Verlag Anton Pustet

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MMag. Gerald Klonner, Verlagsleiter (links), und Clemens M. Hutter anlässlich dessen Buchpräsentation Verewigt in Salzburg am 27. Mai 2010 in der DomBuchhandlung
Buchvorstellung Das Straßentheater kommt in Stiegls Brauwelt: Freuten sich über das Interesse am Buch: v.l.n.r. Regisseur Klaus Gmeiner, Salzburger Straßentheater, Sandra Marchart, Buchautorin, MMag. Gerald Klonner, Geschäftsführer des Verlages Anton Pustet, MMMag. Elisabeth Fuchs, künstlerische Leitung, und Mag. Josefa Hüttenbrenner, kaufmännische Leitung (beide Salzburger Kulturvereinigung)

Der Verlag Anton Pustet ist ein unabhängiges Verlagshaus mit einem breit gefächerten Sachbuchprogramm, das über den Buchhandel vorwiegend in Österreich, Deutschland und der Schweiz vertrieben wird.

Geschichte

Seit Konrad Kürner, der (1592) das erste Buch in Salzburg druckte, existieren Aufzeichnungen dieses Verlags unter häufig wechselnden Namen und veränderten Standorten.

Die Kürnersche Offizin befand sich in einem Haus in der Altstadt von Salzburg am heutigen Kajetanerplatz, später in der Gstättengasse.

Ära Mayr

Unter der Leitung des Buchdruckers Johann Baptist Mayr gelangte das Unternehmen als Mayr'sche Buchdruckerei zu einer ersten Blüte. Fürsterzbischof Max Gandolf, Stifter der berühmten Bibliothek in der Neuen Residenz, verlieh Johann Baptist Mayr 1668 das Privileg eines Hof- und akademischen Buchdruckers. Dies war ein Zeichen für die Bedeutung des Buch- und Verlagswesens, das vor allem durch die Gründung der Benediktineruniversität in Salzburg einen bedeutenden Aufschwung genommen hatte. Mayr durfte als Erster in Salzburg eine Zeitung drucken.

Am 16. Juli 1669 wurde die Druckerei in der Gstättengasse durch einen schweren Bergsturz zerstört. Der Fürsterzbischof unterstützte Mayr beim Neubau am Gries. Mayr erbaute 1671/85 ein Gewölbe mit Haus im „Hofholzgarten“ (Griesgasse 25). 1682 erhielt die Druckerei von ihm auch noch eine Presse mit dem erzbischöflichen Wappen.

Nach Johann Baptist Mayrs Tod 1703 fiel die Druckerei an seinen Sohn und später dessen Frau. 1775 wurde die Enkelin Anna Viktoria Mayr vom Fürsterzbischof Hieronymus Graf Colloredo dazu gezwungen, die Buchdruckerei an das Waisenhaus zu verkaufen. Bewertet war die Buchdruckerei-Einrichtung mit 14 263 Gulden, 12 Kreuzer, die Gerechtsame mit 10 000 Gulden. Aufgrund eines Eklats, ausgelöst durch eine kirchenkritische Schrift, verfügte Fürsterzbischof Hieronymus Graf Colloredo den Verkauf weit unter dem Verkehrswert. Die Druckerei kam auf Umwegen an Franz Xaver Duyle.

Standorte

Die Druckerei wechselte im Laufe ihrer Bestandes immer wieder den Standort. Nach dem Bergsturz in der Gstättengasse übersiedelte sie auf den Waagplatz. Ende des 17. Jahrhunderts findet man sie in der Griesgasse (Bacher-Haus), dann im Ritzerbogen, 1789 wieder am Waagplatz und in den 1860ern in der Getreidegasse.

Ära Duyle
Logo des Verlags

Franz Xaver Duyle war nicht der geborene Geschäftsmann, und seine Witwe war gezwungen, die Druckerei zu verkaufen; allerdings schaffte sie es zumindest, den Sohn Franz Xaver Duyle junior 1811 als Geschäftsführer der Duyle'schen Buchdruckerei einzusetzen. Dieser widmete sich freilich mehr den schönen Dingen des Lebens als der Führung seines Betriebes. Er trat die Buchhandlung im Jahr 1843 an Christoph Gottfried Lindig ab, behielt aber die Druckpresse;[1] 1854 verkaufte er die Druckerei an Valentin Rehle und Franz X Schmid-Schwarzenberg.

Ära Pustet
Kaufvertrag zwischen der Duyle'schen Buchhandlung und Buchdruckerei und Anton Pustet am 26. Mai 1862

Die Ära Pustet begann 1862, als der aus Regensburg in Bayern stammende Anton Pustet die Duyle’sche Buchdruckerei und Verlag übernahm und das Unternehmen unter dem neuen Namen Verlag Anton Pustet wieder zu stattlicher Größe führte. Mit dem Kaufvertrag vom 26. Mai 1862 erwarb Pustet die Duyle'sche Hofdruckerei-Gerechtsame um 500 Gulden vom Inhaber der Duyle’sche Buchdruckerei und Verlag, Max Glonner[2].

