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Reinhold Tritscher

Reinhold Tritscher (* 1964 in Saalfelden am Steinernen Meer) ist Schauspieler und Regisseur.

Leben

Er besuchte die Höhere Internatsschule des Bundes in Saalfelden am Steinernen Meer, wo er erste erfolgreiche Gehversuche im Schülertheater machte. 1982 nach bestandener Reifeprüfung, übersiedelte er nach Salzburg, und begann zeitgleich ein Jus-Studium und eine Schauspielausbildung an der damaligen Elisabethbühne, heute Schauspielhaus Salzburg in Salzburg bei Georges Ourth.

Von 1982 bis 1991 war Reinhold Tritscher nach bestandenem Schauspieldiplom als Regisseur und Schauspieler, fallweise auch als Bühnenbildner an der Elisabethbühne - Schauspielhaus Salzburg beschäftigt. Die letzten drei Jahre bereitete er als Vorstandsmitglied und Technischer Leiter die Übersiedlung in den Petersbrunnhof vor.

1992 gab er ein kurzes Intermezzo als Behindertenbetreuer im Salzburger Konradinum und begann eine dreijährige Ausbildung in Postural Integration (Körpertherapie, Ende 1994 abgeschlossen) mit dem Ziel diese Art der Körperarbeit für das Theater zu nutzen;

Von 1991 bis 1993 folgten die ersten Projekte als freier Regisseur und Schauspieler

Iphigenie in Rauris von Peter Blaikner, Hiob in einer Fassung von Wolfgang Schröter,
„Ein Hungerkünstler“ nach einer Erzählung von Franz Kafka

1993 gründete er das erste freie Ensemble und begann gemeinsam mit Georg Daxner mit der Wiederbelebung des Salzburger Volksgartens als Spielstätte für außergewöhnliche Kunstprojekte. Er inszenierte und organisierte "Das Lächeln am Fuße der Leiter" nach einer Erzählung von Henry Miller und veranstaltete im Circuszelt eines 14-ägiges Festival freier Gruppen. Danach folgte Inszenierung und Tournee der "Flüchtlingsgespräche" nach einem Text von Bertolt Brecht.

Er wirkte als Darsteller in zahlreichen Filmen mit unter der Regie von Wolfram Paulus, Peter Patzak, Wolfgang Glück, u.a. kleinere Rollen in diversen Serien (Bulle von Tölz, Stockinger, u.a.)

Aus familiären Gründen, er ist Vater von 2 Söhnen, beschloss er hauptsächlich in Salzburg zu leben und zu arbeiten.

Die Sommermonate nutzte er für Inspiziententätigkeit bei den Salzburger Festspielen mit Deborah Warner, Heribert Wernicke, Peter Stein, Luca Ronconi mit dem Ziel, deren Regiearbeit zu studieren und den Umgang mit größeren Apparaten in zentraler Position zu erlernen

Er wirkte bei Theaterworkshops mit Gehörlosen bei Herbert Gantschacher mit und beschäftigte sich seit November 1995 mit Psychodrama als Co-Leiter einer Psychodramagruppe in der Christian Doppler Klinik Salzburg.

Er leitete seitdem zahlreiche Theaterworkshops mit Menschen mit und ohne Behinderung (Saalfelden am Steinernen Meer, Hallein, Mauerkirchen, Hollersbach im Pinzgau, Salzburg u.a.) über jeweils mehrere Jahre.

1997/1998 bearbeitete er "Nie wieder Arbeit" zu einem Theaterstück nach einem Text von Reinhard P. Gruber. Nach einigen Gastengagements am Salzburger Landestheater, an der Elisabethbühne Salzburg und reiste er mit „Nie wieder Arbeit“ durch Österreich, unter anderem in die Heimatgemeinde des begeisterten Autors.


Es folgte die Inszenierung der Jahrmarktsmoritat von Peter Weiss "Wie Dem Herrn Mockinpott das Leiden ausgetrieben wird" , ein Brecht-Abend zum "100-sten". Das war auch die Geburtsstunde des Theater ecce (www.theater-ecce.com ), das er seitdem künstlerisch und organisatorisch leitet.

