Aperschnalzen

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Rupertiwinkel-Preisschnalzen 2005 Loig bei Salzburg
:Schnalzergruppe Bergheim

Aperschnalzen ist ein alpenländisches Brauchtum, das im Bundesland Salzburg und dem Rupertiwinkel sehr lebendig gepflegt wird.

Die Wurzeln liegen im Dunklen

Die Wurzeln des Aperschnalzens sind unklar. Von der Volkskunde wird das Aperschnalzen jedenfalls dem „Lärmbrauchtum“ zugeordnet. Seine ursprüngliche Bedeutung sei die Vertreibung des Winters sowie das Wecken des Frühlings gewesen. Das Wort aper komme vom althochdeutschen Wort „apir“, das heißt vom Schnee befreit. Früher wurde es auch häufig als „Faschingsschnalzen“ bezeichnet, weil man es nur in der Zeit vom Dreikönigstag bis zum Faschingsdienstag ausübte.

Älteste schriftliche Erwähnung des Aperschnalzens

Die älteste schriftliche Erwähnung des „Apachschnalzens“ geht auf das Jahr 1796 zurück. Allerdings wird hier von einem Schnalzen „der Hirten“ im Lungau berichtet, das „den ganzen Sommer durch auf den Alpen“ dauerte und im Spätherbst mit dem Almabtrieb endete. Also zeitlich genau das Gegenteil vom Aperschnalzen im bayrischen Rupertiwinkel sowie im angrenzenden Salzburg, das im Winter ausgeübt wird und auf die Zeit vom Stefanitag bis Faschingsdienstag begrenzt ist. Umso „dramatischer“ wird uns das Aperschnalzen der Hirten auf den Almen geschildert: Es sei „mit der äußersten Anstrengung der Leibeskräfte“ verbunden gewesen, wobei die Ausübenden „nicht selten darunter Schaden“ gelitten hätten.

Aperschnalzen im bayrischen Rupertiwinkel und in Salzburg

Das Aperschnalzen, von dem hier die Rede ist, wird ausschließlich zwischen dem Stefanitag und dem Faschingsdienstag imRupertiwinkel, also zwischen Tittmoning und Piding und in dem angrenzenden Salzburger Flachgau sowie in Teilen der Stadt Salzburg ausgeübt. Historisch war dieses Gebiet einst zur Gänze im Besitz des Erzbistums Salzburg. Der Rupertiwinkel kam erst 1816 durch die aufgrund der Napoleonischen Kriege ausgelöste Neuordnung Europas endgültig zu Bayern.

Der Rupertiwinkl: die Karte zeigt einen Teil Salzburgs im Jahr 1803. Der Rupertiwinkel hat hier noch zu Salzburg gehört. (Quelle: Heinz Dopsch, Hans Spatzenegger: Geschichte Salzburgs, Band II, 1. Teil, Seite 355.)

Schnalzverbot in Laufen

Die älteste schriftliche Erwähnung des Aperschnalzens im Rupertiwinkel geht auf das Jahr 1810 zurück und stammt aus dem Pfleg-, Stadt- und Landgericht Laufen. Hier ist bereits die Rede, dass „an Fastnachtstägen“ von „den Jungen auf dem Lande in regelmäßigen Takte ein Geknalle mit langen Peitschen“ gemacht werde. Ebenfalls aus Laufen wird 1829 berichtet, dass eine Gerichts-Verordnung versucht, die durch das Schnalzen verursachte Lärmbelästigung in den Griff zu bekommen. Es wurde ein Schnalzverbot in Ortschaften, an Straßen sowie nach dem Gebetsläuten und während der Gottesdienste erlassen, für Übertretungen wurde unter anderem „Arrest“ angedroht.

Knatternde Takte

Aperschnalzen um 1916, Eine historische Darstellung des Aperschnalzens um 1916. Gut erkennbar das immer wieder erwähnte, heute aber völlig unübliche, Aufstellen im Kreis.

Um etwa Jahr 1889 liest man zum ersten Mal, dass beim Aperschnalzen mit „langen und kürzeren Peitschen nach der Höhe der Töne ... im Takte ein Knattern“ hervorgebracht wird. Ein noch genauerer Bericht liegt aus dem Jahr 1916 vor: Die Schnalzer stellen sich „in langer, gerader Linie oder im ausgedehnten Kreise auf“. Der „Aufdrahrer“ hat die leichtere „Peitsche“. Der letzte in der Reihe, der „Baß“, ist der kräftigste Mann unter den Schnalzern mit der längsten „Peitsche“, die am tiefsten knallt. Auch die Anzahl der Schnalzer wird erwähnt; 7, 9 oder 11 Schnalzer bilden eine Gruppe. Hier wird neben dem hintereinander Schnalzen auch vom gleichzeitigen Schnalzen aller Teilnehmer, dem „Basch“, berichtet.

