Graffito

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Graffito von Brian "KoBo2" am Tauernradweg
Graffito im Volksgarten in der Stadt Salzburg
Graffito unter der Johannisbrücke in Überfuhr in Mattsee
Graffito in der Schüttdorfer Unterführung

Ein Graffito ist ein Bild, Schriftzug oder Zeichen, das meist anonym auf in der Regel vertikalen, öffentlich zugänglichen Flächen mittels Lackspraydosen und Markern kreiert werden.

Überblick

Die Anbringung eines Graffito erfolgt zumeist anonym und ohne Wissen und Einverständnis der Grundstücks- und Objekteigner. Besonders beliebt sind Hausmauern, Abgrenzungsmauern, Brücken, Unterführungen und Eisenbahnwaggons, um nur einige der Lokalitäten zu nennen, an denen Graffiti gesichtet werden. Die qualitative Bandbreite reicht von Schmiererei bis zu mittlerweile anerkannter Kunst. Graffiti werden von Einzelpersonen oder Gruppen angebracht. Da Graffiti häufig durch Besprühen des Untergrunds mittels Spraydosen entstehen, werden die Urheber auch als Sprayer bezeichnet (englisch für Sprüher).

Illegale Sprayer haben an öffentlichen und privaten Bauten über die Jahre riesige Schäden angerichtet, da die Kosten für Graffiti-Entfernungen beispielsweise in Deutschland im urbanen Bereich in Millionenhöhe liegen.

In vielen Städten Europas – so auch in Salzburg – gibt es daher mittlerweile von der Stadtverwaltung deklarierte Graffiti-Wände, die für Graffiti-Künstler offen und legal zugänglich und benutzbar sind.

Stil und Technik

Graffiti, Plural des italienischen Wortes graffito, der ursprünglich Schraffierung bedeutet und auf in Stein geritzte Inschriften oder Dekorationen angewendet wird, werden mittels unterschiedlicher Techniken hergestellt. Die Unterscheidung zwischen Writing und Streetart, deren Herstellungstechniken sich überschneiden, ist nicht immer möglich.

Style-Writing

Style-Writing, auch Writing genannt, ist die häufigste Form, die daher auch am besten bekannt ist. Beim Writing bilden Buchstaben und oder Zahlen den Hauptinhalt der Darstellung. Writer, die keinen guten Stil (englisch style) haben, finden keine Anerkennung in der Szene und ernten daher keinen Ruhm (englisch fame). Der ästhetische Anspruch steht im Vordergrund.

Scratching

Scratching (deutsch kratzen) ist eine Reaktion der Writer-Szene auf verstärkte Reinigungsmaßnahmen. Die Bildmotive werden mittels Sandpapier, Messer oder Schleifstein in Oberflächen wie Glasfenster oder auf Plastikflächen eingeritzt, um die Erhaltung des Schriftzuges zu verlängern.

Etching

Etching bedeutet Ätzen. Auch diese Technik zielt auf die längere Erhaltung des Werkes ab. Mittels hochgiftger Fluorwasserstoffsäure werden dabei meist Glasflächen angeätzt, was für den Ausführenden gesundheitsgefährdend ist und potentiell tödlich sein kann.

Ganggraffiti

Ganggraffiti sind in den USA bereits in den 1930er-Jahren bekannt. Ästhetik steht hier nicht im Vordergrund. Das Anbringen der Tags dient ausschließlich der Markierung des Revieres der jeweiligen Gang und der Warnung anderer Gangs, die durch die Kennzeichnung abgesteckten Grenzen nicht zu überschreiten. Übermalungen gelten als Provokation und werden teils absichtlich angebracht, um einen Bandenkrieg auszulösen.

Andere Graffitiformen
  • Pixacao sind spezielle Ganggraffiti in den Armenvierteln Sao Paulos.
  • Ultras-Graffiti werden von Fußballfans, die der Ultra-Bewegung entstammen, zu Markierungszwecken angebracht. Sie sind künstlerisch eher anspruchslos.
  • Streetart (englisch für Straßenkunst) - zu ihr zählen nicht writing-bezogene künstlerische Graffiti.
  • Stencil oder Pochoir sind vorher angefertigte Schablonen, durch die anschließend die Farbe gesprüht wird.
  • Plakat-Graffiti, bzw. Adbusting. Hier werden die auf Plakaten abgebildeten Personen (vorzüglich auf Wahlplakaten) mit Bärten, Zahnlücken, Hörnern etc. versehen. Adbusting, eine spezielle Form von Plakatgraffiti, versteht sich als Konsum- oder Gesellschaftskritik.
  • Politische Graffiti dienen der anonymen Darstellung von ideologischen, rassistischen oder Minderheiten diskriminierenden Ansichten. Sie sind Ausdruck von Wut gegen herrschende Machtverhältnisse. Sie sind künstlerisch anspruchslos und werden an stark frequentierten und gut sichtbaren Orten angebracht.
  • Klograffiti sind seit der Antike bekannt. Künstlerisch im Hinblick auf die Gestaltung wenig anspruchsvoll, bestehen sie aus Gedichten, Reimen oder Witzen, die auf öffentlich zugänglichen Toiletten angebracht werden. Inhalte von Klograffiti sind humoristischer, philosophischer oder sexueller Art. Auch Liebeserklärungen oder die Hinterlassung des eigenen Namens oder nur dessen Anfangsbuchstaben kommen vor. Andere Orte sind Gefängnisse, in denen sie aus Langeweile angebracht werden, aber auch gut frequentierte touristische Ziele oder Wallfahrtsorte. Zur selben Kategorie zählen auch Ritzungen auf Bäumen oder Felsen.
  • Zinken sind Geheimzeichen von Gaunern und Landstreichern, aber auch des fahrenden Volks, die bereits im 16. Jahrhundert vorkommen. Sie werden an öffentlichen Orten angebracht, um nachkommenden Gleichgesinnten Informationen über die vor Ort gegebene Situation zu hinterlassen.
  • Reverse Graffiti entstehen durch die Einwirkung auf Oberflächen, die gezielt so gesäubert werden, dass der gesäuberte Bereich das Graffito ergibt.
  • LED-Throwies bestehen aus kleinen batteriebetriebenen Leuchtdioden, die mit einem Magneten verbunden sind. Sie werden auf möglichst hoch gelegene Metalloberflächen geworfen, um eine längere Verweildauer zu erzielen.

Kunst oder Sachbeschädigung?

Für die Einen stehen Graffiti für die Kunstrichtung Street Art, andere sehen in Graffitis in erster Linie Sach-Beschädung. Der Berliner Street-Art-Künstler und Galerist Eliot M. Henning sieht einen Zusammenhang zwischen Street Art und den Wandmalereien des frühen Menschen. Seiner Meinung liegt das menschliche Bedürfnis, den öffentlichen Raum zur Selbstdarstellung zu nutzen, beiden zugrunde. Im Strafrecht ist (noch) alles klar. Aber derzeit noch illegale Pop Art in Form von Street Art könnte sich jedenfalls in naher Zukunft zu einer legitimierten Kunstrichtung entwickeln.

Bilder

 Graffito – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki

Quellen

  • Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia zum Thema "Graffito"