Die singenden Steine von Monreale

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Titelbild Buch Die singenden Steine von Monreale

Buchtipp Die singenden Steine von Monreale, über die Geheimnisse des sizilianischen Kreuzgangs

Autor: Rainer Straub
Verlag:Verlag Anton Pustet
Erscheinungsjahr: 2012
ISBN 978-3-7025-0678-0

Inhaltsbeschreibung laut Verlag

Im sizilianischen Städtchen Monreale bei Palermo ist neben dem Dom ein prachtvoller Kreuzgang des ehemaligen Benediktinerklosters aus dem 13. Jahrhundert gut erhalten geblieben. Wie schon in seinem aufsehenerregenden Buch über den französischen Kreuzgang in Moissac hat Rainer Straub mit viel Akribie darin nach inhaltlichen Zusammenhängen gesucht, und tatsächlich: Auch dieser Kreuzgang wartet als Zentrum benediktinischer Lebensführung mit zahlreichen Überraschungen auf! Nach Jahren der Arbeit fand Straub verschiedene Programme, die von den 104 Kapitellen des Kreuzgangs ablesbar sind: die Jahreszeiten, die acht Seligkeiten, die Meditation des 119. Psalms, die Töne eines Chorals zum Fest der Verkündigung an Maria. Dem Buch liegt eine Audio-CD mit dem von der Grazer Choralschola gesungenen Choral bei. Großformatige Schwarz-Weiß-Fotografien offenbaren die Schönheit des Kreuzgangs bis ins Detail und erwecken die Aura der Romanik zum Leben. Zum Vergleich sind am Ende des Buches auch die wichtigsten Erkenntnisse aus Moissac zusammengefasst.

Rezension 1

Ein interessantes Fachbuch über die Geheimnisse romanischer Kreuzgänge

Soll ich wirklich ein Buch über „Steine“ lesen? Ich habe es nicht bereut, wenngleich ich gerne zugebe, dass ich beim ersten Mal Lesen einige Teile nur überflogen habe. Straub hat das Buch sehr schlau aufgebaut: in seiner Einleitung erklärt er seine Leidenschaft für Romanik und schreibt über die „versteckten“ Programme in Kreuzgängen jener Zeit. Im eigentlichen Buch unternimmt er eine Reise mit einem jungen Mann nach Monreale bei Palermo. Mit diesem führt er im Buch einen Dialog und genau diese gewählte Dialogform ist genial (vor allem für den Laien). Während der eine erklärt, stellt der andere Fragen und äußert Vermutungen, meist genau die, die dem Leser in den vorangegangenen Zeilen durch den Kopf gingen.

Zum Inhalt: Im ersten Kapitel gehen die beiden dem Fragenkomplex nach: Warum ist das Kloster genau in Monreale und wie der Kreuzgang entstanden? Welche Überlegungen könnte wer bei der Planung der Säulengänge gehabt haben? Dabei werden auch Zitate anderer Forscher eingeflochten. Weiter geht es mit der Fragenbeantwortung, was ist ein Kapitell und warum ist es in Monreale Sitz der Zeichen – welcher Zeichen? Nun folgt ein Kapitel, das mich persönlich sehr fasziniert: die Zahlensymbolik. Es ist unglaublich, was da Straub herausgefunden hat. Die Maße des Kreuzganges, die Anzahl der Säulen, die Verschlüsselung des Weihedatums der Anlage – hinter allem stecken eine Zahlenlogik oder antike Maßsysteme. Straub erläutert die Zusammenhänge zwischen magischen Zahlen und den Psalmen. Er hat auch herausgefunden, dass im Kreuzgang die acht Seligpreisungen abgebildet sind.

Überhaupt, Straub fand ein einheitliches Programm heraus, das im Aufbau und in der Ausstattung der Säulen verschlüsselt ist. Straub ging bei seinen Überlegungen davon aus, dass in der Romanik wohl keine Gestaltung einer Figur an den Säulen dem Zufall überlassen war, dass der Abt sehr wohl seinen Mönchen bei ihren Gebets(rund)gängen Zeichen vor Augen führen wollte, die einen Sinn ergeben. Straub fand heraus, dass Säulenfiguren auch eine Meditation des 119. Psalms darstellen. Man muss sich das im Buch so vorstellen: z. B: Kapitell 58: Vers 103, 104 [es folgt der Vers im vollen Wortlaut] und Erklärungen von Straub zu diesem Vers. Daneben findet sich in einer eigenen Spalte, die über alle Seiten läuft, ein Hinweis, auf welcher Seite sich eine Abbildung dieses Kapitells im Buch befindet. Diese Schwarzweißbilder der Kapitelle faszinieren mich auch. Stellen Sie sich das 12. Jahrhundert vor und schauen Sie sich dann die teilweise fein gearbeiteten Figuren und deren Ausdrucksformen an! Durch die Erklärungen, was die jeweilige Abbildung zeigt, wird das Ganze noch lebendiger - Interesse an der Materie vorausgesetzt natürlich.

Ein Kapitel, das ich nicht ganz verstehe, zumindest nicht nach dem ersten Lesen, ist das Kapitel über die Kapitelle und ihre Tonsymbole. Jedes Kapitell hat ein Ton-Zeichen, alle zusammen ergeben einen Choral, der auch als CD dem Buch beiliegt. Straub beschreibt jeden Ton, Beispiel: 104. Kapitell: Ton „f“ – Der Lukaslöwe zeigt den Ton an. Aber ich habe (noch) nicht verstanden, wie der Löwe den Ton anzeigt.

Macht nichts, denn das Buch ist so voll von romanischen Geheimnissen und ihren Erklärungen, dass das Buch allemal lesenswert ist, Interesse vorausgesetzt. Denn Reiseführer ist es keines und auch kein Roman! Einziger Kritikpunkt meinerseits ist der Satz des Textes auf den Seiten. Relativ großer Zeilenabstand und der Satz bis einen Zentimeter an den Rand hinaus (oben, unten, links und rechts) lassen die Seiten irgendwie unübersichtlicher, unruhig wirken. Die Schriftart und –größe hingegen sind schon angenehm zu lesen.

Rezension 2

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