Benutzer:Archiv/Einsturz des Daches der Eislaufhalle Bad Reichenhall

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Am 2. Jänner 2006 ist kurz vor 16 Uhr das Dach der Eislaufhalle in Bad Reichenhall eingestürzt. Zudem hat wenige Stunden zuvor ein Lawinenabgang in der Nähe von Bad Reichenhall drei jungen Erwachsenen das Leben gekostet.

Die Katastrophe

15 Tote, davon 12 Kinder und Jugendliche und drei erwachsene Frauen sowie 34 zum Teil schwer verletzte Menschen sind die schreckliche Bilanz des Einsturzes des Daches der Eislaufhalle in Bad Reichenhall. Aufgrund des Ausmaßes des Unglücks wurde um 16.37 h der Katastrophenfall durch den Leiter der Katastrophenschutzbehörde Landratsamt Berchtesgadener Land, Georg Grabner, festgestellt. Bis zu 700 Rettungs- und Hilfskräfte waren in der Folge gleichzeitig im Einsatz.

Wegen der ständigen Einsturzgefahr instabiler Bauteile gestalteten sich die Bergungsarbeiten während der gesamten Dauer des Einsatzes äußerst schwierig. Die Rettungskräfte arbeiteten bis zur Erschöpfung und teilweise unter Einsatz ihres Lebens. Im Verlaufe der Rettungs- und Bergungsarbeiten kamen auch schwere Kräne und Bagger zum Einsatz.

Noch in derselben Nacht um ca. 22:45 h konnte zuletzt ein fünfjähriges Mädchen lebend und leicht verletzt aus den Trümmern geborgen werden.

Am Dienstag, 3. Jänner gegen 12:30 Uhr mussten die Bergungsarbeiten wegen akuter Einsturzgefahr schwerer Bauteile eingestellt werden. Die Nordwest-Seite der Halle neigte sich nach außen. Eine Spezialfirma zum Abbau schwerer Bauteile wurde angefordert und nahm gegen 20:30 Uhr an der Unglücksstelle die Arbeit auf.

Die letzte vermisste Person, eine 40jährige Frau, wurde am 5. Jänner gegen 02:00 Uhr früh tot geborgen. Alle Todesopfer hatten ihren Wohnsitz in den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein. Die Arbeiten an der Unglücksstelle wurden bis zum Abend des 5. Jänner fortgesetzt, bis endgültig auszuschließen war, dass sich keine weiteren Menschen, die der Polizei nicht als vermisst gemeldet wurden, unter den Trümmern befanden. Am 5. Jänner um 19.07 Uhr konnte der Katastrophenfall für beendet erklärt werden.

Trauergottesdienst

Am Dienstag, 10. Jänner 2006, fand um 18:00 Uhr unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und hochrangiger Trauergäste der offizielle Trauergottesdienst für die insgesamt 18 Todesopfer des 2. Jänner 2006 im Münster San Zeno in Bad Reichenhall statt.

Das Gerichtsverfahren

Das Verfahren wurde im November 2008 mit nur einem Schuldspruch, sonst nur Freisprüchen beendet. Schuldig wurde der heute 68-jährige Konstrukteur des Daches gesprochen, da er die tragenden Teile doppelt so lang ausgeführt hatte wie erlaubt und einen ungeeigneten Kleber für das Holz verwendet hatte. Obwohl ein Bauingenieur Jahre vor dem Einsturz auf Probleme beim Vordach der Eishalle hinsichtlich Standsicherheit in einem von der Stadtgemeinde Bad Reichenhall in Auftrag gegebenen Studie hingewiesen hatte, geschah weder am Gebäude etwas, noch wurden weder dieser Bauingenieur noch Bauabteilungsleiter der Stadt noch Stadtbaudirektorin in diesem Verfahren (mit)schuldig gesprochen. Dies bezeichnete Oberstaatsanwalt Günther Hammerdinger als Schuldabwälzungsstrategie bis zum Überdruss. Weitere sieben Behördenvertreter waren bis zum Beginn des Verfahrens bereits verstorben.

Im Oktober 2011 kam es zu einer Revision an der 6. Strafkammer am Landgericht Traunstein, da der Bundesgerichtshof das Urteil aus dem Jahr 2008 wegen Rechtsfehlern aufgehoben hatte. Die 6. Strafkammer sah jedoch keine hinreichenden Beweise dafür, dass der 58-Jährige Sachverständigen Mitschuld am Tod von 15 Menschen trägt und erneuerte den Freispruch. Die Staatsanwaltschaft hatte eine zweijährige Bewährungsstrafe gefordert, da der Gutachter zwar Mängel entdeckt, die Stadt jedoch nicht zu einer genauen Untersuchung des Dachs ermahnt hatte.

Das Gericht war aber in der Revision zur Auffassung gekommen, das es nicht nachweisbar sein, dass der Sachverständige auch den Auftrag erhalten hatte, auch die Dachkonstruktion genau zu untersucht. Hier stehe die Aussage des Angeklagten gegen die der Stadtangestellten. Aber die Einvernehmungen haben ergeben, dass der Ingenieur jedenfalls nicht ein Standfestigkeitsgutachten erstellen sollte. Für das Gericht war es darüber hinaus äußerst zweifelhaft, ob die Stadt [Bad Reichenhall] etwas unternommen hätte, selbst wenn der Gutachter eine vertiefte Untersuchung des Daches empfohlen hätte. Der Richter war zur Erkenntnis gekommen, dass bei der Stadt Reichenhall über Jahre Alarmsignale missachtet. Und er brachte in Erinnerung, dass bereits beim Bau der Eishalle Anfang der 1970er Jahre fehlerhafte statische Berechnungen gemacht wurden.

Quellen