Percht

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Die Percht von ihrer hellen Seite beim Goldegger Perchtenlauf. Ihre Kehrseite ist schwarz gewandet und weist eine Art Hexenlarve auf
Schönperchtenmaske eines Teilnehmers des Goldegger Perchtenlaufes
Schiachpercht beim Goldegger Perchtenlauf am 1. Jänner 2015

Der Begriff die Percht geht vermutlich auf die sagenhafte und mythische Gestalt der Bercht oder auch Percht zurück. Die Percht tritt selbst als Hell- oder Dunkelgestalt auf.

Percht

Diese mystische Göttin ist unter vielen Namen bekannt, im Alpenraum unter Percht, Berchta oder Berta. Der Legende nach wohnt sie im Holunderstrauch. Dieser wiederum hat seinen Namen vom altdeutschen holuntar und bedeutet Baum der Frau Holle. Auch in Orts- und Straßennamen findet sich die Percht wie beispielsweise in Perchtoldsdorf, Berchtesgarden (der 'Garten der Percht'), Hollabrunn (Brunnen der Holle), die Prechtlgasse und der Schwarzenbergplatz (Platz der schwarzen Percht) in Wien; im Wappen der oberösterreichischen die Stadt Perg zeigt sogar die alten Farben der dreifaltigen Göttin (weiß, rot, schwarz).

In Sagen tritt sie häuft im Zusammenhang mit toten Seelen auf oder holt die Seelen der Sterbenden zu sich. Als Wintergöttin tritt sie in den Raunächten zwischen 25. Dezember und 6. Jänner in Erscheinung. Sie steigt von den Bergen ins Tal herunter, wo sie aufgrund ihres ausgeprägten Gerechtigkeitssinn nach dem Rechten sieht. Dabei greift sie auch zu drastischen Mittel und braust mit ihrem Wilden Heer wie ein Sturm durch das Land. Freche oder brutale Männer bestraft sie auf ihren Touren, reißt Zäune und Bäume nieder oder lässt Fenster zerspringen. Betrunkene erschreckt sie zu Tode oder stößt sie in den Straßengraben.

Aber Frauen und Kinder beschützt sie.

Die Spindel wird ihr als Attribut zugeordnet, was sie als alte und mächtige Göttin ausweist. Sie kommt daher auch in europäischen Märchen oft vor, wie z. B. in "Dornröschen" oder "Pechmarie und Goldmarie"

Sie war auch Wegweiser in früheren Zeiten, was das Verhalten am Höhepunkt der kalten Jahreszeit angeht. In den Raunächten durfte nicht gewaschen, gesponnen, gewebt geputzt - sie sorgte somit Schutzgöttin der Frauen dafür, dass die Frauen ein Zeit der Ruhe hatten.

Manchmal findet man noch den schönen Brauch, dass für die Percht und ihr Gefolge Speisen wie Milch oder Hirsebrei in Raunächten ins Freie gestellt werden. Waren die Schüsseln am nächsten Morgen leer gegessen und getrunken, wurde als gutes Omen für Haus und Hof gedeutet. Die Percht in Form der Frau Holle gilt nämlich auch als Beschützerin von Haus und Hof und deren Bewohnern. Man konnte Frau Percht auch nächtens mit den Ärmsten von Haus zu Haus ziehen sehen, wo sich diese satt essen konnten.

Wer einen Hollerstrauch - ihren Wohnort - umschneidet zieht sich ihren Zorn zu.

Perchten

Perchtengestalten spielten häufig in Heischebräuchen eine wichtige Rolle.

Schönperchten

Hauptartikel Schönperchten

Salzburger Schönperchten (barocker Prägung) sind beispielsweise die Pongauer Tafelperchten, die beim Pongauer Perchtenlauf in Sechser-, Zwölfer- oder Achzehnerpaaren unter Einlage gelegentlicher Tanzschritte teilnehmen. Auch die Tresterer, im Bundesland Salzburg vertreten durch die Tresterer Stuhlfelden und die Tresterer Zell am See, zählen zu den Schönperchten. Ihr Perchtenlauf mündet in einem beeindruckenden Tanz, der durch die von den Tresterern getragenen Federkrone und den daran befestigten langen Bändern bis heute mystisch wirkt.

Schiachperchten

Hauptartikel Schiachperchten

Schiachperchten, auch Schiache Perchten genannt, sind mit meist dunklem Pelzwerk oder zotteliger Kleidung tierhaft verlarvte Burschen und Männer. Ihre Gesichtsmasken bestehen aus geschnitzten Larven, darunter auch solche von Fabelwesen, die mit Schnabel oder beweglichem Kiefer ausgestattet sind. Holzlarven mit grob menschlichen Zügen und Bockshörnern findet man vom Salzburger Gasteinertal bis in den Balkan.

Eine zweite Gruppe der 'Schiachen Perchten' sind jene mit Teufelsmasken. Die einstigen Schiachperchtenläufe am Vorabend des St. Nikolaus-Tages, wie zum Beispiel in Rauris, haben längst eine Wandlung zu einem „Neubrauch“ durchgemacht und sind zu Events an jedem denk- und undenkbaren Ort mutiert, die nur noch wenig mit ihrem Ursprung zu tun haben.

Literatur

  • Kauer, Wolfgang: Frau Perchta und die Schnabelkanne. Ikonografischer Roman, Verlag Edition Innsalz, Ranshofen, 2013
  • Kauer, Wolfgang: Frau Venus auf Wanderschaft. Ikonografischer Roman, Verlag Edition Innsalz, Ranshofen, 2015
  • Kauer, Wolfgang: Felsbilder der Ostalpen - Das Erbe der Mondfrau. Verlag Anton Pustet, Salzburg, 2017

Quellen