Karin Eder

Aus Salzburgwiki
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Karin Eder aus Salzburg-Leopoldskroner Moos segelte in knapp 14 Monaten in die Karibik.

Ein Jahr lang unterwegs

Die "SY Gamba", eine 13-Meter-Segelyacht, ausgerichtet für sechs Personen, hatte Karin Eder für insgesamt 52 Wochen gegen ihr Zuhause in Leopoldskron eingetauscht. "Ich hatte die Möglichkeit bekommen, ein Sabbatical von einem Jahr zu nehmen. Ich habe zwei Jahre lang voll gearbeitet, aber nur zwei Drittel meines Gehalts bekommen. Dafür aber auch im dritten Jahr, das ich komplett frei hatte", berichtet die Lehrerin für kaufmännische Fächer, Deutsch und Englisch an der Berufsschule für Metallberufe in Hallein.

Im Juli 2018 startete die passionierte Seglerin in Kroatien. Über Griechenland, Sizilien, Sardinien (beide Italien), Mallorca, Andalusien (beides Spanien), Algarve, Madeira (beides Portugal), die Kanarischen Inseln (Spanien) und die Kapverden führte die Route in die Karibik. Zurück lautete der Plan über die Azoren nach Andalusien bis zum Endpunkt an der Amalfiküste (Italien), wohin sie heuer Mitte August zurückkehrte. "Ich war zuvor noch nie so weit gesegelt, immer nur in europäischen Gewässern und auch meist nur ein, zwei Wochen. Aber für die Atlantiküberquerung hatte ich Lothar Weber, einen sehr erfahrenen Seglerkollegen von meinem Heimatclub Seeham, dabei", erzählt sie.

Schrecksekunde - Begegnung mit einem Wal

Bereits am zweiten Tag auf dem Atlantik die große Schrecksekunde: "Wir waren an Deck gerade dabei, Fische zu filetieren, als ich aus dem Augenwinkel eine riesige Flosse, mit sicher drei Metern Spannweite, neben dem Boot auf und senkrecht wieder abtauchen sah. Dann hat's einen Rumpler gegeben und dann war es wieder vorbei. Allerdings haben wir beim Weitersegeln gespürt, dass etwas nicht stimmt. Erst beim Tauchen im Hafen von St. Lucia haben wir gesehen, dass uns der Wal ein Drittel des Ruders abgebrochen hat. Aber wir waren noch fahrtauglich", ist sie jetzt noch froh.

Innerhalb von fünf Tagen war der Schaden repariert, und sie segelte mit der Crew weiter über Domenica, Guadeloupe, Tortola und Antigua bis zu den britischen Virgin Islands. "Jede der Inseln hat ganz eigene Probleme. Die einen müssen jedes Jahr die Hurricanes fürchten, auf Montserrat den Vulkanausbruch, und Domenica hatte neun Monate lang weder Wasser noch Strom. Trotzdem sind die Leute sehr offen, unglaublich gastfreundlich und machen das Beste aus ihren Situationen."

Mehr als hold war der Seglerin das Wetterglück. "Wir hatten nie schwere Stürme und konnten den Atlantik in 16 Tagen queren. Auch in der Karibik selbst wurde ich nie aufgehalten. Aber das Wetter musste ich immer im Auge behalten." Auch wenn tagelang außer Himmel und Meer nichts zu sehen war, Langeweile kam nie auf. "Die Zeit vergeht rasend schnell. Es gibt immer so viel zu schauen, die Wellen, manchmal Delfine, traumhafte Sonnenuntergänge und eine unglaubliche Natur."

Vergleichsweise rasch und unter günstigen Winden segelte Karin Eder 16 375 Seemeilen in 52 Wochen. "Zeit zum Segeln" - unter diesem Motto startete sie im Juli 2018 ihre Reise mit dem Segelboot zu den schönsten Plätzen, zu Wasser und auch zu Land.

Frau Eder, wie lange segeln Sie bereits?

Karin Eder: Seit meiner Kindheit. Mit acht Jahren hat mich mein Papa in den Segelclub Seeham mitgenommen, und dort habe ich es gelernt.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein Jahr lang zu segeln?

Das ist so bei den Seglern, dass man es länger genießen will, nicht nur die ein, zwei Wochen Urlaub im Sommer.

Haben Sie sich einsam gefühlt diese ganze Zeit und war Ihnen langweilig?

Nein, gar nicht. Ich hatte ja - bis auf eine einzige Woche - immer Mitsegler dabei. Außerdem ist immer etwas zu tun und wenn nicht, ist es unglaublich entspannend, einfach nur auf Meer und Himmel hinauszuschauen.

Wie läuft die Vorbereitung auf ein derartiges Abenteuer?

Ich hatte ja zwei Jahre Zeit, um das alles genau zu überlegen und auszutüfteln. Da liest man einen ganzen Stapel Hafenbücher, um zu wissen, wo welcher Hafen bzw. Ankerplatz ist.

Haben Sie die Route genau geplant vorher?

Ja, die war sehr exakt geplant, und diesen Plan musste ich auch genau einhalten. Denn die Mitsegler mussten zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort abgeholt bzw. wieder an Land gebracht werden. Die mussten sich ja auf mich verlassen.

Was hat Sie am meisten beeindruckt auf dieser Reise?

Das zeigt einem auf, mit welchen Kleinigkeiten wir im Alltag kämpfen, im Vergleich zu den Problemen anderswo. Es verändert einen sehr, wenn du im Ausland bist, niemanden kennst und die Sprache nicht sprichst und trotzdem triffst du überall hilfsbereite, freundliche Menschen. Außerdem habe ich gelernt, mit wie wenigen Dingen man auskommen kann, was ich alles nicht brauche.

Würden Sie eine derartige Reise wiederholen?

Ja, gerne jederzeit wieder. Ich habe noch lange nicht genug vom Segeln.

Quelle