Bis 1865 war noch Friedrich Keyl Pustets Teilhaber, er machte sich aber 1865 selbständig.

Anton Pustets Aufmerksamkeit galt zunächst in erster Linie dem Ausbau des bereits in Bayern gepflegten katholischen Gebet- und Betrachtungsbücherverlages, es kam aber auch erzählende Literatur hinzu.[3]

Pustets versierte Tochter, Ida Rademann, leitete nach seinem Tod einen besonders erfolgreichen Abschnitt in der Verlagsgeschichte ein. Mit der russischen Emigrantin Alja Rachmanowa hatte sie eine wahre Bestsellerautorin in ihrem Programm. Sie übersiedelte die Druckerei aus der Getreidegasse in die Sigmund-Haffner-Gasse 18.

Ära Styria

1922 wurde das Unternehmen vom Grazer Styria-Verlag erworben.[4]

Im Jahr 1930 übernahm Otto Müller die Leitung des Verlages und machte diesen binnen kürzester Zeit zu einem erstrangigen Kulturinstitut des deutschsprachigen Raumes. Die bekanntesten und erfolgreichsten Autoren des Verlages waren die schon erwähnte Alja Rachmanowa mit ihrer Tagebuchtrilogie und Egon Cäsar Conte Corti mit seinem Bestseller „Elisabeth. Die seltsame Frau“ (1934).[5]

Zwischen Otto Müller und dem Verlag kam es 1937 zu einem Streit, als dessen Folge der Otto Müller Verlag entstand.[6]

Unter den Nationalsozialisten wurde die Pustet-Druckerei dem NS-Gauverlag eingegliedert. Nach dem Krieg als so genanntes Deutsches Eigentum kommissarisch verwaltet, gelangte das Unternehmen in der Folge wieder an die Styria.

Wegen des Nachholbedarfs an guten Büchern, der nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft bestand, erfuhr in der Nachkriegszeit auch der Verlag Anton Pustet einen beachtlichen Aufschwung.[7] Die Verlagsgruppe Styria konzentrierte sich aber nun auf ihr Stammhaus in Graz und verkaufte Druckerei und Verlag Anton Pustet mit 31. Dezember 1963 an den Salzburger Pressverein.[8]

Ära Salzburger Pressverein

Im Jänner 2002 stellte die Druckerei Anton Pustet ihren Betrieb ein und ging in der Salzburger Druckerei auf.

Heute befindet sich im altehrwürdigen „Pustet-Haus“ mit seinem für die Salzburger Altstadt typischen Innenhof unter anderem ein innovatives universitäres Forschungsinstitut. Das Haus wurde im Jahr 2004 beispielhaft renoviert.

Auch in Tittmoning war der Verlag mit einem Verkaufslokal vertreten.[9]

Zeitungen

Folgende Salzburger Tageszeitungen wurden zumindest zeitweise im Verlag Anton Pustet oder seinen Vorgängerfirmen hergestellt:

Firmenstruktur

Der Verlag Anton Pustet steht im Eigentum des Salzburger Pressvereins, dem auch die Salzburger Druckerei und der Verlag der Salzburger Druckerei, ein Schulbuchverlag, angehören. Der Geschäftsführer der Pressvereinsbetriebe ist MMag. Gerald Klonner.

Förderung

Der Verlag Anton Pustet wird im Rahmen der Kunstförderung des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur unterstützt.

Bücherauswahl

Buchtitelbilder

 Verlag Anton Pustet – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki

Quellen

Einzelnachweise

  1. Siehe den Artikel Buchhandlung Höllrigl. So ist es zu erklären, dass sowohl der Verlag Anton Pustet als auch die Buchhandlung Höllrigl die Ahnenreihe von Konrad Kürner bis Franz Xaver Duyle in ihrem Stammbaum und ihrer Ursprungsgeschichte anführen.
  2. es liegt keine Verwandtschaft zwischen diesem Glonner und dem derzeitigen Geschäftsführer Gerald Klonner vor, Quelle: MMag. Gerald Klonner
  3. Murray G. Hall: Österreichische Verlagsgeschichte 1918–1938. Böhlau Verlag, Wien/Köln/Graz 1985. Abschnitt „Verlag Anton Pustet (Salzburg)“, unter Verweis auf: Festnummer der österreichisch-ungarischen Buchhändler-Correspondenz, Wien 1910, II. Teil, S. 54; Alpenländische Monatshefte (Graz), 12. Jg., Heft 3, Dezember 1934, S. 82-83; Verlagsanzeigen; Berichte und Informationen (Salzburg), 2. Jg., Nr. 49, 4.4.1947, S. 16.
  4. Matthias Opis: Eine unbekannte Größe. Die Unternehmensgeschichte der Styria Medien AG. Bericht über ein laufendes Projekt. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Buchforschung in Österreich 2006-2, S. 84 ff (93).
  5. Opis aaO 94.
  6. Opis aaO 112.
  7. Opis aaO 97.
  8. Opis aaO 99.
  9. siehe Bildlink Das Verlagshaus in Tittmoning