1999 führte er Regie und war gesamtverantwortlich für das erste Großprojekt:„Das Leben ist ein Traum" von Calderón de la Barca, einer Inszenierung von Calderóns comédia unter Beteiligung von Schauspielern, Musikern, Akrobaten und Schauspielern mit Behinderung in einem Circuszelt im Salzburger Volksgarten.


2000 wagte er sich an das zweite Soloprojekt "Der Traum eines lächerlichen Menschen" nach einer Erzählung von Dostojewskij und startete im selben Jahr das Projekt "Theaterwerkstatt für Psychiatrieerfahrene"

2001 folgten "Stalin" von Gaston Salvatore und "Ikarus" - ein Stück für Menschen ab 4J. Mit der "Theaterwerkstatt für Psychiatrieerefahrene" gab er erstmals Einblicke in die „Himmelreichgasse 13 b“ – das Innere eines österreichischen Wohnhauses.

-Co Regie mit Wolf Junger "Wie Alexander die Welt erschuf" mit den "Blauen Hunden"(Theatergruppe von Menschen mit besonderen Fähigkeiten und Bedürfnissen der Lebenshilfe Salzburg) -Regie: "Rebellion in Blumenthal" Eine Beschäftigung der Amateurtheatergruppe Ebenau mit den Thesen des Philosophen und Nationalökonomen Leopold Kohr -Aufbau einer Theatergruppe für Menschen mit besonderen Fähigkeiten und Bedürfnissen gemeinsam mit Diakonie Gallneukirchen und Kulturverein Mauerkirchen -seit 1992 zahlreiche Theaterprojekte mit Jugendlichen oder Amateurtheatergruppen zu spezifischen Themen. Der Begriff der "sozialen Skulptur" spielt in meiner Arbeit eine immer größere Rolle.

2002"Waikiki Beach" von Marlene Streeruwitz Vorprojekte zu einem großen integrativen "Romeo und Julia" Projekt 2003 "Bremer Freiheit" von Rainer Werner Faßbinder "Der Sturm" von William Shakespeare (Amateurinszenierung mit der Seebühne Seeham)

Integratives Großprojekt "Romeo und Julia" als künstlerischer Beitrag zum EU Jahr der Menschen mit Behinderungen

2004 Integrative Aufführung “Don Quijote” nach einer Dramatisierung von Bulgakov

2005 stellte er mit seinem Theater ecce das Thema Armut in den Mittelpunkt Die vielbejubelte Premiere von “Schuld und Sühne”, einer Dramatisierung und Aufführung von Dostojewskijs Jahrhundertroman wurde gleichzeitig Auftaktveranstaltung der Aktion “Hunger auf Kunst und Kultur” in Stadt und Land Salzburg www.kunsthunger-sbg.at . Diese vom Schauspielhaus Wien übernommene Aktion wurde daraufhin von mehr als 70 Kultureinrichtungen in Stadt und Land Salzburg übernommen und breitet sich gerade über ganz Österreich aus. Das sieht Reinhold Tritscher als exemplarisch für seine Theaterarbeit. „Ich will mit Kunst gesellschaftliche Vorgänge thematisieren und ins Gespräch bringen, die ansonsten unter der Oberfläche bleiben.“

2006 feierte er mit dem Theater ecce „10 Jahre ecce“ mit einem Russland Schwerpunkt. Eine Dramatisierung von „Hundeherz“ von Michail Bulgakov, die Wiederaufnahme von „Schuld und Sühne“ und eine Bearbeitung des russischen Volksmärchens „der Feuervogel“ mit SchauspielerInnen und Akrobaten stand auf dem Spielplan. Einen Dokumentarfilm gestaltete er zur Ausstellung „NS Euthansie in Salzburg“ gemeinsam mit dem Filmproduzent Herman Peseckas.

2007 war er organisatorisch und künstlerisch hauptverantwortlich für die Produktion „Jedermensch“ – ein integratives Großprojekt zu „40 Jahre Lebenshilfe“ mit durchschlagendem Erfolg. www.jedermensch.at

“ Macbett” von Eugene Ionesco wurde in der Großen Halle des Salzburger Lehrbauhofs zu einem künstlerischen Erfolg.

