Einsatzzentrale Basisraum

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Blick in das Tunnelsystem.
Radarleitoffiziere des Bundesheeres beobachten im Regierungsbunker den Luftraum.

Die Einsatzzentrale Basisraum (EZ/B) ist das Herzstück der Luftraumüberwachung des österreichischen Bundesheeres.

Einleitung

Das Heukareck in St. Johann im Pongau sieht aus wie ein normaler Berg. Doch dieser Berg hat es im wahrsten Sinne des Wortes in sich. Lange Zeit galt sie als eines der bestgehüteten Geheimnisse der Alpenrepublik: Die ab den späten 1970er-Jahren errichtete „Einsatzzentrale Basisraum“ ist ein „Kind des Kalten Kriegs“. Im Volksmund wird sie "Regierungsbunker" und im heeresinternen Jargon einfach "Berg" genannt. Sie sollte der österreichischen Bundesregierung im Falle eines vom Osten befürchteten Angriffs Schutz tief im Pongauer Fels bieten. 300 Meter unter der Erdoberfläche befindet sich nach wie vor eine kleine Stadt auf fünf Etagen, „Regierungsbunker St. Johann“ genannt, und bietet bis zu 250 Menschen einen Arbeitsplatz (Datenstand Februar 2019). Im Kriegsfall könnten hier 500 Entscheidungsträger aus Regierung und Verwaltung Zuflucht finden. In Stockbetten.

50 Millionen mal Verlorenes und Gesuchtes

Die Gefahr aus dem Osten ist dem Zusammenwachsen in ganz Europa gewichen. Doch die Zeiten ohne Grenzkontrollen erfordern mehr Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen. Herzstück im dafür entwickelten Schengen-Informationssystem (SIS) sind Datensätze, Millionen von Datensätzen. Was 1995 mit 2,9 Millionen begann, wuchs inzwischen auf rund 77 Millionen Einträge zu Personen und Dingen an. Den Löwenanteil machen gestohlene Ausweisdokumente, Kraftfahrzeuge, Banknoten, Boote, Container oder Schusswaffen aus, etwas mehr als ein Prozent der Einträge betreffen Personen, die vermisst oder zur Fahndung ausgeschrieben sind.

Auch Fingerabdrücke gespeichert

Vergleichsweise wenig, aber sehr gefragt, lösen sie doch mehr als ein Drittel aller Treffer aus. Zugriff haben Justizbehörden, das europäische Polizeiamt Europol und institutionelle Sicherheitsdienste über die nationalen polizeilichen und sicherheitsdienstlichen IT-Systeme, die mit der zentralen Datenbank ständig verbunden sind. Seit 2018 sind auch Fingerabdrücke gespeichert, was Fahndungsanfragen deutlich erleichtert.

Luftraumüberwachung

Für Normalsterbliche ist die EZ/B, wie sie abgekürzt heißt, tabu. Jene, für die sich nach strengen Sicherheitskontrollen doch die dicken Panzertüren öffnen, stehen zunächst vor einem kilometerlangen Tunnel, der ins Berginnere führt. Die Soldaten sind mit Fahrrädern unterwegs. Drinnen im "Berg" öffnet sich ein weitverzweigtes, vierstöckiges Tunnelsystem. Eine Einsatzzentrale, die im Notfall völlig autark ist. Sogar eine eigene Feuerwehr gibt es hier.

Herzstück des Bunkers ist eine matt erleuchtete, etwa turnsaalgroße Halle – die Luftraumüberwachungszentrale: 18 knallgelbe Computerarbeitsplätze, jeder mit einem runden Radarschirm und mehreren Telefonen, eines davon rot. Auf den Schirmen verfolgen Offiziere jede Flugbewegung in Österreich. Und das sind Millionen im Jahr.

Die Daten liefert das Radarsystem "Goldhaube" mit den drei großen Radarstationen des Bundesheers: Kolomansberg (Salzburg), Steinmandl (Niederösterreich) und Speikboden/Koralpe (Kärnten). Verwendet wird Primärradar, das Flugbewegungen aufgrund elektromagnetischer Impulse registriert. Die zivilen Behörden verwenden das billigere Sekundärradar, das Flugzeuge nur dann registrieren kann, wenn diese über einen Transponder Signale aussenden. Wird der Transponder ausgeschaltet (wie es die Attentäter am 11. September 2001 in den USA taten), ist das Flugzeug für das zivile Radar unsichtbar. Nur das militärische Primärradar sieht es noch.

Im Bunker von St. Johann werden die Daten der "Goldhaube" mit der Liste der genehmigten Flüge über Österreich verglichen. So filtert das Bundesheer nicht genehmigte Flugbewegungen heraus.

In diesem Fall werden die Eurofighter alarmiert, die binnen Minuten in der Luft sind, um das unbekannte Flugzeug zu identifizieren, zur Landung zu zwingen oder notfalls auch abzuschießen. Das müsste allerdings der Minister persönlich anordnen.

Rund 70 solcher "Priorität-Alpha-Einsätze" fliegen die Eurofighter pro Jahr. Dann dürfen sie auch mit Überschall unterwegs sein. Wenn die Eurofighter-Piloten wissen wollen, welches Wetter sie dabei erwartet, wenden sie sich ebenfalls an die EZ/B. Denn auch der Wetterdienst des Heers sitzt im Bunker von St. Johann.

Das Heukareck bildet somit das Zentrum eines hochtechnologischen Sicherheitsnetzes: Der Eurofighter ist einer der modernsten Kampfjets der Welt. Die Kommunikation zwischen Piloten und Einsatzzentrale erfolgt über Netzfunkstellen, von denen eine in 2600 Metern Höhe an einer Flanke des Dachsteins klebt. Und die Radarstationen blicken bis nach Polen, Frankreich und Bosnien, um Flugzeuge schon zu entdecken, lang bevor sie unsere Grenze erreichen.

Quellen