Jedermann

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Szene aus Jedermann Inszenierung von Brian Mertes und Julian Crouch. Salzburger Festspiele 2014. Jedermann: Cornelius Obonya, Tod: Peter Lohmeyer
Peter Simonischek spielte den Jedermann zwischen 2002 und 2009 insgesamt 91 Mal und damit so oft wie niemand anderer.
Jedermann, Tischgesellschaft of Jedermann, with Brigitte Hobmeier as Buhlschaft, Salzburger Festspiele 2014
Jedermannbühne am Domplatz, Ostansicht

Jedermann ist ein Theaterstück von Hugo von Hofmannsthal, das anlässlich der Salzburger Festspiele alljährlich aufgeführt wird.

Allgemeines

Hugo von Hofmannsthals Jedermann wurde 1911 in Berlin unter der Regie von Max Reinhardt uraufgeführt. 1913 folgte die Österreichische Erstaufführung am Wiener Burgtheater, 1915 kam das Stück ans Salzburger Stadttheater.

Am 22. August 1920 um 18:00 Uhr feierte der "Jedermann" erneut unter der Regie von Reinhardt auf dem Domplatz seine Premiere bei den Salzburger Festspielen und die Festspiele ihre Premiere mit ihm. Fortan wurde der "Jedermann" jede Saison mit (alle paar Jahre) wechselnden Hauptdarstellern und in kaum veränderter Inszenierung präsentiert. Wenige Regisseure wagten nach dem Zweiten Weltkrieg von der Reinhardt Vorgabe abzuweichen und jene, die es taten, teilten das Schicksal, dass sie meist nicht lange inszenierten. Ausgerechnet Max Reinhardts Sohn Gottfried versuchte 1961 als erster eine Neuinterpretation und während seine um Bühnenmusik von Ernst Krenek und bunte Kostüme des Hollywood-Ausstatters Tony Duquette bereicherte Version des "Jedermann" von der Presse positiv aufgenommen wurde, musste er doch zur Kenntnis nehmen, dass sie dem Publikum missfiel. Nach zwei Saisonen folgte der Schritt zurück in Richtung Tradition.

Sechs Jahre später traute sich Leopold Lindtberg neue Wege zu beschreiten: Gott erschien bei ihm auf der Bühne, der Teufel wurde zum klumpfüßigen Gerichtsschreiber und die lange Tafel der Tischgesellschaft auf eine kleine Sitzgruppe reduziert. Aber auch Lindtberg scheiterte mit seiner Inszenierung, denn 1973 wird Ernst Haeusserman damit beauftragt, das ursprüngliche Konzept der Jedermann-Inszenierung umzusetzen. Nicht zuletzt dank Curd Jürgens in der Titelrolle wird auch diese Rückbesinnung zum Erfolg. Unter Haeusserman und Gernot Friedel ändert sich für dreißig Jahre wenig am "Jedermann".

Erst Christian Stückl wagt sich 2002 an eine deutlich modernisierte Inszenierung. Und diesmal gelingt der Spagat, wohl auch weil mit Peter Simonischek der längstdienende Titelheld und mit Veronica Ferres eine starke Buhlschaft gefunden wird.

Zu den wenigen Zeitpunkten ohne "Jedermann" im Programm der Festspiele zählen die Jahre 1922 bis 1925, sowie die Zeit des Nationalsozialismus von 1938 bis 1945.

Für die Hauptrolle wurden und werden stets allererste Schauspieler verpflichtet. Aber auch die Buhlschaft und selbst kleine Sprechrollen wie der Teufel waren oftmals hochkarätig besetzt.

Der "Jedermann" des Jahres 1983, erstmals mit Klaus Maria Brandauer und Marthe Keller in den Hauptrollen und letztmals mit Ernst Hausserman als Regisseur geht auf Gastspielreise nach Rom und wird dort auf der Piazza del Campidoglio dargeboten.

