Untersberg

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Der Untersberg, Ansicht von der Köppelschneid
Untersberg vom Oberalmberg, mit Puch und Urstein
Die Festung Hohensalzburg und im Hintergrund der Untersberg
Untersberg, südliche Ansicht vom Roßfeld aus
Blick aus der Richtung des Salzburger Hochthrons zur Bergstation der Untersbergseilbahn
Salzburgblick vom Untersberg
Panoramablick vom Untersberg Richtung Norden
Untersberg, Nordseite

Der Untersberg ist ein ein Bergstock der Berchtesgadener Alpen mit einer Ausdehnung von etwa 70 km² im Südwesten des Flachgaus an der Grenze zu Bayern.

Allgemeines

Erschlossen ist der Bergstock durch die Untersbergseilbahn und durch Wanderwege (Dopplersteig, Reitsteig, Weinsteig, Weg über die Klingeralm, Weg vom Bruchhäusl zum Ochsenkopf, von bayrischer Seite Stöhrweg).

Der Untersbergstock befindet sich am westlichen Rand des Salzburger Beckens, über den Untersberg verläuft die Grenze zwischen dem Bundesland Salzburg (Österreich) und Bayern (Bundesrepublik Deutschland). Er gliedert sich in zwei Teile: das eigentlich Untersbergplateau mit Hochgebirgscharakter und ein ihm östlich vorgelagertes Mittelgebirgsgebiet.

Seine Ränder sind steil aufragend bis in Höhen zwischen 1 500 m ü. A. und 1 800 m ü. A. Oben breitet sich ein Gebirgsplateau aus, das nach Nordosten etwas flacher abfällt und waldreich ist. Im Westen wird er durch den Pass Thurn zwischen Berchtesgaden und Bayerisch-Gmain im Berchtesgadener Land, sowie Großgmain im Norden, Grödig im Osten auf Salzburger Seite und dem Berchtesgadener Becken im Süden begrenzt.

Der Salzburger Hochthron mit 1 853 m ü. A. liegt auf Salzburger, der Berchtesgadener Hochthron als höchster Gipfel des Bergstocks mit 1 972 m ü. A., auf bayerischer Seite. Unmittelbar neben der Bergstation der Untersbergseilbahn ist das Geiereck (1 805 m ü. A.) zu finden.Ka

Umgrenzung

Bad ReichenhallSaalach (463 m ü. A.) bis WestautobahnTauernautobahn bis GrödigSt. LeonhardBerchtesgadener AcheBerchtesgaden (527 m ü. A.) – Straße nach Bad Reichenhall – Bischofswieser Ache – Hallthurm – Bad Reichenhall;

Berggipfel

Hauptartikel Berge des Untersbergstocks

Almen

Kienbergalm, Klingeralm, Vierkaseralm, Schweigmühlalm;

Geologie

Der Untersbergstock gehört innerhalb der Nördlichen Kalkalpen zu den Salzburger Kalkhochalpen und besteht überwiegend aus Kalkstein. Der Untersbergstock teilt sich in zwei Teile: in das eigentliche Plateau mit Hochgebirgscharakter und ein ihm östlich vorgelagertes Mittelgebirgsgebiet. Da die Dachsteinkalkdecke in dem östlich vorgelagerten Mittelgebirgsgebiet abgetragen wurde, besteht der Bergstock dort ausschließlich aus Ramsaudolomit, dessen Werfener Schieferunterlage nur im Tal der Berchtesgadener Ache an mehreren Stellen hervortritt. Das Plateau selbst ist hauptsächlich aus dickbankigem Dachsteinkalk aufgebaut.

In Steinbrüchen an der Nordseite des Berges bei Glanegg und Fürstenbrunn wird der Untersberger Marmor (Kalkstein) abgebaut.

Die natürliche Verkarstung des Kalksteins führte auch am Untersbergstock zu mehr als 400 Höhlen, von denen die Schellenberger Eishöhle die bekannteste ist. Vom Dopplersteig aus zugänglich ist die Kolowratshöhle, die jedoch nur von erfahrenen Höhlenforschern begangen werden soll. Das Drama vom Untersberg, die Bergung eines im Juni 2014 durch Steinschlag verunfallten deutschen Höhlenforschers, hat die auf deutschen Staatsgebiet befindliche Höhle namens Riesending europaweit in die Schlagzeilen gebracht. Immer wieder brechen Teile des Kalksteins ab und stürzen zu Tal. So war es auch am 10. Juni 1935 um 12:30 Uhr, als das Drachenloch bei St. Leonhard abbrach.

