Falkensteinklause

Aus Salzburgwiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen
archäologische Ausgrabungen bei der Falkensteinkapelle, Aufn. 18.7.2012
Aquarell 1868, von Otto Josef Lentner aus dem oberbayerischen Ort Peißenberg
freigelegte Falkensteinklause mit Kellern
diverse Fundstücke von den Ausgrabungen bei der Falkensteinkapelle im Juli 2012
Pressekonferenz am 18.7.2012 wegen sensationeller ärchäologischer Funde bei der Falkensteinkapelle (siehe auch PDF-Datei)

Die Falkensteinklause ist ein nicht mehr existierendes Gebäude am Falkensteinweg unmittelbar unterhalb der Falkensteinkirche im östlichen Flachgau an den Flanken des Schafbergs.

Archäologische Forschungen

Auf Initiative des Heimatkundlichen Museums St. Gilgen-Wetzlhäusl wurde ein Projekt gestartet, das die Geschichte des Pilgerweges über den Falkensteinweg genauer erforschen sollte. In Jahr 2009 erfolgte dazu mit modernen Ortungsmethoden in der Umgebung der Falkensteinkirche eine Sondierung, wobei unter der Oberfläche Konturen von Mauerresten erfasst werden konnten. Ab 2011 wurden in diesem Bereich archäologische Grabungen durchgeführt, die inzwischen interessante Einblicke in die dortige Wallfahrts- und Pilgergeschichte ermöglichten.

Im Zuge einer im Jahr 2014 auf der Lichtung unterhalb der Kirche durchgeführten archäologischen Grabung konnten die Überreste einer ehemaligen Pilgerherberge freigelegt werden. St. Wolfgang war ja im 17. Jahrhundert nach Rom, Santiago de Compostela und Aachen die viertgrößte Pilgerstätte in Europa. Man geht von damals etwa 100 000 Pilgern jährlich aus. In der nun entdeckten Herberge wurden die Pilger bewirtet und versorgt. Vor der Grabung hatten Wissenschaftler des Ludwig-Boltzmann-Institutes für Archäologische Prospektion und virtuelle Archäologie Bodenradarmessungen durchgeführt und mittels dieser und 3D-Laserscans die Fundamente des Gebäudes entdeckt. Auf Basis dieser Ergebnisse und des Grabungsbefundes wurde eine virtuelle Rekonstruktion, die auch als Basis für eine Wiedererrichtung der Herberge dienen könnte, erstellt.

Sensationell war dabei die Entdeckung von zwei unter der Klause befindlichen Kellerräumen. Ein Gewölbekeller diente - wie zu erwarten war - als Vorratsraum. Der zweite Keller hatte jedoch eine einzigartige Funktion. Hier mündete eine hölzerne Wasserleitung ein. Das Wasser, das vermutlich aus der ursprünglichen Quelle auf dem Falkenstein eingeleitet wurde, füllte man in die „Wolfgangiflascherl“ ab. Diese waren offenbar ein beliebtes Wallfahrtsandenken unter den Pilgern, was durch die Scherbenfunde bestätigt wird. Diese Quelle auf dem Falkenstein wurde ja der Legende nach vom hl. Wolfgang, der im 10. Jahrhundert als Eremit auf dem Falkenstein gelebt haben soll, mit seinem Pilgerstab für seinen dürstenden Mitbruder aus dem Felsen geschlagen.

Dieser zweite Keller war nur über die Küche der Klause begehbar. Gefunden wurden auch jede Menge Tonscherben, Münzen, eine Maultrommel sowie wertvolle Glasstücke von Flaschen, die es nur in gehobenen Haushalten gegeben hatte. In der Laterine wurden zahlreiche Funde gemacht, die eine sehr gute Ernährung belegen. Darin fand man auch Spuren von Quecksilber. Nachforschungen der Wissenschafter haben ergeben, dass man damals die Geschlechtskrankheit Syphilis mit Quecksilber behandelt hatte.

Die vorgefundenen Gegenstände des Hausgebrauches – darunter Maultrommeln, Tabakpfeifen, eine Knochenflöte, Knöpfe, Gürtelschnallen und eine Taschensonnenuhr, sowie Speisereste, Münzen und Devotionalien, ermöglichen Einblicke in den Alltag der Eremiten und Pilger. Eine Mär hatte sich dabei zerschlagen: die Pilger waren gar nicht so arm wie angenommen.

Über das Leben

Die Eremiten lebten nicht immer ein Eintracht miteinander. So gab es 1739 ein Ansuchen zur Errichtung einer zweiten Klause, das allerdings nicht bewilligt wurde. Dafür wurde aber die Klause aufgestockt. Diese Ansicht gibt es auf einem Aquarell aus dem Jahr 1868 zu sehen.

Während der Hochblüte der Wallfahrt im 17. und 18. Jahrhundert nahmen bis zu 300 000 den Falkensteinweg.

Zum Nachlesen (PDF)

Neueste Technik macht Alltag auf uraltem Pilgerweg wieder lebendig, Archäologische Grabungen in Jahr 2012 am Falkenstein-Pilgerweg

Quellen