Mit demselben Ensemble Inszenierung des „Märchen von einem der auszog das Gruseln zu lernen.“

Seit 5 Jahren ist Reinhold Tritscher Vereinsobmann des Vereins „Winterfest im Volksgarten“ www.winterfest.at, einem von Georg Daxner ins Leben gerufenen Winterfestival, das alljährlich Weltklasseakrobatik aus dem Bereich des nouveau cirque nach Salzburg bringt und jährlich weit über 17.000 Zuschauer begeistert.

2008 „Nachtasyl“ von Maxim Gorki wird als Gemeinschaftsprojekt mit der Lebenshilfe Salzburg, der LAUBE-sozialpsychiatrischen Gesellschaft GmbH, dem SOS Clearinghouse für jugendliche Flüchtlinge und vielen anderen Institutionen aus Kultur und Sozialem realisiert. Eine Produktion mit insgesamt ca. 40 Beteiligten, darunter etwa 20 Menschen mit Beeinträchtigung, Menschen mit psychischen und sozialen Problemen, Obdachlose und Menschen mit migrantischem Hintergrund neben professionellen SchauspielerInnen und Musikern. 16 Aufführungen im September/Oktober/November 2008 in der großen Halle der Bauakademie Lehrbauhof Salzburg.

„Himmelreichgasse 13b“ Im November 2008 gab es unsere erste Spielfilmarbeit zu betrachten. Die jahrelang von uns vorbereitete und jetzt von der LAUBE produzierte Filmfassung der „Himmelreichgasse 13b“, in der es um das Innenleben der Bewohner eines durchschnittlichen österreichischen Wohnhauses geht. Darsteller sind die Teilnehmer der LAUBE- Theaterwerkstatt. Die Dreharbeiten wurden bereits 2007 abgeschlossen. Diese Komödie ist die Verfilmung von drei mit der Laube Theaterwerkstatt erarbeiteten Aufführungen. Buch und Regie stammen von Reinhold Tritscher, Kamera und Schnitt vom Salzburger Filmproduzent Hermann Peseckas.

November 2008 Inszenierung „Der nackte König“, Märchenkomödie nach Andersen von Jewgenij Schwarz für die ganze Familie

2009 Inszenierung von Shakespeares "Sturm" und das Familienstück "Die verzauberten Brüder" von Jewgenij Schwarz. Aufbau einer Plattform für "cross sectoral and community arts" auf. (Näheres unter www.theater-ecce.com) Arbeit an einem Drehbuch, gemeinsam mit Hermann Peseckas und Andreas Baumgartner

Jugendprojekte: Reinhold Tritscher leitet seit mehr als 10 Jahren Schüler-und Jugendtheaterprojekte für zahlreiche Institutionen (Akzente Salzburg, Salzburger Osterfestspiele-Jugend und Osterfestspiele, Bildungswerkstatt Schmetterlingsschule Ried, div. Volkshochschulen u.v.a)


2010 Von Mai 2010 – September 2014 Künstlerische Leitung des Odeion Kulturforum Salzburg

Inszenierung von „Harun und das Meer der Geschichten“ von Salman Rushdie als inklusives Großprojekt mit ProfischauspielerInnen, Den „Blauen Hunden“ (Theatergruppe der Lebenshilfe Salzburg, Mitgliedern der LAUBE Theaterwerkstatt und Live Musikern)

2011 Inszenierung von „Moliere und die Kabale der Scheinheiligen“ von Michaiil Bulgakov und „Zar Wasserwirbel“ von Jewgenij Schwarz, diverse theaterpädagogische Projekte, Konzeption des Theaterfestivals „Fremd in der Fremde“ mit diversen internationalen Freien Produktionen und dem Russischen Nationaltheater der Ukraine „Lessja Ukrainka“ im Odeïon Kulturforum Salzburg

2012 Inszenierung von „Jeppe vom Berge“ Volkskomödie von Ludvig Holberg in der deutschen Bearbeitung von H:C: Artmann und Herbert Wochinz

Neben der künstlerischen Leitung des Odeïon Kulturforums Probenarbeit an Kindermusical „Till Eulenspiegel“ von Peter Blaikner und Konstantin Wecker und Vorbereitungsarbeiten zu einem großen inklusiven Projekt zum Peer Gynt Stoff.

