Hauptmenü öffnen

Salzburgwiki β

Schüttdorf

Schüttdorf zwischen Naturschutzgebiet Zeller See und Schmittenhöhe und mit Blick in den Oberpinzgau, vom Erlberg aufgenommen
Schüttdorf und Zeller Becken vom Keilberg aus gesehen
Schüttdorf
Pfarrkirche Schüttdorf

Schüttdorf ist ein in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstandener und vorwiegend in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts stark gewachsener Stadtteil der Pinzgauer Stadt Zell am See. Unter der Bezeichnung Zell am See-Süd ist Schüttdorf Teil der Katastralgemeinde Zell am See.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Schüttdorf liegt am südwestlichen Ende des Zeller Sees, an der B 311, der Pinzgauer Straße, an der Westbahn und an der Pinzgauer Lokalbahn. Schüttdorf wird westlich der Brucker Bundesstraße vom namengebenden, aus dem Schüttbachgraben kommenden und am Schüttgut vorbeiführenden, Schüttbach durchflossen. In der Folge mündet der mehrfach unterirdisch geführte Bach in den parallel zur Porscheallee geführten Porschekanal. Im Osten grenzt der Stadtteil an das Naturschutzgebiet Zeller See, das durch mehrere Wege erschlossen und von insgesamt drei Kanälen durchflossen wird.

Allgemeines

In diesem Stadtteil wohnten mit Stand 1. Jänner 2018 5 345 Einwohner (Zählsprengel Schüttdorf-Flugplatz-Zellermoos 2 379, Schüttdorf-Ost-Granisiedlung 1 511, Schüttdorf-Ost 1 455). Schüttdorf hat damit mehr Einwohner als die anderen Zeller Zählsprengel zusammen (4 507, entfallend auf Zell am See-Zentrum 1 025, Zell am See-Nord 1 161, Bruckberg-Schmitten 1 198 und Thumersbach-Erlberg 1 123).[1] Die Beherbergungsbetriebe bieten über 3 200 Gästebetten an (Stand Februar 2011).

Entstehung und Entwicklung

Nach Fertigstellung der im Volksmund als „Krimmlerbahn“ benannten Pinzgauer Lokalbahn im Jahr 1898, und ganz besonders ab dem Jahr 1920, wurden zahlreiche Häuser errichtet und das Dorf vergrößerte sich rasch.

Namengebung und Geschichte

Die Wurzeln des Namens Schüttdorf sind im mittelalterlichen „sit“, „sid“ bzw. mittelhochdeutschen „schüt[e]“ und somit dem „Schütt“ (Anschüttung, Anschwemmung) des Schüttbaches zu suchen. Auch der Hofname Schütter zu Schütt (heute Schüttgut) ist daraus abzuleiten.

Infolge von Regulierungsmaßnahmen an der Salzach und der Anlage der Seekanäle wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Seespiegel des Zeller Sees um rund einen Meter gesenkt.[2] Dadurch konnte ein Großteil der Zeller Möser in Wiesen- und teilweise sogar in Ackerland verwandelt werden, auf den dadurch neu entstandenen Kulturflächen wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch erste „Hütteln“ gebaut, nach denen der neu entstehende Ortsteil als "Hütteldorf" bezeichnet wurde. Auf Antrag der Bewohner fasste die Stadtvertretung am 22. August 1930 den einstimmigen Beschluss, den Namen in Schüttdorf umzuändern.[3]

An den Berglehnen der Areit und des Bruckberges lagen früher bedeutende Bergbaureviere. Die Gruben der Kupfer- und Schwefelkiesbergwerke wurden im 16. Jh. von privaten Gewerken (Rosenberger, Freyeisen, ...) und anschließend von der fürsterzbischöflichen Hofkammer betrieben. Die im Wesentlichen bis 1803 befahrenen Einbaue befanden sich zwischen dem Schüttbachgraben im Osten und vom Beilgut in Richtung Westen bis Limberg.

Über die frühere Verwaltungsstruktur von Bruckberg (Bezeichnung nach Lahnsteiner: „Bruckberg-Schmitten“)[4] ist sehr wenig bekannt, jedenfalls gehörte aber der Großteil der Berglehnen bis hin zur Schmittenhöhe zu einer eigenständigen Kommune. Die Eingemeindung in den Kommunalverband Zell am See erfolgte am 1. Oktober 1935, als letzter Vorstand von Bruckberg-Schmitten amtierte der Unterkeilbauer Alois Amoser.

Schulen, Infrastruktur und Lebensqualität

1955 wurde eine Volksschule namens "Ferdinand Porsche-Gedächtnisschule" errichtet. 1960 wurde der Kindergarten neben der Volksschule fertig gestellt, auch eine Polytechnische Schule wurde errichtet. Schließlich wurden in den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts an der Karl-Vogt-Straße mit dem Gymnasium und Realgymnasium und der Handelsakademie / Handelsschule auch das Zeller Bundesschulzentrum erbaut.

Das 1962 eingeweihte Postamt fiel der Streichung der Postämter im Jahr 2011 zum Opfer, heute befindet sich eine Postpartnerfiliale in der Alten Landesstraße.

Im Jahr 1967 fand die Glockenweihe bei der neu errichteten und im Herbst 1967 eingeweihten Pfarrkirche Schüttdorf statt. Die Kirche wurde unter anderem von Bildhauer Josef Zenzmaier gestaltet. Von ihm stammt das Altarbild in Form eines Holzreliefs und der Tabernakel aus Bronze.