Trinkwasser und Gewässer

Der Grundwasserstrom unter dem Untersberg liefert den weitaus größten Teil des Trinkwassers für die Stadt Salzburg. Drei Vertikalfilterbrunnen und ein Horizontalfilterbrunnen der Salzburg AG in Glanegg versorgen weit überwiegend (über 90 %) die Stadt mit Trinkwasser. Zwischen Grödig und dem Grödiger Ortsteil Glanegg besteht ein ausgedehntes Trinkwasserschutzgebiet. Die große Fürstenbrunner Quelle liegt am unteren Ende des "Großen Bärentals" und tritt in 600 m ü. A., also 150 m über der Talsohle, zu Tage. Ihr Wasser bereichert nach Einbringung des Wassers in einer Versickerungsanlage ebenfalls den als Trinkwasser genutzten Grundwasserstrom.
Vom Untersberg kommend fließt dieser mächtige Grundwasserstrom, der großer Zellerbach genannt wird, unterirdisch auf einer Breite von zwei Kilometern unter der Friedhofsterrasse in den Schotterschichten weiter und tritt in Hellbrunn in mehreren Quellen als Hellbrunnerbach, sowie unterhalb von Morzg nahe dem Flurweg bzw. Quellenweg als kleiner Zellerbach teilweise zu Tage. Der große Rest des mächtigen Grundwassers entwässert zuletzt unterirdisch zwischen Anif, der Hellbrunnerau und der Josefiau in die Salzach.

Geschichte und Bedeutung

Blick aus einer Gondel der Untersbergbahn, Bergstation am Geiereck (1 805 m ü. A., links von der Bergstation) in Sicht

Als markanter Gebirgsstock, als Sagenberg z. B. mit dem Sitz Kaiser Karls dem Großen und als Ausflugsberg ist der Untersberg weithin bekannt. Die älteste schriftliche Erwähnung findet sich in einer Urkunde vom 28. Juni 1306 unter Erzbischof Konrad IV. von Fohnsdorf als Vndransperch[1].

Wirtschaftlich war der Abbau von Untersberger Marmor für die Salzburger Fürsterzbischöfe von Bedeutung. Bauwerke in ganz Europa wurden damit errichtet. Auch die Kugelmühlen, die Abfälle der Steinbrüche, aber auch Bachsteine in Kugeln verwandelten, waren von Bedeutung.

Das Quellwasser des Berges wurde schon im 15. Jahrhundert von Wasserreitern in die Stadt Salzburg gebracht. Erzbischof Guidobald Graf von Thun und Hohenstein unternahm dann 1654 den ersten Versuch des Baus einer hölzernen Wasserleitung in die Stadt.

Schon sehr früh entstanden waldfreie Almflächen wie die beiden Rosittenalmen, die Klingeralm, die Schweigmühlalm sowie eine Reihe von Almen mit der Endung kaser (Karkaser, Grubenkaser, Mitterkaser)[2].

Eine intensive wissenschaftliche Erforschung des Untersberges begann erst im 19. Jahrhundert, wobei sich vor allem auch der Salzburger Eberhard Fugger Verdienste erworben hat.

Ereignisse am und im Berg

Zwei Ereignisse fanden in jüngerer Zeit im Bereich des Stöhrhauses statt. Die Rettung einer Amerikanerin war eine Bergung einer abgängigen Bergwanderin am Untersberg am 19. Juni 2008. Eine spektakuläre, elftägige Rettungsaktion eines Schwerverletzten aus der Riesending-Höhle nahe des Störhauses konnte ebenfalls an einem 19. Juni, im Jahr 2014 erfolgreich beendet werden (sogar fast um dieselbe Uhrzeit).

Fremdenverkehr

Der Fremdenverkehr begann 1845 mit der Erschließung der Kolowratshöhle. Ab 1870 errichtete dann der Alpenverein Steige. Die zwar schon länger bekannt gewesene Schellenberger Eishöhle wurde allerdings erst 1925 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. 1883 wurde das Untersberghaus errichtet. Die 8,5 Kilometer lange Skiabfahrt entstand am Ende des Ersten Weltkrieges.

Von St. Leonhard bei Grödig führt die Untersbergbahn zum Geiereck hinauf. Bei klarer Sicht kann man vom Untersberg über das Rosittental und das Gebirgsjägerdenkmal bis hin zu den Salzkammergutseen und den Hohen Tauern sehen.

Während der Sommermonate kann man ausgedehnte Wanderungen und Klettertouren unternehmen sowie Paragleiten. Wintersportler können die Untersbergbahn als Aufstiegshilfe für Skitouren und zum Skifahren auf der 8,5 km langen Talabfahrtsstrecke nutzen. Die Skiabfahrt endet in Fürstenbrunn, etwa 30 bis 40 Minuten zu Fuß von der Talstation der Untersbergbahn entfernt (vier Kilometer). Alternativ verkehrt die Buslinie 35 und bei Bedarf ein zusätzlicher Zubringerbus.

