Borstenvieh und Donauwalzer

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Titelbild Buch Borstenvieh und Donauwalzer

Buchtipp Borstenvieh und Donauwalzer, Geschichten und Bräuche rund um den Jahreswechsel.

Autor: Reinhard Kriechbaum
Verlag: Verlag Anton Pustet
Erscheinungsjahr: 2017
ISBN 978-3-7025-0875-3

Angaben vom Verlage

"The same procedure as every year?" Ja, jedes Jahr das Gleiche, gerade zum Jahreswechsel, denn die Wiederholung ist das Wesen aller Bräuche. So wünschen wir zum Beispiel immer wieder aufs Neue „einen guten Rutsch“, womit aber niemand aufs Glatteis geschickt werden soll! Auf solches begeben wir uns nämlich sprachgeschichtlich mit diesem Glückwunsch. Für den nicht minder verbreiteten Wunsch „Prosit Neujahr“ nehmen wir bei den alten Römern Anleihe: „pro sit“ – es möge gut sein, es soll gedeihen – sagen wir in der Sprache des Gaius Iulius Caesar.

Gibt es zu Silvester und Neujahr eigentlich noch mehr Bräuche als Bleigießen und Raketenschießen? Aber ja doch: Eine Vielzahl unterschiedlicher Rituale und Gepflogenheiten, Umzüge und Maskeraden werden in diesem Buch auf interessante und amüsante Weise vorgestellt. Altes, wie es seit Generationen eingebürgert ist, und Neues, das der gegenwärtigen urbanen Betriebsamkeit entspricht – ein bunter Mix und ein Bild unserer Zeit. Sodann, „pro sit“ – und auf den Butler mit Gebrüll!

240 Seiten, durchgehend farbig bebildert, Format 15,7 x 12 cm, Hardcover

Salzburgbezogene Themen

Prangerschützen, Sternschießen rund um Salzburg, Aperschnalzen, Perchten, Tresterer, Pongauer Perchtenlauf, ein Perchtenumzug und ein altes Volksschauspiel in Golling an der Salzach, Glöcklerlauf;

Rezension 1

wahllos-krampfhaft zusammengetragene, durchaus interessante Texte in eigenartigem Format

Zugegeben, was der Titel verspricht, befindet sich auch im Buch. Dass ein guter Teil der Bräuche aus Deutschland und der Schweiz stammen, schließt ja der Titel ebenfalls nicht aus. Allerdings ist es in meinen Augen ein kunterbuntes Durcheinander, das bei manchen Beiträgen den Eindruck erweckt: Hauptsache, das Buch wird voll! Und weil bei manchen Beiträgen die „Suppe sehr dünn“ ist, wurde das Buch in kleinem Querformat gedruckt und mit mehr oder weniger themenbezogenen ganzseitigen (kleinseitigen) Bildern versehen.

Beispiele bei Bildern: Der Oberteil einer Steinfigur beim Kapitel „Schalten und walten“ – in welchem Bezug diese Figur zum Artikel steht, konnte ich nicht erlesen. Gleiches gilt für das Bild mit brennenden Kerzen bei „Musste es überhaupt der 1. Jänner sein?“ Beim Kapitel „Abschied vom alten Jahr“ sieht man ein helles Winterbild eines jungen Waldes, eigentlich Sträucher.

Textbeispiele: „Dinner for one“ und „Neujahrsbock, Pelzböcke und Strohbären“ (in ganz Deutschland) sind gerechtfertigte „Geschichten und Bräuche“, wenngleich „Dinner for one“ auch so eine „Grenzgeschichte“ ist. Weniger verständlich der Beitrag „Sieben Punkte müssen es sein“, in dem zwei Seiten über Marienkäfer, Mutter Gottes und Blattläuse geschrieben wird. Erst im letzten Satz erschließt sich ein möglicher Zusammenhang mit dem Buchtitel und der ist versteinert und 20 000 Jahre alt. Beim Schornsteinfeger erfährt man etwas aus früheren Feuerordnungen und von Emissionen – nicht uninteressant, nur bringe ich derartige Informationen nicht mit dem Jahreswechsel in Zusammenhang. Wohl das Kapitel über Feuerwerke zu Silvester und die extrem hohe Feinstaubbelastung. Gut geschrieben Herr Kriechbaum, doch „Borstenvieh und Donauwalzer“ haben zumindest mir etwas Unterhaltsames signalisiert und da wie will der Leser vielleicht jetzt nicht Vergleichszahlen über die Feinstaubbelastung lesen. ISO- und DIN-Regeln müssen in einem einigen Kapitel für „Dez.“ und 31-12-2017, 23:59:59 Uhr usw. herhalten (wahrscheinlich im nächsten Buch dann für Ostern).

Und noch ein Beispiel, weshalb ich mit diesem Buch nicht ganz zurechtkomme. Ein Vierzeiler von Joachim Ringelnatz leitet eineinhalb Seiten mit den Worten „Für spöttische Kommentare war Ringelnatz immer gut“ ein. Fällt unter (wahllose) Geschichten.

Nach Neujahrsschreien im Allgäu, dass Fondue und Raclette „echte Silvesteressen“ sind und leichten Schlägen fürs Wohlergehen, kommen doch auch noch einige alpenländische Bräuche zur Sprache. Etwas gewöhnungsbedürftig ist der in meinen Augen übermäßig dicke Harteinband und die eigenartige Absatzgestaltung (mal zwei Zeilen Abstand, dann wieder gar keine Zeile Abstand zwischen Absätze). Irgendwie wirkt dieses Buch vom Autor „wie von losen Blättern in der Schublade herumliegend“ geschrieben und vom Verlag billig produziert.

Aber, und das ist Grund, weshalb ich das Buch dann doch bis zum Ende gelesen habe: Kriechbaum versteckt in den 240 Kleinseiten durchaus viel Wissenswertes.

Rezension 2

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