Am 24. August 2002 wurde der "Jedermann" erstmals zum abendlichen Zeitpunkt von 20:00 Uhr dargeboten, seit 2003 gibt es regelmäßig abendliche 20:30 Uhr Termine.

Am 5. August 2003 feierte man die 500. Vorstellung unter anderem mit einem anschließenden Fest für 250 Gäste in der Salzburger Residenz.[1]

Am 25. Juli 2010 strahlte der ORF erstmals eine "Jedermann"-Premiere live im Fernsehen - allerdings leicht zeitversetzt - aus.

Die "Jedermann"-Aufführung auf dem Domplatz gehört zu Salzburg und den Festspielen wie Mozart. Alle Vorstellungen sind jeweils ausverkauft, Sitzplatzkarten nur sehr schwer und oft nur im Abo zu ergattern. Die spannende Frage lautet bei jeder Aufführung: Kann das Spiel vom Leben und Sterben des reichen Mannes am Domplatz stattfinden oder muss es wegen Regens in das Große Festspielhaus verlegt werden?

Kritik

Während Mozart als ein Salzburger Original, ein Musikgenie und ein Geschenk Gottes an die Welt angesehen werden darf, stellt sich der "Jedermann" eher zwiespältig dar.

Bei Hugo von Hofmannsthals Jedermann handelt es sich um eine Neufassung des mittelalterlichen "Everyman".

Die Geschichte des Stückes erzählt vom reichen Mann, der sein Leben lang in Saus und Braus gelebt hat, rücksichtslos gegenüber seinen Mitmenschen und gottlos. Erst als der Tod nach ihm ruft, packt ihn die Angst vor der Verdammnis und er wird aus Selbstsucht reuig. Damit erwirkt er die Gnade Gottes und den Einlass in den Himmel.

In der Religiosität des Mittelalters war der Inhalt des Stückes durchaus konform mit dem Zeitgeist. Zu Lebzeiten Hofmannsthals herrschten aufgeklärte Neuzeit und ein anderer Zeitgeist.

Es erhebt sich also die Frage, warum der Salzburger Kunst- und Kulturbetrieb seit Jahrzehnten diese Verherrlichung der Niedertracht, der Gottlosigkeit und des Gottesbetruges mit vorgetäuschter Reue in alle Welt hinaus als Teil des Weltkulturerbes exportiert.

Weiters stellt sich die Frage nach der rechten Interpretation von Hofmannsthals Stück. Der Salzburger Festspielbetrieb hängt der Interpretation an, welche mittelalterliches Glaubensverständnis in unsere Zeit transportiert. Hofmannsthals Stück kann aber mit mindestens ebenso großer Berechtigung als eine Persiflage dieser mittelalterlichen Religiosität und des Reuebetruges aufgefasst werden.

Besetzung

Regie
Jedermann
Buhlschaft
Teufel

Faszinierender Bestandteil jeder Aufführung sind auch die unsichtbaren Jedermannrufer, die aus verschiedenen Richtungen rund um den Domplatz - unter anderem auch von der Festung Hohensalzburg - ohne Verstärker ihr durch Mark und Bein gehendes Jedermann anstimmen.

Jedermannbühne am Salzburger Domplatz

Jedermann an anderen Orten in der Umgebung

Das Spiel vom Leben und Sterben des reichen Mannes wird auch noch an zahlreichen anderen Orten regelmäßig aufgeführt, so zum Beispiel in Mondsee, Faistenau, St. Veit im Pongau oder in St. Michael im Lungau am Neuhauser-Teich im Ortsteil Oberweißenburg[2]. Seit 1999 wird auch die Festung Hohensalzburg jedes Jahr im August bespielt.

Bilder

 Jedermann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons

Quellen

Fußnoten

  1. Salzburger Nachrichten vom 5. August 2003
  2. Quelle St. Michael im Lungau: Salzburger Woche, Ausgabe 28. Juni 2012