Berghütten

im Bild deutlich sichtbar der Dopplersteig auf den oberen Rositten, in den Felswänden im Hintergrund (nicht sichtbar) liegt die Kolowratshöhle
Blick über die Obere Rosittenalm ins Rosittental

Auf Salzburger Seite sind das Bergrestaurant Hochalm ganzjährig und das Zeppezauerhaus saisonal bewirtschaftet. Auf bayerischer Seite gibt es die Toni Lenz Hütte auf 1 411 m ü. A. neben der Schellenberger Eishöhle und das Stöhrhaus auf 1 894 m ü. A.

Wander- und Kletterwege

Einige der Aufstiegewege haben das Wort Reit noch in sich, wie der Reitsteig, der von der Bergstation über das Zeppezauerhaus und die Steinerne Stiege am 'Eisgraben vorbei nach Glanegg (465 m ü. A.) führt. Andere Steige wie der Weinsteig oder Dopplersteig (eröffnet 1875) führen ebenfalls ins Salzburgische hinunter. Auf der bayerischen Seite gibt es einen Aufstieg von Marktschellenberg aus zur Toni Lenz Hütte und zur Schellenberger Eishöhle.

Höhlen

Hauptartikel Höhlen des Untersbergstocks

Quellen und Gewässer

Hauptartikel Gewässer des Untersbergstocks

Naturschutz

"Forstautobahn" bei Fürstenbrunn im Landschaftsschutzgebiet Untersberg, Oktober 2007
Eingriff ins Landschaftsschutzgebiet Untersberg, Oktober 2007

Da der Untersberg in einem Landschaftsschutzgebiet (Landschaftsschutzverordnung Untersberg, 1981) liegt, gelten für Eingriffe ins Landschaftsbild und in die Ökologie des Berges besondere Bestimmungen. Die Beachtung des Naturschutzes müsste überdies nach der auch im Bundesland Salzburg rechtsgültigen und völkerrechtlich verbindlichen Alpenkonvention erfolgen. Im Gemeindegebiet von Großgmain gibt es innerhalb des Landschaftsschutzgebiets auch noch den Naturpark Untersberg.

"Forstautobahn"-Problem

Der Großteil des Waldes ist im Besitz von Maximilian Mayr-Melnhof. Aufgrund von starken Stürmen und den daraus sich ergebenden Waldschäden im Jänner 2007 mussten aus diesem Waldgebiet größere Mengen Bruchholz abtransportiert werden. Unmittelbar nach dem Sturm "Kyrill" wurde im Februar 2007 unterhalb der Klingeralm mit dem Bau einer Forststraße begonnen, die wegen ihrer Anlage in den Medien vielfach als "Forstautobahn" bezeichnet worden ist.

Auf einem Stück im Bereich des Großen Brunntals erfolgte die Bringung des Holzes aus dem Sturmschaden auf einer großen Fläche durch Helikopter-Bringung. Einige hundert Meter westlich davon wird derzeit das Holz auf einer großen Fläche in etwa gleicher Höhe (ca. 1 100 m) im Bereich des Kühsteins mittels mobiler Seilbahn aufgearbeitet. Wieder einige hundert Meter westlich davon erfolgte der Bau der erwähnten "Forstautobahn". Begründet wurde dieser Bau mit einer drohenden Schädlingsplage (Borkenkäfer, Scolytidae). Weshalb allerdings in diesem Fall keine schonende Bringung, etwa durch Helikopter oder mittels mobiler Seilbahn, erfolgte, ist eine offene Frage. Die Forststraße ist bis zu einer Höhe von mehr als 1.000 m befahrbar. Aber auch entlang der befahrbaren Strecke wurde das Holz weder entrindet noch abtransportiert. Wäre die Borkenkäfergefahr der Grund für den Bau der Forststraße, hätte der mögliche Abtransport des Holzes längst erfolgen müssen.

Was den Bau der Forststraße an sich und ihre Ausmaße anlangt, so führte beides zu einer kontrovers und öffentlich über die Salzburger Medien geführten Diskussion zwischen Vertretern der Naturschutzbehörde, der Forstbehörde und dem Grundeigentümer einerseits sowie einer Gruppe von Landschafts- und Umweltschützern andererseits. Für den Bau der Forststraße erfolgten umfangreiche Rodungen.

Brauchtum

Alljährlich im Dezember findet in einem der Salzburger Orte am Fuße des Massivs Die Wilde Jagd vom Untersberg statt.