Geselliges Beisammensein und Kräfte messen

Um 1916 wird von „Ausflügen in die umliegenden Orte, so von Siezenheim nach Wals, Gois, Himmelreich, Rott, Liefering und Maxglan“ berichtet. Sind die Schnalzer in einem Nachbarort angesagt, „so werden sie von den Buben des Ortes mit fröhlichem Knallen empfangen; hierauf wird Aufstellung genommen und um die Wette geschnalzt um zu zeigen, wer den besten Baß besitzt“. Offenbar lag hier der Schwerpunkt der Beurteilung noch in der Ermittlung des Lautesten der Gruppe (des Basses) und nicht so sehr bei der Beurteilung von Gleichmäßigkeit, Rhythmik und Lautstärke der gesamten Schnalzer-Gruppe. Vielleicht leitet sich die heutige Bezeichnung „Pass“ für eine Schnalzergruppe von dem Letzten der Gruppe, dem „Baß“, und der besonderen Bedeutung seiner Lautstärke bei Wettschnalzen in früherer Zeit ab.

Die Wettkampf-Idee

Wie es zur Idee kam, nicht nur von Dorf zu Dorf zu ziehen und sich zu messen sondern regelrechte Wettkämpfe zwischen mehreren Orten zu veranstalten, ist nicht ganz klar. Hans Roth führt es auf die verstärkte Brauchtumsbelebung zu Beginn des 20. Jahrhunderts und die damit verbundene Gründung von Gebirgstrachten-Erhaltungsvereinen zurück. Paul Kaufmann dagegen meint, der Wettkampfgedanke sei eingeführt worden, um dem schon fast abgekommenen Brauch einen neuen Aufschwung zu verleihen. Hans Roth erwähnt in diesem Zusammenhang ein Wett-Schnalzen in der Stadt Laufen im Jahr 1909 mit „153 Teilnehmern aus den umliegenden Dörfern“, also eine Veranstaltung mit schätzungsweise etwa 15 Gruppen.

Ein Zeitungsbericht aus dem Jahr 1938 belegt, dass der Wettkampfgedanke den im versiegen begriffenen Brauch wieder beleben sollte. Hier wird vom zweiten Wettschnalzen in Maxglan berichtet und ausgeführt: „ Wenn man bedenkt, dass das Faschingsschnalzen in den letzten Jahrzehnten im Salzach-Saalach-Winkel allgemach immer mehr in Vergessenheit geriet, ja, dass sich sogar in ehemaligen großen Schnalzerortschaften gar keine Gruppen zur weiteren Betreuung mehr zusammen fanden, sahen wohl manche Volkstumfreunde das gänzliche Verflackern dieses alten Brauchtums voraus“.

Die Wandergoaßln von 1936 und 1938

Der Wettkampfgedanke war zweifellos die mit Abstand wichtigste Antriebsfeder, um das Aperschnalzen so populär zu machen. Nur so ist es zu erklären, dass heute weit über 100 allgemeine Passen und über 50 Jugendpassen regelmäßig am Rupertiwinkel-Preisschnalzen teilnehmen und diese Veranstaltung immer von mehreren tausend Zuschauern besucht wird. Bei dieser mit Abstand größten Schnalzer-Veranstaltung nehmen Passen aus Bayern und Salzburg teil. Dem Sieger bei den allgemeinen Passen winkt unter anderem eine Wandergoaßl als Siegespreis.

Was viele nicht wissen ist die Geschichte dieser Wandergoaßl: Sie wurde 1936 vom Salzburger Landestrachtenverband gestiftet. Beim zweiten Wettbewerb 1938 traten auch Jugendpassen an, für die als Siegespreis ebenfalls eine Wandergoaßl gestiftet wurde. Für die beiden Wanderpreise galt: Wer eine Wandergoaßl dreimal hintereinander gewinnt, soll sie für immer behalten dürfen. Bei der Jugendwandergoaßl trat dieser Fall bereits 1940 ein, weil die Siezenheimer Jugendpass den Jugendbewerb 1938, 1939 sowie 1940 gewann. Seit dieser Zeit befindet sich die Jugendwandergoaßl im Besitz der Siezenheimer Schnalzer.

