Kärnten

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Der heilige Rupert mit dem Salzfass flankiert den Hochaltar des Doms von Maria Saal in Kärnten
Das Marienkrönungsepitaph aus Adneter Marmor in Maria Saal wurde um 1510 von Fürsterzbischof Leonhard von Keutschach in Gedenken an seine Brüder gestiftet
Die Kreuzigungstafel von Innernöring bei Gmünd entstand zwischen 1460 und 1470 in der Werkstatt des Salzburger Malers Konrad Laib
Links der Großglockners, davor die Pasterze, beides befindet sich auf Kärntner Gebiet

Kärnten ist ein österreichisches Bundesland, das im Süden an das Bundesland Salzburg anschließt. Es ist durch die Großglockner Hochalpenstraße, die Tauernautobahn, die Katschberg Straße und die Tauernbahn verkehrstechnisch mit Salzburg verbunden.

Geschichte

Es gab zwei Handelswege von Salzburg in den Süden nach Venedig, dem wichtigsten Handelszentrum für Salzburg. Einer davon führte über den Radstädter Tauern und den Katschberg durch Kärnten ins Friaul nach Peuschelsdorf, dem heutigen Venzone.

Unter Fürsterzbischof Pilgrim II. von Puchheim (1365 - 1396) erlebte das Salzburger Erzbistum seine größte flächenmäßig Ausbreitung. In Kärnten gehörten zu Salzburg das Gebiet um Stall im oberen Mölltal bis Schloss Lengberg (Osttirol, nahe von Dölsach), das Lurnfeld nordwestlich von Spittal an der Drau, Gmünd, Maltatal und die Nockberge, das Gebiet südöstlich von Maria Saal, Taggenbrunn, das Gebiet östlich von Friesach und Althofen einschließlich beider Orte, Hüttenberg mit dem Hüttenberger Erzberg, Lichtenberg, Stein, St. Andrä im Lavanttal, Löschtental und Lavamünd;

Zur Salzburger Kirchenprovinz zählte seit 1072 die Diözese Gurk-Klagenfurt: es wurde als Salzburger Eigenbistum Gurk gegründet, 1786 dann eigenständige Diözese und der Bischofssitz von Gurk nach Klagenfurt verlegt. Unter den Bischöfen finden sich Salzburger Fürsterzbischöfe wie Matthäus Lang von Wellenburg, Andreas Rohracher oder Verwandte der Salzburger Fürsterzbischöfe wie Sebastian Bartholomäus von Lodron oder Hieronymus II. Graf von Colloredo (1762 - 1772). Das Bistum Lavant, von 1228 bis 1924, wurde als Salzburger Eigenbistum mit Sitz in St. Andrä im Lavanttal gegründet, 1786 als selbständiges Bistum der Salzburger Kirchenprovinz und seit 1859 Bischofssitz in Marburg (Maribor, Slowenien).

Und noch einmal spielte sich Wichtiges für die Geschichte Salzburgs auf Kärntner Boden ab. 1611, bereits auf Kärntner Boden, wurde Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau auf seiner Flucht von den bayerischen Truppen festgenommen. Herzog Maximilian I. von Bayern nahm es nicht so genau mit Landesgrenzen.

Von Gurker Machtspielen und Zwetschken mit Potenzial

Um es gleich vorweg festzuhalten: Kärnten gehörte nie zu Salzburg. Jedenfalls nicht ganz. Denn Streubesitz hatten die Erzbischöfe über Jahrhunderte im südlichen Nachbarland und bis 1859 spielten sie in kirchlichen Fragen eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Neben Städten wie Gmünd, über das Paris Graf Lodron die Herrschaft ausübte, oder Friesach, wo Salzburg Münzen prägte, waren es vor allem geistlich regierte Gebiete, deren Geschicke über Jahrhunderte von Salzburg aus bestimmt wurden.

Das Kärntner Gebiet war bereits zur Römerzeit erstmals christianisiert worden. Aus Pannonien verdrängte Slawen gelangten im 6. Jahrhundert bis in die südlichen Tauernregionen. Boruth, Chef dieser inzwischen als Karantanen bezeichneten Gruppe, bat den Bayernkönig um Hilfe, um sich der nachrückenden Awaren zu erwehren. Diese Hilfe kam auch – erst militärisch, dann klerikal. 760 sandte der Salzburger Bischof Virgil den heiligen Modestus nach Karantanien. Kärnten wurde damit ein zweites Mal missioniert – diesmal von Salzburg aus. Karl der Große legte die Drau als Grenze zwischen dem Erzbistum Salzburg und dem Patriarchat Aquileia fest. Modestus schlug seine Residenz in Maria Saal nördlich von Klagenfurt auf und ließ dort eine der ältesten Kirchen Kärntens errichten. Sie wurde wegen ihrer zentralen Bedeutung bei der Missionierung als Dom bezeichnet und später zur noch heute bestehenden spätgotischen Kirchenburg ausgebaut, unter anderem mit Adneter Marmor.

Gurk mit Steuerzentrale an der Salzach

Und Salzburgs Bestrebungen südlich des Alpenhauptkamms gingen weiter. 1072 wurde das Salzburger Eigenbistum Gurk gegründet. Die Personalentscheidungen wurden an der Salzach getroffen. Der Bischof von Gurk hatte gegenüber seinen anderen Salzburger Bistumskollegen das Vorrecht, den Erzbischof in der gesamten Erzdiözese zu vertreten. Die Salzburger Machtposition blieb nicht unbestritten. Über Jahrhunderte zog sich ein Tauziehen um die Vorherrschaft mit den Habsburgern als Landesherren hin, im Mittelalter auch mit eingeäscherten Burgen der jeweiligen Gegenseite einhergehend. Auch versuchten die Gurker mit gefälschten Urkunden – vergeblich - der Salzburger Vormundschaft zu entkommen. 1535 einigte man sich darauf, dass zweimal der Landesherr und einmal der Salzburger Erzbischof den Bischof von Gurk ernennen durfte, eine Regelung, die bis 1918 hielt.