Bekannt ist auch die Areitbahn, die seit 1970/71 als Doppelsessellift Wanderer auf die Areitalm und im Winter Skifahrer mit Hilfe des Schleppliftes Glocknerlift weiter auf die Schmittenhöhe beförderte. Auf der Schüttwiese in der Nähe der Talstation wurde 1970 auch der Schüttlift als Übungslift errichtet. 1988 erfolgte der Neubau der Areitbahn als Einseilumlaufbahn mit 6er-Kabinen und der Glocknerbahn als kuppelbare Vierersesselbahn. 1996 wurde die Areitbahn um die Sektionen II und III erweitert und damit eine direkte Verbindung von Schüttdorf auf die Schmittenhöhe erreicht. Im Jahr 2017 ersetzte schließlich eine moderne 10 Personen - Umlaufbahn mit dem Namen areitXpress die bis dahin bestehende Anlage mit den 6er-Kabinen.[5]

Die in den 1970er-Jahren situierte Postfernmeldezentrale wurde inzwischen aufgelassen, andererseits Hotels neu erbaut und alte Gastbetriebe modernisiert. Klein- und Mittelbetriebe aller Branchen siedelten sich an. Alles ist fußwegig erreichbar, hat teilweise noch dörflichen Charakter und das mit sehr guter Infrastruktur. Neben der Versorgungslage sind Seeufer mit Strandbad, Naturschutzgebiet Zeller See, Tauernradweg und Langlaufloipen u.a.m. in Gehweite - auch für das Freizeitvergnügen Einheimischer und Touristen ist somit gesorgt.

Schüttdorf beherbergt auch eine Besonderheit: hier hat sich neben dem Porsche Design Studio auch die Fa. Storz angesiedelt. Beide Designbetriebe haben Weltruf.

Dorf, "Suburbia" und Raumordnung

Schüttdorf ist heute der bevölkerungsreichste Stadtteil. Er hat einerseits noch immer Dorfcharakter, andererseits ist Schüttdorf auch das „Suburbia“ von Zell am See geworden. Hier befinden sich der in der Zwischenkriegszeit entstandene und 1959 feierlich eingeweihte Flugplatz Zell am See, mit Tunnelausgangsportal und Umfahrungsverteiler bedeutende Straßenbauten, die großen Supermärkte, Möbelhäuser, Baumärkte und Autohäuser.

Die Errichtung der erwähnten Großbetriebe ist aus Sicht der Stadtentwicklung zu einem gewissen Grad einsichtig, aber raumordnerisch problematisch. Schüttdorf einerseits und Bruck an der Großglocknerstraße andererseits drohen durch den in den letzten Jahren erfolgten Bauboom zusammen zuwachsen und das Erscheinungsbild des Zeller Beckens nachhaltig zu beeinträchtigen.

Hochwasser

Der im Jahr 2010 von der Wildbach- und Lawinenverbauung präsentierte Gefahrenzonenplan erinnert alteingesessene Schüttdorfer an das Hochwasser im Jahr 1956, das mehrere Häuser unter Wasser setzte und an die Hochwasserkatastrophe im Jahr 1966, von der Schüttdorf ebenfalls betroffen war. Der Plan legt offen, dass fast ganz Schüttdorf Hochwasser gefährdet ist und geeignete Schutzmaßnahmen fehlen.

Da in der Folge der Hochwasserschutz an die ebenfalls dringend notwendige Umfahrungsstraße Oberpinzgau - Salzachtal gebunden wurde und mehrfach unterschiedliche Varianten erwogen wurden, verzögerte sich ein Baubeginn immer wieder. Nach Zustimmung von insgesamt 72 Grundeigentümern konnte aber schließlich im Oktober 2017 der offizielle Startschuss für das Jahrhundertprojekt gegeben werden.[6] Ebenfalls im Jahr 2017 wurde der Schüttbach, der im Juni 2013 infolge mehrerer Murenabgänge im Schüttbachgraben große Schäden an Gebäuden, Brücken und Straßen verursacht hatte, durch eine optisch allerdings wenig ansprechende Dosiersperre weiter verbaut.[7]

Quellen und Literatur

  • Rainer Hochhold. Cella in Bisontio - Zell im Pinzgau - Zell am See. Eine historische Zeitreise. Stadtgemeinde Zell am See, 2013

Einzelnachweise

  1. Einwohnerzahl nach Zählsprengel 1. Jänner 2018 Gebietsstand 1. Jänner 2018) www.statistik.at
  2. Dürlinger, Josef (1866): Von Pinzgau. 1. Geschichtliche Übersichten, 2. Orte- und Kirchenmatrikel; mit chronologischer Tabelle. Selbstverlag: Salzburg. S. 22. In: Rainer Hochhold. Cella in Bisontio - Zell im Pinzgau - Zell am See. Eine historische Zeitreise. 2013; S. 185 bzw. Seefeldner, Erich (1961): Salzburg und seine Landschaften. Verlag „Das Bergland-Buch“: Salzburg/Stuttgart. S. 222
  3. Sitzungsprotokoll der Stadtgemeinde Zell am See. In: Rainer Hochhold. Cella in Bisontio - Zell im Pinzgau - Zell am See. Eine historische Zeitreise. 2013; S. 307
  4. Lahnsteiner, Josef (1980a): Mitter- und Unterpinzgau: Mitterpinzgau. Saalbach, Saalfelden, Lofer, Salzburgisches Saaletal. – Unterpinzgau. Zell am See, Taxenbach, Rauris. 2. Aufl. (1. Aufl. 1960). Selbstverlag: Hollersbach. S. 21. In: Rainer Hochhold. Cella in Bisontio - Zell im Pinzgau - Zell am See. Eine historische Zeitreise. 2013; S. 309 bzw. 422
  5. https://www.schmitten.at/de/service/unternehmen/chronik
  6. https://www.meinbezirk.at/pinzgau/c-lokales/zeller-hochwasserschutz-offizieller-start-fuer-das-jahrhundertprojekt_a2297942
  7. http://www.schuettbach.org/