Wandergoaßln von 1936 und 1938

Bild rechts: Die beiden Wanderpreise direkt nebeneinander. Oberhalb die "Wandergoaßl der Jungen", die sich seit 1940 im Besitz der Siezenheimer Schnalzer befindet und unterhalb die "Wandergoaßl der Alten", um die noch heute beim Rupertiwinkel-Preisschnalzen gekämpft wird. Die "Wandergoaßl der Jungen" trägt wahrscheinlich noch den original Poschn, der mit „Ausschußseide“ gefertigt wurde. Neben dem Bast hat man damals nämlich auch Ausschussseide für die Herstellung des Poschns verwendet. Die beiden Goaßln waren ursprünglich wahrscheinlich gleich lang und hatten denselben Abschlussknauf. Da bei der "Wandergoaßl der Alten" auf dem Stiel kein Platz mehr für die vielen Plaketten mit den eingravierten Siegern war, hat man sich in den 1980er Jahren entschlossen, alle Plaketten bis auf die erste Plakette wieder zu entfernen. Dafür hat man den Holzstiel ausgehöhlt und in den Hohlraum eine Papierliste mit allen Siegern hineingesteckt. Der Metallknauf dient jetzt als "Verschluss". Womöglich hat man beim Aushölen sowohl den Stiel als auch den Metallknauf verkürzt.

Bei der Erwachsenen-Wandergoaßl gelang dieses „Kunststück“ erst viel später. Die Pass Ainring I war es, die in den 1960er Jahren die Wandergoaßl gleich 7 x (!) hintereinander gewann und zwar von 1962 bis 1969, wobei 1964 wegen des Armstorfer Gedächtnisschnalzens kein Wettbewerb stattfand. In dieser Zeit war man aber offensichtlich nicht mehr bereit, die bereits damals historische Wandergoaßl von 1936 für immer an die Siegerpass auszuhändigen, sodass Ainring I für ihre bis heute einmalige Siegesserie Duplikate der Wandergoaßl bekam. Neben Ainring I ist lediglich Siezenheim III im Besitz eines solchen Duplikates für ihre Siegesserien 1999, 2000 und 2001 sowie 2007, 2008 und 2009.

Um die "Wandergoaßl der Alten" wurde von 1936 bis 2011 bereits 58-mal gekämpft. In den Jahren 1936, 1938 sowie 1939 bei Bewerben in Salzburg/Maxglan. Die Wandergoaßl dürfte dann bis 1956 verschollen gewesen sein, da bereits einige Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges große Wettschnalzen stattfanden, Sieger aber erst wieder ab dem Jahr 1956 auf der Goaßl vermerkt sind. Nach der Gründung der „Schnalzervereinigung Rupertiwinkel“ am 25. März 1957 wurde bei den Rupertiwinkel-Preisschnalzen ab dem Jahr 1958 bis heute jedes Jahr um diese begehrte Trophäe gekämpft. Lediglich 1964 legte man ein „Pause“ ein, weil man in diesem Jahr das Jakob-Armstorfer-Gedächtnisschnalzen durchführte, ohne dabei einen Sieger zu küren. Man wollte damit den eben erst verstorbenen Jakob Armstorfer junior gebührend ehren, der sich um das Aperschnalzen besonders verdient gemacht hatte.

Schnalzen wird UNESCO-Kulturerbe

Anerkennung: Aperschnalzen wird Immaterielles Kulturerbe der UNESCO. Bayern will nachziehen.

Von Heinz Bayer (SN am 14.5.2013).

Er ist ein umtriebiger Mann, der Goiser Funktionär Ernst Müller. Jetzt hat er ein Meisterstück geliefert. Dank seiner Initiative wurde das „Aperschnalzen im historischen Rupertiwinkl“ in das Österreichische Verzeichnis der UNESCO als Immaterielles Kulturgut aufgenommen. Die Verleihung findet am 3. Juni im Mozarthaus in St. Gilgen am Wolfgangsee statt.

Allerdings hat die Sache derzeit noch einen kleinen Haken: Die Anerkennung als Kulturerbe gilt zunächst nur für die Salzburger Schnalzer.

Das sind konkret jene in Anthering, Bergheim (mit den Schnalzergruppen Bergheim und Muntigl), Straßwalchen (Schnalzergruppe Steindorf) und Wals-Siezenheim (Gois, Loig, Siezenheim, Viehhausen und Wals) und in der Stadt Salzburg (Lieferung und Maxglan).

Die Schnalzer aus Bayern, die ganz maßgeblich Anteil an der Pflege dieses Brauchs im Rupertiwinkl haben und im Verband maximal aktiv sind, müssen einen eigenen Antrag stellen. Das ist erst seit Ende April möglich. Denn in Deutschland ist das Übereinkommen mit der UNESCO erst heuer in Kraft getreten.