Interpretationen von Felsritzbildern rund um den Untersberg siehe auch: Wolfgang Kauer: Felsbilder der Ostalpen. Verlag Anton Pustet 2017

Sagen und Legenden

Hauptartikel: die Sagen um den Untersberg
siehe auch: Mittagsscharte

Die wohl bekannteste Sage ist die Sage vom Kaiser Karl im Untersberg.

Lokale Musikgruppen welche Untersberg Mythen verarbeiten

  • Walpurgi eine im Subgenre des Black Metals aktive Musikgruppe welche den Untersberg ihr Hauptaugenmerk geschenkt hat. Liedgut: "Vom Wodansberg", "Sirius B" oder "Die Wilde Jagd vom Untersberg" um nur einen kleinen Auszug zu nennen.
  • Sturmpercht aus St. Koloman eine Neofolk/Alpine Folk Band, diese Gruppe spielt traditionelle Instrumente und verarbeitet Sagen und Mythen unter anderem auch vom Untersberg. Liedgut: "Kaiser Karl", "Bergsturz" oder "Das wilde Gjoad" und "zur zwölften Stund`".
  • Rauhnacht, eine Black Metal Band aus Salzburg, jene Band brachte gerade Das Album "Vorweltschweigen" heraus, auf diesem Album findet man den Track "Untersberg".

Gemeinden um den Untersberg

Literaturtipps

  • Die Zauberkraft der Berge
  • Mythos Untersberg
  • Untersberg - Geschichten, Grenzgänge, Gangsteige
  • Hoch und Heilig
  • Der Untersbergcode
  • Steine der Macht - Band 1 - Das Mysterium vom Untersberg
  • Steine der Macht - Band 2 - Die Zeitkorridore vom Untersberg
  • Steine der Macht - Band 3 - Die Goldene Kugel im Untersberg
  • Steine der Macht - Band 4 - Das Isais Ritual am Untersberg
  • Steine der Macht - Band 5 - Finsternis im Zeichen des Kreuzes
  • Steine der Macht - Bildband - Großformat mit 350 Hochglanz Farbbildern
  • Steine der Macht - Band 6 - Die Kraft der heiligen Berge - Hardcover mit 16 Seiten Farbbildteil
  • Steine der Macht - Band 7 - Das Blut vom Untersberg - Hardcover mit 20 Seiten Farbbildteil
  • Kauer, Wolfgang: Der Mittagsberg, Satire auf die Zeitschleife in den Untersberg-Domen und den Birnbaum von Wals. In: Geheimnisvoll gewinnbringend. Arovell-Verlag Wien 2012
  • Kauer, Wolfgang: Felsbilder der Ostalpen, Das Erbe der Mondfrau, Verlag Anton Pustet, Salzburg, 2017

Siehe auch

Bilder

 Untersberg – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki    
 Untersberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons

Gemälde und Stiche

Auf zahlreichen Gemälden und Stichen vor allem der Romantik ist der Untersberg abgebildet. 1825 wird der Untersberg vom Landschaftsmaler Johann Michael Sattler auch auf seinem Salzburg-Panorama dargestellt[3].

Weblinks

Quellen

  • Heinz Dopsch, Ewald Hiebl: Kultur, Geschichte und Wirtschaft von Anif, Niederalm, Neu-Anif, 2003, Herausgeber: Gemeinde Anif,
  • Steinklang Records, Rauhnacht & Walpurgi Myspace Seite.
  • Salzburg und seine Landschaften, Erich Seefeldner, 1961, Verlag "Das Bergland-Buch"
  • Quellen und Gewässer: Salzburg und Umgebung, Kompass Wanderkarte 1:25 000
  • Lukas Plan: Verbale Beschreibung der Umgrenzung der Teilgruppen des Österreichischen Höhlenverzeichnisses, Stand 8. Jänner 2008, Verband Österreichischer Höhlenforscher, als pdf auf http://hoehle.org/

Fußnoten

  1. Quelle: Heinz Dopsch, Ewald Hiebl: Kultur, Geschichte und Wirtschaft von Anif, Niederalm, Neu-Anif, 2003, Herausgeber: Gemeinde Anif, Beitrag Rund um den Untersberg, Christian Uhlir, S. 32
  2. kaser kann vom lateinischen Wort casa = Hütte (Haus) und vom kasen = Käse erzeugen abgeleitet werden; Quelle: Heinz Dopsch, Ewald Hiebl: Kultur, Geschichte und Wirtschaft von Anif, Niederalm, Neu-Anif, 2003, Herausgeber: Gemeinde Anif, Beitrag Rund um den Untersberg, Christian Uhlir, S. 32
  3. vgl. Blick nach Süden