Heilige Souvenirs: Rupert, Virgil und Peter

Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, an vielen Kärntner Altären auf Statuen der "Salzburger" Heiligen Rupert und Virgil zu stoßen, die vielen St. Peter-Kirchen sind den Missionserfolgen Salzburger Benediktiner zuzuschreiben. Die Propsteikirche von Wieting ist heute noch in Besitz der Benediktiner-Erzabtei St. Peter. Konrad Laib, einer der bedeutendsten alpenländischen Maler, wirkte nicht nur in Salzburg, sondern hinterließ auch in Innernöring bei Gmünd eine Kreuzigungstafel. "Die Salzburger Kunstwerke in Kärnten sind um eine Kategorie qualitätvoller", befindet Kärntens Diözesankonservator Eduard Mahlknecht neidlos.

Karriereleiter für Genügsame

Dritter geistlicher Hotspot Salzburgs in Kärnten war das Lavanttal in Ostkärnten. Auch hier sorgte Modestus für den ersten Kirchenbau, dem heiligen Andreas geweiht. 1228 gründete Erzbischof Eberhard II. das Bistum Lavant, wegen seiner geringen Ausdehnung scherzhaft auch als Zwetschkenbistum bezeichnet. Die Bischöfe residierten anfangs auswärts in Friesach, dem Verwaltungszentrum Salzburgs in Kärnten, und führten den Titel Fürstbischof. Prunk und Pomp waren trotzdem nicht angesagt. Im 14. Jahrhundert bat der Lavanter Bischof den Papst um eine weitere Pfarre, weil das Bistum ein so geringes Einkommen hatte, dass er "nicht einmal wie ein besserer Pfarrer" leben könne. Statt Reichtum bot das Zwetschkenbistum mit Kathedrale in St. Andrä rasche Aufstiegschancen zu höheren geistigen und weltlichen Weihen. Bischof Georg III. Stobäus von Palmburg wurde von Erzherzog Ferdinand zum Statthalter von Innerösterreich ernannt und leitete die Gegenreformation in Kärnten und der Steiermark. Der Salzburger Fürsterzbischof Max Gandolf von Kuenburg oder der spätere Erzbischof von Wien Leopold von Firmian starteten ihre Karrieren im Bistum Lavant. Johann Baptist Graf von Thurn-Valsassina und Taxis war einer der Dienstgeber des jungen Musikers Leopold Mozart und wurde 1754 zum Bischof des kleinen Eigenbistums ernannt. Er bedachte die armen Leute des Bistums Lavant als Erben, da aber die Schulden das Vermögen überstiegen, blieb ihnen nichts als fromme Wünsche. Und der Vater von Mozarts Mutter war in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts Pfleger am Salzburger Hof in St. Andrä.

Personen, Ereignisse

Der Gipfel des höchsten Berges Österreichs, des Großglockners befindet sich auf Kärntner Gebiet. Seine Erstbesteigung gelang 1800 einer "Expedition" beim zweiten Anlauf, die von Fürstbischof von Gurk Franz II. Xaver von Salm-Reifferscheidt-Krautheim organisiert und finanziert wurde.

Der Erbauer der Großglockner Hochalpenstraße, Hofrat Dipl.-Ing. Franz Friedrich Wallack war vor seiner Berufung vom Salzburger Landeshauptmann Dr. Franz Rehrl als Straßenbauer in Kärnten beim Kärntner Landesbauamt beschäftigt gewesen.

Sehenswürdigkeiten

Vom Salzburger Großarltal gelangt man über die Arlscharte zur Kölnbreinsperre im Maltatal.
  • Maltatal: über die Malta-Hochalm Mautstraße erreicht man die Kölnbreinsperre, Österreichs höchste Talsperre.
  • Gmünd: das einzige private Porsche Museum Europas, in Gmünd fertigte Ferdinand Porsche seine ersten Porsche-Modelle
  • Heilbad "Karlbad": im Nockalmgebiet an der Nockalmstraße[1], seit 1730 als Heilbad bekannt; "Therapiezentrum" ist ein Holztrog mit heißen Steinen, durch den ein heilkräftiger Gebirgsbach geleitet wird;
  • Friesach: die mittelalterliche Stadt Kärntens
  • Ankogelbahn Mallnitz: mit dem "Mallnitzer Garten", der neben der heimischen Pflanzenwelt viele Arten aus dem Himalaya, aus Nepal, den Pyrenäen, aus Kanada, Russland und Neuseeland zeigt;
  • Villacher Alpenstraße bei Villach[1]: 16,5 km lange Aussichtsstraße mit 11 Park und Aussichtsplätzen; Wandermöglichkeiten;
  • Bad Bleiberg: Bergbau Glasmodell, das Museum der Bergwerksdirektion beherbergt eine umfangreiche mineralogische Werksammlung sowie ein Glasmodell über den gesamten Bergbau in diesem Gebiet (Bleiberger Bergbau).

Weiterführend

Für Informationen zu Kärnten, die über den Bezug zu Salzburg hinausgehen, siehe zum Beispiel den Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia zum selben Thema

Bilder

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Weiterführend

Für Informationen zu Kärnten, die über den Bezug zu Salzburg hinausgehen, siehe zum Beispiel den Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia zum selben Thema

Quellen

Fußnoten

  1. 1,0 1,1 wird von der Großglockner Hochalpenstraßen AG verwaltet