Bernhard Kern, Vorstand der Rupertiwinkel Schnalzervereinigung: „Ich sehe da keinen Konflikt. Im Gegenteil. Wir freuen uns mit den Kollegen in Salzburg und reichen unser Ansuchen so rasch es geht nach.“

Einmal im Jahr, und das seit 1954, treffen sich alle Jugend- und Allgemeinen Passen zum Rupertiwinkel-Preisschnalzen. Das passiert eine Woche vor dem Faschingssonntag. An dieser Brauchtumsveranstaltung beteiligen sich mehr als 1500 aktive Schnalzer aus Bayern und Salzburg. Die sieben Preisrichter beurteilen nach einem Punktesystem die Leistung jeder Passe. Sie hören die Schnalzer, dürfen sie aber nicht sehen, um niemanden zu bevorzugen oder zu benachteiligen.

Bewertet wird nach gleichmäßigem Takt und Lautstärke. Die beste und die schlechteste Bewertung bleiben unberücksichtigt. Als Preise gibt es Urkunden und Bierkrüge. Bei den Gemeindepreisschnalzen gibt es eine Jause bzw. Brotzeit. Der Siegerpass wird darüber hinaus für ein Jahr die begehrte Wandergoaßl übergeben.

Das Schnalzen ist eine starke gesellschaftliche Klammer, ein festes Bindeglied zwischen den Generationen. Heute genießen bei intakten Schnalzergruppen, Schnalzerstammtisch, Schnalzerstüberl, Schnalzerausflug, Schnalzerball, vor allem aber der sogenannte Schnalzermontag (nach dem Rupertiwinkelschnalzen) große gesellschaftliche Bedeutung.

Aperschnalzen Goaßl

Die Peitsche für das Aperschnalzen wird "Goaßl" genannt, mit beiden Händen geführt und ist kurzstielig. Der Handgriff ist rund, aus Holz gefertigt, der Durchmesser ist ca. 3cm und die Länge etwa 50 cm. Die Peitschenschnur ist ein aus mehreren Hanfschnüren gedrehtes Hanfseil mit einer Länge bis zu 4m, dessen Durchmesser sich von ca. 4cm beim Holzstiel zum Ende hin verjüngt und an dessen Ende die Treibschnur, "Bast" genannt, befestigt ist. Das Hanfseil ist am oberen Ende des Holzstiel in einer Nut so angebracht, daß es sich sich um diesen drehen kann. Der Bast wird aus Kunststoffschnüren gefertigt.

Weblinks

Quellen

  • Johann Punz, Trainer der Schnalzerpass Siezenheim III, 1.3.2011
  • Roth, Hans: Das Aperschnalzen, Sänger- und Musikantenzeitung 1/89, Seite 18
  • Haslinger, Adolf, Mittermayr, Peter: Salzburger Kulturlexikon, Residenzverlag Salzburg, 1987, Seite 53
  • Adrian, Karl: Von Salzburger Sitt und Brauch, Wien 1924, Seite 95
  • Hübner, Lorenz: Beschreibung des Erzstiftes und Reichsfürtenthums Salzburg, Salzburg 1796, Band 2, Seiten 536 und 537
  • Wagner, Hermann und andere Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, Oberösterreich und Salzburg 1889, Seite 442
  • Unser Salzburg, Ein Heimatbuch für Jugend und Volk, Wien 1916, Seiten 270-271
  • Die heute völlig unübliche Aufstellung der Schnalzer im Kreis wird auch bei Karl Adrian (Von Salzburger Sitt und Brauch, Wien 1924, Seite 95) sowie bei Hans Roth (für das Jahr 1833; in: Sänger- und Musikantenzeitung 1/89, Seite 21) erwähnt.
  • Roth Hans: Das Aperschnalzen, Sänger- und Musikantenzeitung 1/89, Seite 20
  • einen ganz ähnlichen Bericht finden wir bei Karl Adrian Von Salzburger Sitt und Brauch, Wien 1924, Seite 96: „Die Peitsche, die am meisten Takt hält und am tiefsten knallt, geht als Sieger hervor.“
  • Roth, Hans: Das Aperschnalzen, Sänger- und Musikantenzeitung 1/89, Seite 22. Paul Kaufmann, Brauchtum in Österreich, Wien 1982, Seite 98
  • Salzburger Volksblatt“ vom 21. Februar 1938, Seite 7
  • „Salzburger Chronik“ vom 22. Februar 1938, Seite 3 oder 5
  • Salzburger Volksblatt“ vom 6. Februar 1940, Seite 5