Häuslstutzen

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St. Wolfganger Häuslstutzen heute
Paul Gandl mit Häuslstutzen um 1900

Häuslstutzen stricken zählt zu den althergebrachten Bräuchen im Salzkammergut.

Geschichte

Einstmals mussten die "St. Wolfganger Häuslstutzen" am Palmsonntag fertig sein.

Eifrig wurde in den Wintermonaten auf den Höfen Schafwolle gesponnen und gestrickt, damit jedes männliche Mitglied der Hausgemeinschaft am Palmsonntag ein neues Paar Häuslstutzen ausführen konnte. Die Wadeln kamen bei dieser doppelten Strickart besonders zur Geltung. Daher konnte bei diesem Muster so manche Beinschwäche vertuscht und aufgepolstert werden. Wenn die Weiberleut beim Stricken auf den Höfen zusammensaßen und die "Menscher" kichernd den Geschichten der Alten lauschten, wurden auch viele Wunschgedanken in die Stutzen hineingestrickt. Für ein Paar solchen Männerstutzen musste man eine Woche fleißig stricken um selbe fertig stellen zu können.

Wichtig war es auch, dass eben die kleinsten Kinder, neben dem größten und höchsten Palmbuschen auch die St. Wolfganger Häuslstutzen anhatten.

Heute können nur noch wenige das komplizierte Muster. Ich habe mich mit der Bäuerin "Sueßen Pepi" darüber unterhalten, die noch in alter Tradition auch für ihre Enkelkinder die zweifärbigen, grün grauen Häuslstutzen strickt. Bei Festlichkeiten wie am Palmsonntag durfte die richtige Darstellung der Tracht nicht fehlen.

Gerade die in St. Wolfgang aufrecht erhaltene Tradition der Palmweihe und der festlichen Einzugs in die Kirche, rief schon in früheren Jahren die ungeteilte Bewunderung der Gäste hervor. Der althergebrachte richtige Palmbuschen besteht immer aus dreierlei Gleichem. Drei Buchszweige, drei blühende Palmkätzchen, drei Stechpalmenzweige, drei lange Haselruten, drei Zweige Immergrün, drei Wacholderzweige, drei Eichenzweige mit dem roten Laub vom Vorjahr, wie drei rotbackigen Äpfeln. In grauer Vorzeit sollten diese Pflanzen und Früchte das Böse abwenden.

Im Salzkammergut werden die oft meterhohen Palmbuschen auch noch mit bunten Seidenbändern geschmückt, selbe stehen mit wehenden Bandeln vor den jeweiligen Wirtshäusern der Einkehr- und Ausklang Möglichkeiten. Nach der Palmbuschenweihe und der Prozession werden die geweihten, farbenfrohen Palmzweige teils in den Herrgottswinkel und die neu gepflügten Äcker oder Wiesen als Segens- und Fruchtsymbol in die Erde gesteckt.

Diese ländlichen Sitten und Bräuche haben sich im Salzkammergut und St. Wolfgang über die Jahrhunderte bis heute erhalten.

Quellen

  • Mündliche Überlieferung aus St. Wolfgang
  • Volkskundliche Vorlesungen von Hofrat Univ. Prof. Dr. Franz C. Lipp, langjähriger Leiter des OÖ. Landesmuseums Linz an der Universität Salzburg

Verfasser

Dieser Artikel wurde von Adele Sungler verfasst und als Word-Dokument an das Salzburgwiki gesandt. Alle Bilder aus dem Archiv Adele Sungler.