Sibirien-Schwertlilie

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Sibirien-Schwertlilie (Iris sibirica) auf einer Streuwiese im Vorfeld des Untersberges. Foto: Günther Nowotny
Nachzucht der Sibirien-Schwertlilie durch die Biotopschutzgruppe HALM. Foto: Bernhard Schmall

Die Sibirien-Schwertlilie, auch Sibirische Schwertlilie, Blaue Schwertlilie oder Wiesen-Schwertlilie (Iris sibirica L.) genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Schwertlilien (Iris) innerhalb der Familie der Schwertliliengewächse (Iridaceae).

Beschreibung

Die Sibirien-Schwertlilie ist eine ausdauernde, krautige, 45 – 90 (120) cm hohe Pflanze. Als Überdauerungsorgan wird ein kräftiges Rhizom gebildet, das sich mit zunehmendem Alter immer mehr verzweigt, wodurch im Laufe der Jahre große Horste entstehen. Alle oberirdischen Teile sterben im Herbst ab; im Frühjahr erscheinen schmale, bläulich-güne, 0,5 – einen Zentimeter breite schwertförmige Blätter.

Der Blütenstängel ist stielrund, hohl, und zur Blütezeit mit wenigen Ausnahmen länger als die Blätter. Pro Stängel werden ein bis drei Teilblütenstände mit jeweils ein bis drei Einzelblüten gebildet, die in Form eines so genannten "Fächels“ (Rhipidium) zickzackförmig verzweigt sind. Die Einzelblüten sind kurz gestielt, und stehen in der Achsel eines kleinen trockenhäutigen Tragblattes. Reich blühende Stängel tragen sieben, in seltenen Fällen bis zu acht Einzelblüten.

Eine Einzelblüte besteht aus sechs blauvioletten Blüten- (Perigon-)blättern (es treten im Freiland sehr selten weiß blühende Mutationen auf). Die drei äußeren Blütenblätter hängen nach unten und werden "Hängeblätter“ genannt. Diese sind an der Spitze blauviolett, gegen den Grund weißlich mit dunkel blauvioletter Aderung und verschmälern sich plötzlich zum braungelben, purpurn geaderten "Nagel“ (Anlockfunktion und Orientierungshilfe für Bestäuber). Die drei inneren, deutlich kleineren blauvioletten Blütenblätter stehen aufrecht und werden als "Domblätter“ bezeichnet. Der Griffel ist dreiästig, über jedem Hängeblatt steht ein blumenblattartig gestalteter blauvioletter Griffelast, welcher nahe dem aufwärts gekrümmten Ende unterseits als Empfangsorgan für den Pollen die unscheinbare Narbe, einen kleinen schuppenartigen Lappen, trägt. Den zwei Blütenblattkreisen folgt ein Kreis mit drei Staubblättern. Jedes Staubblatt liegt unter jeweils einem Griffelast. Die Bestäubung erfolgt üblicherweise durch Hummeln. Eine Selbstbestäubung ist nicht möglich.

Als Frucht wird eine Kapsel gebildet, die bei der Samenreife (meist Ende August/Anfang September) von der Spitze her dreispaltig aufspringt. Die hell- bis schwarzbraun gefärbten, stark abgeflachten hartschaligen Samen werden durch Stoß- bzw. Schüttelausbreitung entlassen.

Standorte

Die Sibirien-Schwertlilie kommt auf nassen Wiesen, in (Flach-)Mooren, auf Sumpfwiesen und im Röhricht vor.

Verbreitung im Bundesland Salzburg

Mit Ausnahme des Lungaues sind natürliche Vorkommen im gesamten Bundesland Salzburg bekannt. Schwerpunktmäßig tritt die Art im Flachgau auf.

Bestandsstützung durch Aussaat auf Probeflächen im Gelände, ein Projekt der Biotopschutzgruppe HALM. Foto: Bernhard Schmall

Gefährdung und Schutz

Die Sibirien-Schwertlilie ist salzburg- und österreichweit als „stark gefährdet“ (Rote Liste: 2) eingestuft. Im Bundesland Salzburg zählt sie zu den „vollkommen geschützten Pflanzen“.

Der Hauptgrund für die starke Dezimierung und Gefährdung liegt im Verlust und in der Veränderung ihrer Lebensräume (insbesondere Umwandlung von Streuwiesen in Intensivgrünland oder Fichtenforste, Nutzungsaufgabe und anschließende Verbrachung und Verbuschung der letzten verbliebenen Streuwiesen). Nur durch gezielte, fachlich fundierte Pflegemaßnahmen, wie sie beispielsweise die Biotopschutzgruppe Halm seit vielen Jahren durchführt, ist eine positive Bestandesentwicklung möglich.

Bildergalerie

Literatur und Quellen

  • Dörken, V.M. (2013): Iris Sibirica - Sibirische Schwertlilie (Iridaceae). Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 4: Seite 191-194
  • Gontova, T.N. & O.A. Zatylnikova (2013): Comparative morphological and anatomical study of leaves and stems of Iris pseudacorus and Iris sibirica. Int. J. Pharm. Pharm. Sci. 5: Seite 574-578
  • Hegi, G. (1939): Illustrierte Flora von Mitteleuropa. Bd. 2. Weissdorn Verl., Jena. 532 Seiten
  • Kirchner, O.v. (1911): Blumen und Insekten. Teubner, Leipzig. 436 Seiten
  • Niklfeld, H. & Schratt-Ehredorfer, L. (1999): Rote Liste gefährdeter Farn- und Blütenpflanzen Österreichs. In: Rote Listen gefährdeter Pflanzen Österreichs, 2. Auflage, (ed. Niklfeld, H.): 10. Grüne Reihe des Bundesministeriums für Umwelt, Jugend und Familie, Graz: Seite 33-151.
  • Nowotny, G. (2010): Die Sibirische Schwertlilie. Blume des Jahres 2010. NaturLand Salzburg Heft 3: Seite 25-27
  • Szöllösi, R., Medvegy, A., Németh, A., Kálmán, K. & E. Mihalik (2010): Intra-inflorescence variations in floral morphological and reproductive traits of Iris sibirica L. Acta Biol. Szeged 54(2): Seite 103-110
  • Verordnung der Salzburger Landesregierung vom 29. Jänner 2001 über den Schutz bestimmter wild wachsender Pflanzen in der freien Natur und den Schutz frei lebender Tierarten (Pflanzen- und Tierarten-Schutzverordnung), LGBl. Nr. 18/2001
  • Weberling, F. (1981): Morphologie der Blüten und der Blütenstände. Ulmer, Stuttgart. 391 Seiten
  • Wittmann, H., Pilsl, P. & Nowotny, G.: Rote Liste gefährdeter Farn- und Blütenpflanzen des Bundeslandes Salzburg. 1966, 5. Aufl., Naturschutzbeiträge (ed.: Amt d. Salzb. Landesreg., Naturschutzreferat) 8/1996: Seite 1 - 83