneliese Baal

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Anneliese Baal

Anneliese Baal (* 1959) ist Kindergartenpädagogin und seit 1973 als Nikolaus unterwegs.

Vorgestellt

Dezember 1973. In der Stube eines Bauernhofs auf dem Gaisberg steht der Nikolaus. In seinem roten Mantel und mit der Bischofsmütze auf dem Kopf schaut er auf zwei Mädchen herab, die wiederum ehrfurchtsvoll zu ihm hinaufblicken. Was die beiden nicht wissen: In dem Kostüm steckt die 14-jährige Anneliese Baal. "Hallo, Kinder, ich bin der Nikolaus", sagt sie mit tiefer Stimme. Dann verteilt sie Jutesäcke mit Nüssen und Keksen und bringt die Kinder damit zum Strahlen.

35 Jahre später, im Dezember 2008: Die inzwischen 49-jährige Faistenauerin besucht eine Familie in ihrem Heimatort. Sie erschrickt, als sie die vielen Geschenke sieht, die sich vor der Haustür stapeln. Es kostet sie Überwindung, sie auch zu überreichen.

Dass es anstelle von Kleinigkeiten heute immer öfter Geschenke in Hülle und Fülle gibt, ärgert Anneliese Baal. Trotzdem wird sie so wie gut 1000 andere Nikolause im ganzen Land an diesem Wochenende von Haus zu Haus ziehen, um Kindern kleine Gaben zu bringen. Ihre 36 Nikolausjahre hochgerechnet, hat sie bereits mehr als tausend Familien einen Besuch abgestattet. Die Jahre haben Spuren hinterlassen. Etwa auf ihrem Kostüm. Dort sieht man die Strapazen von kalten Winterabenden und zu viel Schnee. Die Kanten ihrer Bischofsmütze sind abgewetzt, das goldene Band löst sich an den Ecken. "Bald brauche ich auch ein neues Unterkleid. Das von meiner Oma löst sich langsam überall auf", erzählt sie.

Kein Wunder, wird es doch seit drei Generationen getragen. So lang pflegen die weiblichen Mitglieder der Familie den Brauch. Der besagt bei den Baals auch, dass der Krampus daheim bleibt. Baal: "Die Kinder haben vorm Nikolaus genug Respekt." Darum braucht sie auch heute und morgen nicht mit erhobenem Zeigefinger vor den Kindern zu stehen und ihnen die Leviten zu lesen. Stattdessen versucht es die Kindergartenpädagogin listig im Dialog. "Ich frage die Kinder, was sie selbst glauben, wo sie sich verbessern können."

Rund zwanzig Minuten nimmt sie sich pro Familie Zeit – oft bis zu fünfzehn an einem Tag. Dazwischen steigt Anneliese Baal in ihren silberfarbenen Kombi und schaut ganz genau auf ihre Liste, welchen Kindern sie als Nächstes einen Besuch abstatten wird. Denn vor der falschen Tür will sie nicht mehr landen. So wie vor ein paar Jahren, als sie überschwänglich die "falsche" Familie beehrte, ehe alle in herzliches Gelächter ausbrachen.

Quelle