Mahnmal für die ungenannten Opfer und Verfolgten des 20. Jahrhunderts

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Das Mahnmal

Das Mahnmal für die ungenannten Opfer und Verfolgten des 20. Jahrhunderts am Stadtfriedhof Maxglan ist ein aus Untersberger Marmor gefertigtes Monument des Salzburger Bildhauers Nikolaus Pfeiffer.

Lage

Das Mahnmal steht im neuen Teil des Maxglaner Friedhofs auf einer sternförmigen Wegkreuzung.

Geschichte

Aufstellung

Auf Betreiben des damaligen Pfarrers Pater Franz Lauterbacher und des Pfarrgemeinderates von Maxglan wurde ein Mahnmal in Auftrag gegeben, das allen ungenannten Opfern und Verfolgten des 20. Jahrhunderts gewidmet sein sollte. Der Grundgedanke hiefür war, auf das in der NS-Zeit bestehende Zigeunerlager Maxglan aufmerksam zu machen, das in Sichtweite des neuen Friedhofareals angelegt war. Ein weiteres Zeichen sollte für all jene gesetzt werden, welchen durch Kriege und Vertreibung in diesem Jahrhundert Unrecht geschah.

Den Auftrag für das Monument erhielt der Salzburger Bildhauer Nikolaus Pfeiffer, der das Werk im Steinbruch Kiefer am Untersberg schuf. Die Aufstellung und Einweihung erfolgte am 15. Juni 2008 durch Pfarrer Franz Lauterbacher und den Kulturlandesrat und Landeshauptmannstellvertreter David Brenner.

Charakteristik und Symbolik des Denkmals

Errichtet von der Pfarrgemeinde Maxglan
Gefördert mit Mitteln des Landes Salzburg
Ausführender Künstler: Nikolaus Pfeiffer, Salzburg
Entstehungszeit 2007/2008
Das Monument aus Untersberger Marmor weist eine Höhe von vier Metern auf und hat ein Gesamtgewicht von 16 Tonnen.

Der Stein erweckt durch seine hohe und im oberen Drittel keilförmige Form den Eindruck eines mahnenden Fingers. Die dunkle Patina der Oberfläche symbolisiert das vergangene Jahrhundert.

Auf das Leid des Einzelnen weisen die figürlichen Darstellungen als Relief hin, das sich durch das Behauen des Steins von der dunklen Oberfläche abhebt. Die Figuren sind schemenhaft dargestellt, als Zeichen, dass das Individuum dem Massendenken untergeordnet wurde. Und doch wird Leid immer einzeln und subjektiv empfunden. Die schräggestellten Köpfe drücken dieses Empfinden aus. Die unterschiedliche Größe der Figuren weist auf die Vernichtung von Generationen hin. Die schlichten, fast kegelhaft anmutenden Figuren zeigen auf, dass der Mensch als Masse nur eine Spielfigur der Politik ist. Das Relief ist flach gehalten, um mit seiner bearbeiteten Fläche nicht mit der patinierten Bruchfläche des Steins über die Maßen zu konkurrieren. Aus dieser Position gesehen, zieht sich das Relief bis auf die linke Schmalseite.

Auch wenn manches Unrecht erst spät erkannt, verantwortet oder aufgearbeitet wird, bedeutet dies schließlich eine Auseinandersetzung mit dem Geschehenen und sollte helfen, nächste Generationen zu warnen. Diesen mutigen Schritt des Aufzeigens und der damit verbundenen neuen Sichtweise zeigt das "Fenster", ein Durchbruch im oberen Bereich des Steins, herausgeschlagen mit Hammer und Meißel. Alte Ansichten und Denkweisen werden somit sichtbar mit Vehemenz durchbrochen. Das Ausrichten des Denkmals nach Süden ergibt einen Schatten des Steins, der durch das lichtdurchflutete Fenster unterbrochen wird.

Die zweite Seite des Steins weist eine gelbe Bruchfläche auf. In dieser Fläche wurde das Segment eines archaisch anmutenden Rades herausgeschlagen, welches das "Rad der Geschichte" symbolisiert. Ob der Mensch aus der Geschichte lernt oder die gleichen Fehler immer wieder begeht, ist ein philosophisches Thema. Den Auftrag an das Mahnmal versinnbildlicht die in das Rad gezogene lateinische Inschrift, die der gebrochenen Oberfläche des Steins angepasst und nur bei schrägem Lichteinfall erkennbar ist:

DISCITE MONITI (lernt, Ihr Ermahnten!)

Der zerklüftete Sockel aus hellem Marmor (Brekzie) mit einer Kantenlänge von ca. 260 x 200 cm hat eine Höhe von etwa 50 cm. Die äußere Form wurde mit dem Diamantseil geschnitten und weist keine exakte Symmetrie auf. In diesen Kubus ist ein Würfel gesetzt, der sich leicht in die Außenform "hineindreht". Die Geschichte wird oft genug für propagandistische Zwecke "zurechtgerückt". Der Würfel im Sockel, der durch die Bearbeitung des Spitzmeißels markant herausragt, rückt wiederum die Wahrheit ins Licht.

Der Text verläuft rund um das Mahnmal, da dieses in jede Richtung hin offen und zugänglich ist. So liest der Betrachter von einer Seite kommend "Nicht vergessen wird das Leid" oder, von der anderen Seite beginnend, "Das Leid wird nicht vergessen". Die Schriftblöcke wurden leicht schwebend montiert, um die Symbolik des Sockels zu unterstützen.

Inschrift

Die Inschrift verläuft rund um das Mahnmal und lautet "Nicht vergessen wird das Leid" oder "Das Leid wird nicht vergessen", je nachdem, von welcher Seite man sich dem Monument nähert.

Literatur und Quellen

  • Informationsbroschüre der Pfarre Maxglan