2013

Gastspiel am Russischen Nationaltheater in Kiew mit Jeppe vom Berge, Inszenierung des inklusiven Theaterprojektes „Peer Gynt“

2014

Inszenierung von „Gegen den Fortschritt“ von Esteve Soler an der Deutschen Abteilung des Nationaltheaters Radu Stanca in Sibiu/Hermannstadt und Vorbereitung einer mehrjährigen Kooperation. Aufführung der „Against Trilogie“ von Soler in Salzburg und Sibiu

Als Finalist des „Award for Social Integration“ Absolvent der ngo Academy der ERSTE Foundation in Zusammenarbeit mit dem ngo competence center der Wirtschaftsuniversität Wien, einem maßgeschneiderten dreiwöchigen Intensivlehrgang für Führungskräfte im ngo Bereich in Südost und Mitteleuropa

Inszenierung von „Der zerbrochene Krug“ in sieben Sprachen im Heckentheater im Salzburger Mirabellgarten

Ende September 2014 beendet er seine Tätigkeit als Künstlerischer Leiter des Odeïon Kulturforum.

2015 wurde mit „Die Schneekönigin“ in Zusammenarbeit mit der Tourismusregion Saalfelden Leogang, den Leoganger Bergbahnen, der Gemeinde Leogang, der Lebenshilfe Salzburg und Pinzgau und der LAUBE Sozialpsychiatrische Aktivitäten GmbH ein großes inklusives Theaterprojekt äußerst erfolgreich zur Premiere gebracht. Die Zusammenarbeit mit der Region wurde durch Freilichtaufführungen "des zerbrochnen Krugs", der in diesem Zusammenhang auch noch eine Aufführungsserie im Heckentheater des Salzburger Mirabellgartens erlebte, fortgesetzt.

Aktuell ist im Dezember 2015 die „Schneekönigin“ von Jewgenij Schwarz als inklusive Aufführung in Salzburg zu erleben. Am Aufbau einer regionalen Theaterschiene in der Region Saalfelden-Leogang wird ebenso gearbeitet wie an der Intensivierung der internationalen Kooperationen. In der Stadt Salzburg liegt derzeit neben den Produktionen ein Schwerpunkt auf der Realisierung eines „Zentrums für community arts“. Die internationalen Kooperationen mit den Nationaltheatern in Kiew/Ukraine und Sibiu/Rumänien sollten dabei auch noch aufrecht erhalten und intensiviert werden.

Er hat für seine Theaterarbeit folgende Auszeichnungen erhalten:

-Gerard Mortier reihte die Arbeit des Theater ecce beim „Preis für Menschenrechte und Integration“ an erster Stelle.

-Maecenas Hauptpreis 2003 – Österreichischer Kunstsponsoring Preis für “Romeo und Julia” „für ein Gesamtkunstwerk auf höchstem Niveau“ lautete die Begründung der internationalen Jury

-Ferdinand Eberherr Regiepreis 2002 für die beste Inszenierung mit einer Amateurtheatergruppe im Land Salzburg

-Förderpreis des Kulturfonds der Stadt Salzburg 2003

-Nike Preis des Landtagsclubs der SPÖ Salzburg 2003 für Integrative Theaterarbeit mit Wolf Junger und den Blauen Hunden (Theatergruppe der Lebenshilfe Salzburg)

-Würdigungspreis der Republik Österreich für realisierte Kunstprojekte zur Integration von Menschen mit Behinderung 2004

-2007 Prämie des Bühnenbeirates der Republik Österreich für die Inszenierung von “Macbett” von Eugene Ionesco

-2008 “Rose für Menschenrechte” der Salzburger Plattform für Menschenrechte für das Ensemble von “Nachtasyl” von Gorki. (Inszenierung unter Beteiligung von Profis, Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen, jugendlichen Flüchtlingen aus insgesamt 14 Nationen)

-2009 Prämie des Bühnenbeirates der Republik Österreich für “Der Sturm” von W. Shakespeare

-2014 Auswahl in die Endrunde des Award for Social Integration der “Erste Foundation”

Quelle

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